Knall auf Fall verliess Franz Saladin am 6. Februar 2018 die Handelskammer beider Basel (HKBB). Der plötzliche Abgang des Verbandsdirektors nach fast sieben Jahren im Führerstand kam für Aussenstehende überraschend. Laut offizieller Verlautbarung entschied sich Saladin damals, die operative Leitung abzugeben und die HKBB nach zwölf Jahren in verschiedenen Funktionen zu verlassen. Die Gründe für seinen Abgang bleiben letztlich aber diffus.

«Bin im Guten gegangen»

Der Laufentaler will sich auch heute nicht zu Details der damaligen Trennung äussern. Er stellt aber klar: «Ich bin im Guten von der Handelskammer gegangen.» Er pflege weiterhin Kontakt zu Verbandspräsidentin Elisabeth Schneider-Schneiter sowie zu seinem früheren Stellvertreter und heutigen Direktor Martin Dätwyler. Der Laufentaler verweist zudem auf seine Erfolge bei der HKBB: Die Zahl der Mitglieder habe in seiner Zeit als Direktor um knapp 40 Prozent zugenommen; der Verband sei öffentlich wesentlich sichtbarer als zuvor, vor allem im Baselbiet.

Allerdings sei Routine für ihn Gift. Deshalb hat er eine neue berufliche Herausforderung gesucht – und diese nach sechsmonatigem Time-out gefunden: Der promovierte Chemiker schenkt sich zum 52. Geburtstag heute Donnerstag eine eigene Agentur in Public Affairs. Das klingt nun nicht nach dem spektakulären Karriere-Move für einen, der lange eine der wichtigsten verbandspolitischen Stimmen der Region war. Saladin ist hingegen überzeugt, eine Marktlücke gefunden zu haben: «Unsere Region ist in diesem Bereich ein weisser Fleck.»
In der Schweiz gibt es laut Saladin sieben bis acht grosse Public-Affairs-Agenturen – alle von ihnen hätten einen Sitz in Zürich, die meisten einen weiteren in Bern. In Basel ist einzig die bekannte PR-Agentur Farner vertreten, für die einst der Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr tätig war. Mit einer kleinen Dependance.

Mit seiner Agentur will Saladin vor allem Projekten von Unternehmen und der öffentlichen Hand zum Durchbruch verhelfen. «Das Wechselspiel zwischen Wirtschaft und Politik ist komplex», erklärt Saladin. «Vielen Unternehmern fehlen Geduld und Fingerspitzengefühl für die Politik. Umgekehrt verstehen viele Politiker nicht, wie es im Wirtschaftsalltag zugeht.» Der Ex-Verbandschef und FDP-Politiker ist überzeugt, dass er wertvolle Übersetzungsdienste leisten kann. Anders als andere Agenturen sieht er sich nicht als Troubleshooter in der Krisen-Kommunikation. Er verfolgt einen langfristigen Ansatz: Früh mit den Betroffenen (neudeutsch: «Stakeholdern») in Kontakt treten und mögliche Probleme sowie Kritik bereits im Kern erkennen.

«Bei vielen Projekten kommunizieren die Unternehmen, aber auch die öffentliche Hand viel zu spät», sagt Saladin. Als Beispiel nennt er die Kontroverse um die Salzbohrungen in der Rütihard: «Wenn der Widerstand geboren ist, dann wird es schwierig.» Schwierig für das Unternehmen mit seinem Projekt – in diesem Fall die Rheinsalinen –, die aus der Defensive heraus reagieren müssten. Schwierig aber auch für die Kritiker, die kaum mehr zurückkrebsen könnten, nachdem sie ihren Widerstand lautstark verkündet haben. Mit der Kommunikation zuwarten lohne sich auch finanziell nicht, ist Saladin überzeugt: «Am schwierigsten und teuersten ist es, kurz vor dem Abstimmungstermin einen Meinungsumschwung herbeiführen zu wollen.»

Angebot an FDP-Chef Paul Hofer

Neben seiner neuen beruflichen Tätigkeit denkt der Dugginger über ein politisches Comeback nach: Er stand in den vergangenen Monaten in Kontakt mit FDP-Präsident Paul Hofer und bot ihm seine Dienste für die Baselbieter Wahlen vom 31. März 2019 an. «Eine Regierungsratskandidatur hätte ich mir vorstellen können», räumt Saladin ein. Allerdings stellte sich diese Frage gar nie, da Hofer – zum Missfallen vieler Freisinniger – bereits früh die Waffen streckte und dem Anspruch der SVP auf zwei Kandidaturen nachgab. Noch nicht bekannt ist, mit welchen Kandidierenden die FDP in Saladins Wahlkreis Laufen zu den Landratswahlen antritt. Die Wahlchancen stehen für frische Kräfte wie Saladin wegen des durch die Amtszeitguillotine erzwungenen Rücktritts von Rolf Richterich günstig.

Doch Saladin winkt ab. Allenfalls würde er für die Baselbieter FDP bei den Nationalratswahlen im Herbst 2019 kandidieren, verrät er. Der Einstand 2011, als Saladin als öffentlich mässig bekannter neuer Verbandsdirektor, aber mit hoher Wahlkampf-Präsenz antrat, darf als einigermassen gelungen bezeichnet werden: Er erreichte damals auf einer prominent besetzten Siebnerliste Platz zwei – relativ knapp hinter der gewählten heutigen Amtsinhaberin Daniela Schneeberger.