Darf ein 24-jähriger Kosovare mit unrühmlicher Vergangenheit in der Schweiz bleiben oder muss er in sein Heimatland zurück? Vor dieser Frage stand am Mittwoch das Kantonsgericht. Das Amt für Migration wollte dessen Aufenthaltsbewilligung nicht mehr verlängern, die Regierung stützte diesen Entscheid. Dass es so weit kam, hat sich der Beschwerdeführer – nennen wir ihn kurz Tarek – selbst eingebrockt: Tarek flüchtete im Alter von zehn Jahren zusammen mit seinen Eltern und seinen beiden Schwestern in die Schweiz. Aufzufallen begann er hier als 18-Jähriger, als er «Gewalt von nicht geringer Natur» ausübte, wie es Noah Birkhäuser als Vertreter der Regierung ausdrückte.

Was er in den drei Folgejahren alles verbrach, subsumierte das Baselbieter Strafgericht unter Raub, einfacher Körperverletzung, Tätlichkeiten, mehrfacher Sachbeschädigung, Beschimpfung, Drohung, versuchter Nötigung und Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und verurteilte ihn im Dezember 2015 zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Nur einige Tage später zeigte ihn seine Freundin wegen häuslicher Gewalt an und die Polizei verhängte ein Kontaktverbot. Einen Monat später zog sie allerdings ihre Anzeige wieder zurück. Tarek war auch im Betreibungsregister verzeichnet, da fünf Forderungen über rund 13'000 Franken gegen ihn liefen.

Er will nur für Ferien in Kosovo

Das Kantonsgericht setzte eine Parteiverhandlung an, um Tarek nicht nur aus den Akten, sondern persönlich kennen zu lernen. Bei der Befragung durch Präsidentin Franziska Preiswerk gab sich Tarek durch und durch als reumütiger Mann zu erkennen, der in Zukunft alles besser machen will. Er habe seit der Gewaltanwendung gegen seine damalige Freundin nichts mehr mit der Polizei zu tun gehabt, habe einen Kurs gegen häusliche Gewalt besucht, den er im Einvernehmen mit der Leitung nach einem halben Jahr zugunsten einer Betreuung durch eine Psychologin abgebrochen habe. Auch arbeite er Teilzeit an zwei Stellen und verdiene so gegen 3500 Franken monatlich. Damit habe er, der noch bei den Eltern wohnt, einen Teil seiner Schulden abbezahlt. Den Rest von knapp 11 000 Franken hatte er kurz vor der Gerichtsverhandlung beglichen, wie sein Verteidiger belegte. Allerdings ergab die Befragung, dass sein Vater dafür einen Kredit aufgenommen hatte.

Auch machte Tarek geltend, dass er mit seinem früheren Freundeskreis gebrochen und seit einem Jahr eine neue Freundin habe. Gerne würde er auf seinem Beruf – er machte eine Anlehre als Maler – arbeiten, und eine Firma würde ihn auch nehmen, aber nur mit Aufenthaltsbewilligung. Und Tarek weiter: «Jeder Mensch macht Fehler und ich sehe ein, dass ich solche gemacht habe. Sie können sich nicht vorstellen, wie leid mir das alles tut.» Er habe sich auch bei den Opfern entschuldigt und Schadenersatz bezahlt.

Sein Anwalt unterstrich Tareks Wandel wortreich und verwies darauf, wie unzumutbar eine Rückweisung in den Kosovo sei, weil Tarek alle nahen Verwandten und Freunde hier in der Schweiz habe. Trotz Ferienaufenthalten im Kosovo habe er keine Berührungspunkte mehr zu seiner einstigen Heimat. Die privaten Interessen von Tarek, hier bleiben zu können, würden die öffentlichen Interessen an seiner Fernhaltung überwiegen. Somit sei die Verhältnismässigkeit einer Ausweisung nicht gegeben.

Birkhäuser andererseits meinte, dass die Öffentlichkeit aufgrund Tareks «massiver Straffälligkeit» ein «sehr starkes Interesse» an einer Wegweisung habe. Zudem sei eine Integration Tareks im Kosovo möglich, da ihm seine Eltern dessen Kultur und Sprache vermittelt hätten. Birkhäuser: «Seine Integration in der Schweiz ist missglückt.»

Das Gericht zeigte sich grosszügig: Auf Antrag des referierenden Richters Christian Haidlauf stellte es den Fall aus und gewährt Tarek eine Frist, Belege für all seine Aussagen nachzureichen. Dazu Haidlauf: «Was Sie sagen, klingt glaubwürdig, aber ist nirgends belegt. Für eine Interessensabwägung ist eine Prognose zu Ihrer Integration matchentscheidend.» Dafür brauche es Belege wie einen Bericht der Psychologin, eine Bestätigung, dass er den Gewaltpräventionskurs einvernehmlich abgebrochen habe und einen Nachweis, wem er was bezahlt habe.