Das kann kein Zufall sein. «Ausgeschlachtet», das Buch zur Sissacher Schaumetzgete vom Oktober 2017, erschien am vergangenen Freitag. Gestern, nur drei Tage danach, kündigten die damaligen Metzgete-Gegner ihr eigenes Buch an. Unter ihnen: Lukas Baumann. Der Pfarrer und Tierschützer hatte im Nachgang zur Metzgete mit einer Performance landesweit für Schlagzeilen gesorgt. Er lief betend durch die Sissacher Begegnungszone und simulierte mehrmals eine Selbstgeisselung. So wollte Baumann das Unrecht an den zwei getöteten Schweinen sühnen.

Die zeitliche Nähe der Erscheinungsdaten der beiden Bücher sei tatsächlich kein Zufall, sagt Lukas Baumann: «Wir haben das bewusst so arrangiert.» Das Anti-Metzgete-Buch trägt den Titel «Schlachtung in der Einkaufszone. Hintergründe der Tötungsshow in Sissach». Der Untertitel macht klar: Baumann und seine Mitautorinnen sind nicht von ihrer Position abgerückt, keinen Millimeter. Für sie war die Metzgete, die ziemlich genau vor einem Jahr gegen hundert Schaulustige in einen Hinterhof in der Sissacher Begegnungszone lockte, ein brutaler, absurder, barbarischer Akt. Die Veranstaltung vom 28. Oktober 2017 hätte aus ihrer Sicht niemals bewilligt werden dürfen.

Selbstgeisselungs-Protest gegen öffentliche Schweineschlachtung

Selbstgeisselungs-Protest gegen öffentliche Schweineschlachtung

Angebot ausgeschlagen

Baumann hätte auch Teil des ersten Buches werden können. Dessen Herausgeber luden ihn und seine Mit-Autorin Beatrice Pfister ein, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Doch das Duo lehnte ab. «Wir mussten rasch feststellen, dass es darum geht, die Schlachtung zu rechtfertigen», sagt Baumann zur bz. «Wir wollten uns nicht vor den Karren spannen lassen, sondern etwas Eigenes auf die Beine stellen, das unsere Sichtweise wiedergibt.»
Einer der drei Autoren von «Ausgeschlachtet» ist Heiner Oberer. Der Journalist und Autor aus Sissach war es, der die Metzgete im Oktober 2017 organisierte, gemeinsam mit Metzger Rolf Häring und Hans Peter Eschbach. Oberer erfuhr gestern Nachmittag von der bz vom Konkurrenzprodukt: «Es gab Gerüchte, dass es solch ein Buch geben sollte. Mehr wussten wir jedoch nicht.»

Zur «Schweiz am Wochenende» sagte Oberer: «Wir Herausgeber bedauern sehr, dass Lukas Baumann, der den Anlass kritisierte, nicht für ein autorisiertes Porträt bereit stand. Wir würdigen ihn trotzdem.» Beatrice Pfister hätten sie ebenfalls angefragt, sagt Oberer. Doch sie habe mit juristischen Schritten gedroht, sollten im Buch ihre Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Darum erschien von ihr lediglich ein leicht veränderter Text, den sie autorisiert hatte. Pfister war es, welche die Metzgeteveranstalter mit Strafanzeigen und Beschwerden eingedeckt hatte.

Im Begleittext zu «Schlachtung in der Einkaufszone» heisst es, bei der Metzgete seien nicht alle Bestimmungen der Schlachtverordnung eingehalten worden. Trotzdem hätten die Veranstalter eine Bewilligung erhalten – die Autoren wittern Vetternwirtschaft: Der Metzgermeister und seine Kollegen würden die richtigen Leute kennen, hätten Beziehungen «bis hinauf zu höchsten kantonalen Stellen».

Andere Kapitel handeln von der «Ethik des Umgangs mit Nutztieren», die bei der Metzgete schmerzlich vermisst worden sei. «Das Tier wird nicht als ein Geschöpf wahrgenommen, das dem Menschen nahe verwandt und ebenso leidensfähig wie der Mensch ist, sondern als Objekt behandelt, das jederzeit getötet werden kann.» Es würden Alternativen zum Schlachten aufgezeigt – Auswege «aus dem Kreislauf des Tötens».

Der ehemalige Pfarrer Lukas Baumann geisselt sich öffentlich in Sissach.

Der ehemalige Pfarrer Lukas Baumann geisselt sich öffentlich in Sissach.

Oberer zeigt sich enttäuscht

Heiner Oberer wehrt sich gegen den Vorwurf, man glorifiziere das Töten von Tieren. In der «Schweiz am Wochenende» sagte er, es gehe im Buch weder um Lobhudelei, noch um eine Nabelschau: «Wir wollen die Debatte um Fleischkonsum, Tierhaltung und unser Verhältnis zu Nutztieren weiterführen.» Für ihn sei das Thema Metzgete mit dem Buch abgeschlossen, sagt Oberer zur bz. «Ich werde aber den Eindruck nicht los, dass sich bei den damaligen Gegnern die Gemüter noch nicht beruhigt haben.»

Ein Hinweis sei der Titel «Schlachtung in der Einkaufszone». Die Bezeichnung sei unwahr, sagt Oberer: «Der Anlass fand in einem gut abgeschotteten privaten Hinterhof in der Begegnungszone statt. Die Schlachtung war von der Begegnungszone her nicht einsehbar. Hier werden also bewusst wieder Unwahrheiten verbreitet. Das ist für mich enttäuschend.»