Frau Gschwind, was sagen Sie zum negativen Entscheid des Nationalrates?

Monica Gschwind: Ich bin natürlich enttäuscht. Allerdings kann ich die Argumentation des Nationalrates nachvollziehen.

Inwiefern?

Die parlamentarische Initiative von Christoph Eymann wollte einen zusätzlichen Sitz im Hochschulrat schaffen. Der Nationalrat aber fand, dass sich die Kantone untereinander einigen müssen, wer Einsitz nimmt und wer nicht. Das verstehe ich.

Aber Baselland sollte doch Anspruch haben auf einen Sitz?

Selbstverständlich. Wir sind der fünftgrösste Hochschulkanton. Bei der nächsten Vakanz werden wir unseren Anspruch geltend machen und uns natürlich bewerben.

Auf Kosten welches Kantons sollte Baselland denn einen Sitz erhalten?

Das kann ich im Moment nicht sagen, vielleicht gibt es ja demnächst eine Vakanz, die es zu besetzen gilt.

So wie es jetzt ist, mit reinem Gaststatus, muss es doch unbefriedigend sein.

Immerhin erhalte auch ich alle Traktanden und kann mich einbringen. Bloss stimmen darf ich nicht. Dafür stimme ich mich jeweils im Vorfeld der Sitzungen eng mit dem Kanton Basel-Stadt ab und wir erarbeiten eine gemeinsame Haltung. Basel-Stadt stimmt dann für beide ab. Natürlich finde ich nach wie vor, dass wir eine eigene Stimme bräuchten. Als gemeinsame Träger verfolgen Basel-Stadt und wir aber dieselben Ziele in der schweizerischen Hochschulpolitik, von dem her ist es vor allem wichtig, dass wir uns einig sind.

Bundesparlamentarier aus beiden Basel und verschiedener Parteicouleur machten den Schuldigen für die Niederlage in der gestrigen bz schnell aus: die Baselbieter Regierung – und speziell Sie als Bildungsdirektorin.

Im Nachhinein ist es immer einfach, einen Schuldigen zu benennen. Das halte ich nicht für fair. Wir haben unsere Baselbieter und auch die baselstädtischen National- und Ständeräte anlässlich mehrerer Gespräche informiert. Bereits damals war das Geschäft umstritten und einige brachten dieselbe Argumentation ins Spiel wie dies nun auch der Nationalrat tat. Zudem waren längst nicht immer alle an den Sitzungen dabei. Zusätzlich haben wir alle auch per Brief aufgefordert, in ihrem Netzwerk und ihren Fraktionen das Anliegen einzubringen.

Sie spielen den Ball also an gewisse Bundesparlamentarier zurück?

Grundsätzlich könnte man auch die Frage stellen, was etwa Initiant Christoph Eymann an Anstrengungen unternommen hat? Er hat zwar den Vorstoss eingereicht, aber keinerlei Mitunterzeichner gesucht. Als wir das erste Mal auf unsere Parlamentarier zugegangen sind, wussten sie nichts davon.

Was sagen Sie überhaupt zur Rolle von Eymann, da er bis vor kurzem noch Basler Erziehungsdirektor war, Sie nun aber mit am härtesten attackiert?

Das finde ich schade; ich persönlich ziehe eine sachliche Argumentation vor. Damit schadet Nationalrat Eymann letztlich der Zusammenarbeit zwischen beiden Basel. Ich hoffe, dass wir bald wieder an einem Strick ziehen. Ich werde Herrn Eymann sicherlich darauf ansprechen. Und ich betone: Mit meinem aktuellen Basler Amtskollegen Conradin Cramer arbeite ich intensiv und gut zusammen.

Ihnen wird vorgeworfen, im Vorfeld der Abstimmung keinen Brief an die Bundesparlamentarier aller Kantone geschickt zu haben, obwohl sie von den Baselbieter Vertretern darum gebeten worden seien.

Am letzten Sessionsgespräch haben wir dies diskutiert. Die Meinungen waren aber geteilt, ob es zielführend wäre, vor allem so kurzfristig.

Hätte hier nicht die Devise gegolten: Bringt’s nichts, schadet’s auch nicht?

Das ist natürlich schon so. Aber es wäre wirklich sehr kurzfristig gewesen. Die Beratungen in den Fraktionen waren schon lange abgeschlossen. Deshalb haben wir den Brief, den wir gemeinsam mit der Basler Regierung verfassen wollten, nicht mehr lanciert.

Hand aufs Herz: Im Moment passt Ihnen ein Hochschulratssitz auch nicht ins Konzept, da Sie ja bei der Universität sparen wollen ...

Diesen Vorwurf kann ich gar nicht nachvollziehen. Die Baselbieter Regierung und auch ich bekennen uns ausdrücklich zur Mit-Trägerschaft der Universität Basel. Wie diese finanziert wird, hat nichts mit einem Einsitz im Hochschulrat zu tun.

Können die beiden Basel wie versprochen das Uni-Globalbudget 2018 bis 2021 noch vor den Sommerferien präsentieren?

Das oberste Ziel bleibt, die Vorlage beiden Parlamenten bis zu den Sommerferien zu überweisen, daran arbeiten wir intensiv. Ich bin zuversichtlich, möchte aber kein genaues Datum nennen.