Es ist eine gut hundertjährige Tradition: Einwohnerinnen und Einwohner von Eptingen erhalten von der ortsansässigen Mineralquelle kostenlos Mineralwasser. Seit 1998 müssen sich die Bezüger mit einem Papier ausweisen, dass sie als Dorfbewohner dafür berechtigt sind.

Diesen Ausweis haben aber nicht alle, die aus der Gemeinde weggezogenen sind, zurückgegeben. In vergangener Zeit wurde vermehrt festgestellt, dass auch frühere Einwohner Eptingens jeweils am Mittwochnachmittag vor die Rampe der Mineralquelle fahren und dort von diesem Angebot Gebrauch machen. Dem wird nun ein Riegel geschoben. Laut Damaris Buchenhorner, Leiterin Marketing der Mineralquelle Eptingen AG, kam die Initiative von der Gemeinde aus. Dies bestätigt Gemeindepräsidentin Melanie Wussler: «Aus der Bevölkerung, die Beobachtungen gemacht hatte, kamen Hinweise.» Die Leute hätten das Gefühl, dass kostenloses Mineralwasser ein Privileg der Dorfbevölkerung sei. Es sei ungerecht, wenn alle holten. «Vielleicht spielte auch die Angst mit, dass die Mineralquelle damit plötzlich Schluss machen könnte», vermutet Wussler.

An die Spielregeln halten

Nun haben sich die Geschäftsleitung des Unternehmens und die Gemeinde auf eine neue Lösung geeinigt. Auf 1. März hin wird ein Jahresausweis eingeführt, den die Einwohnerinnen und Einwohner des 540-Seelen-Dorfs bei der Gemeindeverwaltung beziehen können.

Wie viele Personen unberechtigt gratis Mineralwasser bezogen haben und wie hoch dessen Menge ist, kann Buchenhorner nicht sagen. «Es ist ein kleiner Kundenkreis», meint das Geschäftsleitungsmitglied. Dass die Firma die Idee eines Vorfahren der Eigentümerfamilie Buchenhorner immer noch aufrechterhält, ist einzigartig. Fühlt sie sich deshalb in ihrer Grosszügigkeit nicht ausgenutzt? «Nein, gar nicht. Wir sehen das sehr locker», erklärt Damaris Buchenhorner. Sie seien jedoch der Ansicht, dass man sich an die Spielregeln halten müsse und es jetzt an der Zeit sei, die Sache nach über 20 Jahren zu bereinigen, damit wieder alles korrekt laufe.

Personen, die aus Eptingen weggezogen sind und bis vor Kurzem trotzdem kostenlos Wasser geholt haben, will die Mineralquelle nicht blossstellen. Sie können eine Kundenkarte beantragen, damit sie das Mineralwasser künftig ab Rampe billiger bekommen, aber nicht mehr gratis. Diese Regelung gilt jedoch nur für Leute, die in der engeren Umgebung von Eptingen leben.

Als Faustregel für kostenloses Eptinger Mineralwasser gilt für die Berechtigten ein Bedarf für etwa zwei Wochen, einen bis zwei Liter pro Tag und Haushaltsmitglied. Für eine leere Harasse gibts wieder eine volle. «Pepita kann zu einem günstigeren Preis gekauft werden», erzählt Damaris Buchenhorner.