Grosses beginnt mit einem Brief, heisst es. Aber nicht immer. Manchmal beginnt Grosses mit einer Frage, auf die ein unerwartetes Ja folgt.

Das widerfuhr Andrea Marescalchi, dem Präsidenten des FC Aesch. Der Basler weilte im Oktober 2012 wieder einmal in Turin, besuchte ein Spiel im Juventus Stadion, Spielstätte seines Lieblingsclubs. Vor der Loge traf er einen Bekannten: Gianluca Pessotto, er spielte unter anderem in der italienischen Nationalmannschaft und bei Juventus, heute ist er Teammanager bei den Turinern. Marescalchi fragte den Ex-Internationalen an, ob er bei einem Juniorenturnier seines FC Aesch, Svizzera, mitmachen würde – Pessotto sagte gleich zu. «Zu Hause rief ich sofort meine Vorstandskollegen beim FC an», erzählt Marescalchi, «und sagte: ‹Herren, wir haben ein kleines Problem!›.»

Juventus seit Beginn dabei

Ein Juniorenturnier galt es aus dem Boden zu stampfen, das auch etwas hergibt, schliesslich hatte sich der Nachwuchs der «Alten Dame» angekündigt, wie Juve in Italien auch genannt wird. Das gelang. Bereits bei der Premiere des Turniers, im Sommer 2014, waren weitere klingende Namen auf dem Sportplatz Löhrenacker zu Gast. Borussia Dortmund, Redbull Salzburg, Servette Genf, Fulham FC und der Hamburger SV schickten ihre U-19-Juniorenteams nach Aesch, auch der Lokalmatador FC Basel gab sich keine Blösse, ebenso wenig fehlte der Gastgeber: Er verstärkte seine Elf mit Spielern aus anderen Clubs der Region und nannte sie Aesch Selection.

Nun steckt Marescalchi mitten in den Vorbereitungen für Turnier Nummer drei, das heute beginnt. Beruflich ist er Inhaber einer Treuhandfirma in Basel mit neun Angestellten. «Zur Zeit fühle ich mich aber eher wie ein Reiseleiter», sagt der 50-Jährige. Er hat die bz in sein Sitzungszimmer geladen, vor ihm auf dem Tisch dampft ein Espresso, an der Wand hängt ein Bild eines Maserati, immer wieder meldet sich sein iPhone. Andrea Marescalchis Eltern kamen in den 1960er-Jahren aus Italien in die Region, er wuchs in Basel auf, zog nach Aesch, jetzt wohnt er wieder in der Stadt. Zum FC Aesch fand er über seinen Sohn, der immer noch dort spielt.

Es kommt wie eine Champions-League für Junioren daher, das Teilnehmer-Tableau der Ausgabe 2016. Vier Teams treten bereits zum dritten Mal in Folge an: Fulham, Hamburg, der Vorjahressieger FCB und Juventus. Hinzu kommen – neben Aesch Selection – Roter Stern Belgrad, Sporting Lissabon und Fluminense FC aus Brasilien. Nicht mehr dabei ist der Sieger 2014, Redbull Salzburg. Das System Junioren-Turnier Aesch funktioniert so: Der FC Aesch offeriert Kost, Logis, Reise und Betreuung, die Teilnehmer geben ihre Sonderwünsche bekannt, dann organisieren Marescalchi und sein Team Flüge, Hotelzimmer, Transfers, Mahlzeiten, Ausflüge. Das Budget dieses Jahr: 150 000 Franken, gedeckt ist es von Sponsoren – «weitgehend», wie Marescalchi anfügt. Bei Verlusten springe der Chef ein. Also er.

Die Bedingungen von Juventus Turin lauteten: Viersternehotel und eigener Menüplan. «Sie wohnen jetzt im Hotel Euler am Bahnhof SBB», sagt Marescalchi. 40 Personen zählt die Delegation aus dem Piemont, darunter Teamärzte, Masseure, Assistenten. Chef-Trainer der U-19-Mannschaft von Juve ist Fabio Grosso, auch er ehemaliger Nationalspieler der Azzurri und Teil der Weltmeister-Mannschaft 2006. Und auch ihn kennt Mareschalchi seit langem. Das zeigt: Das Junioren-Turnier Aesch funktioniert vor allem über Beziehungen. Die Verbindung zu Fulham etwa kam über den früheren FC-Basel-Spieler Pascal Zuberbühler zustande, der nach seiner Zeit im Goal von Rot-Blau zu Fulham wechselte und dort noch immer tätig ist: als Goalie-Trainer. «Connections sind aber nur das eine», sagt Mareschalchi. «Genauso wichtig ist Vertrauen.»

Die U-19-Teams sind die Reservebank für die erste Mannschaft – noch mehr sind sie aber Schaufenster: Die 16- bis 18-jährigen Talente werden bereits von Scouts beobachtet und bei Gefallen abzuwerben versucht. Auch auf dem Löhrenacker werden am Wochenende wieder Späher anzutreffen sein, zu erkennen an Laptop, Feldstecher und Kamera. 2015 stand unter anderem Luca Zidane im Fokus, einer der vier Söhne des ehemaligen Weltfussballers Zinedine Zidane. Zidane Junior hütete das Goal der U19 von Real Madrid beim bisher einzigen Abstecher des Clubnachwuchses nach Aesch.

Hotelzimmer zerstört

Von Star-Allüren will Marescalchi, der als Aktiver bei Black Stars spielte, nichts bemerkt haben bei den Juniorenteams. «Das sind richtige kleine Profi-Betriebe: Es herrscht Disziplin, Disziplin, Disziplin.»

Nur einmal habe ein Team über die Stränge geschlagen: Gleich im ersten Jahr hätten die Junioren von Borussia Dortmund ein Hotelzimmer auseinandergenommen. «Wir haben reagiert», sagt Marescalchi. «Ich gebe seither allen Hotels die Anweisung, die Mini-Bar vor Ankunft der Spieler zu räumen.»

U-19-Juniorenturnier Aesch Mit Juventus Turin, Hamburger SV, Fulham FC, Roter Stern Belgrad, Fluminense FC, Sporting Lissabon, FC Basel und Aesch Selection. Sa, 30. Juli bis Mo, 1. August (Final: Mo, 14.45 Uhr). Sportplatz Löhrenacker. Tageseintritt: 7 Franken.