Nach dem Studium unterrichtete Bruno Gadola als Klassenlehrer und Heilpädagoge in Allschwil. 1997 wurde er Rektor der Basler Kleinklassen. In seiner Diplomarbeit – er untersuchte die Eingliederung des an verschiedenen Einschränkungen leidenden Michele in die Primarschule von Parma – scheint auf, was ihn ein Arbeitsleben lang beschäftigte: Die Frage, wie die Integration von Schülern, die es schwerer haben als andere, gelingen kann.

So unbestritten der Grundsatz der Integration ist, so konfliktbeladen ist bis heute die Frage nach dem Wie und dem Wieviel. Gadola, Kopf und Seele der Entwicklung zur integrativen Volksschule, stand oft im Kreuzfeuer. Ihm ging es aber nicht um einen Entscheid für oder wider Integration oder Separation, sondern um ein Zusammenführen der Regel- mit der Sonderschule, ohne die je eigenen Stärken aufzugeben.

Bei seiner Pensionierung schrieb er: «... Genauso von Bedeutung war die Auflösung des Kleinklassen-Rektorats bzw. die Integration der Kleinklassen in die Volksschule. Die Sonderpädagogik wirkt nun in der Volksschule in Form der integrativen Schulungsformen, der Spezialangebote, ...»

Er war ein Schulleiter, der Wertschätzung und Zuneigung in ungewöhnlichem Mass genoss. Diese verdankte er seiner menschlichen Wärme, einer überzeugenden, klaren und erdigen Vermittlung seiner reich sprudelnden Ideen, seinem entwaffnenden, vom Churer Dialekt untermalten Charme, einem oft unkonventionellen, unbürokratischen Vorgehen ... und nicht zuletzt den legendären «integrativen» Kleinklassenfesten.

Integration war ein Thema, das Bruno Gadola auch in die Politik trug. Er war zwölf Jahre lang Einwohnerrat in Allschwil und leitete während sechs Jahren als Gemeinderat das damalige Departement «Erziehung, Kultur und Sport». Vor seinem Amtsantritt soll die Furcht vor dem als unbequem geltenden Bruno Gadola, diesem herausfordernden, spontanen, debattierlustigen Schnelldenker, nicht gering gewesen sein. Das änderte sich bald. Er fand auch als Politiker grosse Anerkennung.

Überhaupt die Künste – Literatur, Musik, bildende Kunst: Bruno Gadola war ihnen mehr als zugetan. Er liebte, brauchte sie, übte sie auch aus. In lebendiger Erinnerung sind seine Ausstellungen von künstlerisch aktiven Lehrpersonen am Sitz der Volksschulleitung auf dem Kohlenberg.

Noch an seinem letzten Weihnachtsfest, das er mit seiner über alles geliebten Familie feierte, wünschte er sich einen Stapel Bücher. Doch eine Grippe war für den von einer besonders schweren Form der Parkinsonkrankheit Geschwächten zu viel. In den Morgenstunden des Neujahrstags schlief Bruno Gadola ruhig ein.