Wer hört, dass ein Mann pro Tag 6000 Kalorien in sich hineinfuttert, wird wohl das Bild eines sehr korpulenten Menschen vor sich haben. Matthias Nachbur aus Büren muss aber so viel essen. «Ich versuche, täglich sieben bis acht Mahlzeiten zu essen. Oft esse ich auch, wenn ich gar keinen Hunger habe.» Dass er täglich gleich für drei durchschnittliche Männer isst, ist laut Nachbur notwendig: Er trainiert fünfmal die Woche Leichtathletik und dreimal im Kraftraum. An manchen Tagen trainiert er sogar zweimal.

«Wenn mich Lehrer von früher sehen, erkennen sie mich gar nicht. Und wenn sie mich erkennen, fallen ihnen fast die Augen aus», erzählt der 18-jährige Gymi-Schüler. Den Lehrern kann man ihre Reaktion nicht verübeln: Noch vor drei Jahren hätte man den gebürtigen Bürener als «Fliegengewicht» eingeteilt. In Büren, wo er lebt und aufgewachsen ist, kannte man ihn früher als kleinen, herzigen Jungen. Er wurde unter Gleichaltrigen sogar «Justin Bieber» genannt. Wer ihn jetzt sieht, würde das wohl nicht mehr tun.

Sieben Jahre jung war Nachbur, als er mit Leichtathletik anfing. Heute betreibt er den Sport im Nachwuchs-Nationalkader. Im Frühjahr 2011 hatte er beim Training einen Unfall. Zu dieser Zeit wog er bei einer Grösse von 170 Zentimetern, gerade mal 47 Kilogramm. Trotz seiner damals 15 Jahre war das viel zu wenig. «Ich hatte gerade einen Wachstumsschub hinter mir und war sehr dünn», erzählt Nachbur.

Ohne Doping

Er begann mit Krafttraining, wodurch er wieder fit für den Spitzensport werden und sein ursprüngliches Level halten wollte. Dieses Ziel hat er sogar übertroffen. Innerhalb von drei Jahren legte er 30 Kilogramm an Muskelmasse zu. Schon oft musste Nachbur hören, dass er illegale Putsch-Mittel nehme; doch er hält gar nichts von Doping: «Ich möchte keine hochgezüchtete Chemiefabrik werden.»

Also stellte Nachbur seine Ernährung um, verzichtet seit seither komplett auf Süssigkeiten, Junkfood und Alkohol. Als er beim Training Fortschritte verzeichnete, wollte er immer besser werden und trainierte hart. Nun, drei Jahre später und 30 Kilogramm schwerer, macht er nicht nur fast Arnold Schwarzenegger Konkurrenz. Auch hat er mit seinen 18 Jahren schon seine eigene Firma. Sein Online-Shop «Nessential» lief so gut an, dass er im Februar dieses Jahres eine Aktiengesellschaft gründen und seither auch ein Büro in Liestal einrichten musste. Der junge Mann hat seine Firma komplett alleine aufgebaut, sich Marketing- und Geschäftswissen durch Schule und Literatur angeeignet. Schon immer habe er gerne für sich selber gearbeitet. Hinzu kam das Verlangen nach einer neuen Herausforderung – Schule und Sport waren nicht mehr genug. Er suchte sich ein neues Hobby und stellte seinen eigenen Online-Shop für Nahrungsergänzungsmittel auf die Beine.

Dass er sich in Sachen Ernährung so gut auskennt wie kaum ein Zweiter in seinem Alter, hat er dem Fachpersonal der Rennbahnklinik zu verdanken. Als Spitzensportler hatte er dort das Privileg, eine professionelle Ernährungsberatung zu erhalten. Nun möchte er sein Wissen so vielen Menschen wie möglich weitergeben.

Doch so simpel, wie sie sich viele dies vielleicht vorstellen, ist Nachburs Arbeit nicht. «Es kommt kaum vor, dass ich mal eine Viertelstunde vor den Fernseher sitze», sagt er. Wenn er nicht in der Schule sitzt, stemmt er Gewichte, macht Leichtathletik oder geht nach dem Unterricht in sein Büro.

Zum Glück wird er von Familie und Freundin unterstützt: «Während die anderen zum Dessert Kuchen essen, bekomme ich halt Fruchtsalat. Das schätze ich sehr.» Nicht alle Freunde und Bekannte nehmen seinen Lebensstil mit Verständnis auf, doch das ist ihm egal. Sein Ziel ist es, seinen Shop hauptberuflich zu betreiben. Nach dem Gymnasium wird er aber zuerst Betriebswirtschaft studieren. «Man weiss nie, was die Zukunft bringt, deshalb möchte ich mich zuerst absichern.»