So fühlt es sich also an auf einem Kutschbock. Man schaukelt gemütlich die Strasse entlang, mit dem Wind in den Haaren, der Sonne im Gesicht, und – sobald man nicht aufpasst – einer Fliege im Mund.

Mit der Kutsche durch Basel.

Mit der Kutsche durch Basel.

Der Fahrer heisst Daniel Würgler. Normalerweise wäre der Fuhrhalter zu dieser Jahreszeit auf dem Gotthard-Pass unterwegs. Mit einer historischen Postkutsche befährt er täglich die Strecke Airolo – Andermatt. Gestern aber machte er eine Ausnahme. Für einen Spezialtransport reiste der Biel-Benkemer ins Flachland. Sein Auftrag: Einen Whirlpool von Pratteln nach Oberwil bringen, mit Abstecher in die Basler Innenstadt.

Vier Gänge inklusive rückwärts

Würglers Bolide hat zwei Motoren. Der weisse ist eine Stute namens Rosalka, der braune ein Wallach namens Komet. Vier Gänge kann der Fahrer einlegen. Erster und zweiter Gang, dazu Parken und Rückwärtsfahren. Als Schalthebel dient Würglers Stimme. Will er beschleunigen, ruft er im bestimmten Ton: «Chömed, vorwärts! vorwärts, Hüh zämme, Hüh!». Soll sich die Fahrt verlangsamen, wird die Stimme ruhiger, runder: «Und ruuuuuhig, ruuuuuhig! Guuueet!» Als Lenkrad dient eine Peitsche. Mit dieser berührt Würgler seine Tiere an der Seite. Für sie ist dies das Signal, die Richtung zu ändern.

Organisiert hat den 2-PS-Spezialtransport Arben Ahmeti von der Vector Logistics AG aus Pratteln. Es ist schon der dritte Versand seiner Art. Firmeninhaber Samuel Wolf will mit diesen publikumswirksamen Aktionen die Menschen zum Denken anregen. «Den Leuten ist meist gar nicht bewusst, das jeden Tag, jede Stunde, jede Minute tonnenweise Güter herumtransportiert werden, damit unsere Wirtschaft und unser Alltag funktionieren können.» Die Kutsche habe da als Anachronismus eine heilende Botschaft: «Ein Transport wie vor hundertfünzig Jahren verbraucht keine Emissionen und wirkt entschleunigend». In der Speditionsbranche sei das anders, sagt Wolf – dort nehme der Zeitdruck stetig zu: «Es muss immer schneller gehen, Verspätungen sind nicht erlaubt, und Kosten sollte es am besten gar nichts.»

Entschleunigend wirkt eine Kutschenfahrt in der Tat. Der tierische
2-PS-Transport braucht für die Strecke zwei Stunden. Wäre der Pool-Transport ein normaler Auftrag gewesen, so hätten die Mitarbeiter von Vector Logistics einen Lastwagen gechartert. Der wäre für dieselbe Fracht kaum mehr als zwanzig Minuten unterwegs gewesen, vom Prattler Domizil der Firma an der Lohagstrasse im Gebiet Salina-Raurica bis zum Einfamilienhaus am Bruderholz-Hang in Oberwil. Stau nicht miteinberechnet.

«Ohne den Umweg über Basel wären wir aber auch gut eine Stunde früher am Ziel gewesen», sagt Würgler. Als Durchschnittsgeschwindigkeit geht er von 8,5 Kilometern pro Stunde aus. Das entspricht dem Tempo eines gut trainierten Joggers.

Fernziel: New York

Am Start und am Ziel wird klar, dass der Transport trotzdem nicht ganz emissionsfrei von statten geht. Für das Beladen der Kutsche war ein Gabelstapler vonnöten – in Oberwil dann war es ein Lastwagen mit Gelenkkran, der die 350 Kilogramm schwere Sprudelwanne in den Garten hievte.

In Empfang nahm es der Peter Kurz, Filialleiter von Whirlpool-Paradies Allschwil. Er sah zwischen dem Produkt und der Botschaft des Transports einen nicht uninteressanten Zusammenhang: «Der Ratschlag an die Menschen lautet: Fahrt mal herunter, brecht aus der Hektik aus, entspannt euch – genau das kann man in einem Whirlpool tun.»

Bei Vector Logistics hat man derweil keine Zeit für Badegänge. Dort brütet man bereits weitere Projekte aus. Inhaber Samuel Wolf plant eine Fahrt von Pratteln nach Bern oder Zürich, ebenso denkt er über einen Transport über den Gotthard nach.

«Der Knüller wäre aber», schwärmt Wolf, «ein Transport nach Amerika: Mit der Kutsche nach Holland, von dort mit dem Segelschiff über den Atlantik nach New York.»