Heinrich Holinger (58) scheidet per Ende Juni aus der von ihm vor 31 Jahren in Liestal gegründeten Firma Holinger Solar AG, die einst gegen 20 Prozent des Schweizer Solarmarktes abdeckte. Er sagt dazu: «Ich bin für die Geschäftsleitung mit meinem Alter zu unvorteilhaft. Natürlich ist diese Situation nicht einfach für mich, und ich hätte meine Erfahrung und mein Wissen gerne noch einige Zeit eingebracht. Nun werde ich mich eben nochmals neu orientieren.» Aussortiert aus dem eigenen Lebenswerk – wie geht das?

Bis vor zehn Jahren erlebte Holinger mit seiner Firma einen steten Aufschwung, verdiente sein Geld zur Hauptsache mit Photovoltaik-Anlagen und beschäftigte 20 Mitarbeiter. Höhepunkt war der Bau des neuen Firmengebäudes namens «Wattwerk» am Eingang von Bubendorf, das mit seiner ausgeklügelten Technik 50 Prozent mehr Energie produziert als es verbraucht und das inklusive Fahrzeugpark. Für diesen gewerblichen Vorzeigebau erhielt Holinger 2004 den europäischen Solarpreis und ein Jahr später auch den Schweizer Solarpreis; diesen hatte er ein paar Jahre zuvor schon für den Bau seines Wohnhauses in Oberdorf entgegen nehmen dürfen.

Verkauf als kleineres Übel

Doch in den letzten Jahren zeigte die Umsatzkurve seiner Firma nach unten. Dazu Holinger: «Die tiefen Energiepreise drückten bei den Solaranlagen auf die Rentabilität, womit die Aufträge zurückgingen, obwohl die Anlagen günstiger wurden. Der Markt für die thermischen Anlagen brach ganz zusammen.» Vor zehn Jahren habe seine Firma jährlich noch etwa 80 Sonnenkollektoren-Anlagen verkauft, heute praktisch null.

Hinzu sei gekommen, dass bei schrumpfendem Markt die Zahl der Anbieter von Solaranlagen gestiegen sei, was auf die Marge gedrückt habe. Vor zwei Jahren stand Holinger deshalb vor dem Entscheid, seine Firma zu verkaufen oder Personal zu entlassen. Er entschied sich für Ersteres und fand mit der IB Aarau, an der die Stadt Aarau die Aktienmehrheit besitzt, eine Käuferin. Geholfen habe ihm dabei auch sein Standbein in der Regenwassernutzung, was für die Aarauer Stadtwerke eine willkommene Bereicherung ihres Geschäftsfeldes sei. Holinger hält noch
16 Prozent der Aktien seiner einstigen Firma, vermietet das Firmengebäude an die neue Besitzerin und ist bis morgen stellvertretender Geschäftsführer.

Dass Holinger in der Solarbranche eine Kapazität ist, geht auch aus den aus der Energieszene eingeholten Stimmen zu seiner Rolle hervor. So sagen Felix Jehle, Leiter des Bereichs Energie beim kantonalen Amt für Umwelt und Energie (AUE), und Urs Steiner, Geschäftsleiter der Elektra Baselland, unisono: «Heinrich Holinger war im Solarbereich ein Pionier.»

Jehle ergänzt, dass Holinger schon in einer Zeit, als andere Unternehmer noch diversifizierten und verschiedene Energieträger berücksichtigten, fast ausschliesslich auf Sonnenenergie setzte. Daneben habe sich Holinger schon früh mit der Elektromobilität auseinandergesetzt und auch dort als Pionier gewirkt. Dafür sei er auch kritisch beäugt worden. Beim AUE war Holinger ein guter «Kunde», der für mehrere Projekte, unter anderem auch das Firmengebäude in Bubendorf, Fördergelder erhielt. Jehle: «Holinger war mit seiner Firma Holinger Solar lange der bedeutende Name in der regionalen Solarszene.» Auch Urs Steiner zieht den Hut vor Holingers Leistungen: «Er hat mir als Mann der ersten Stunde Eindruck gemacht. Er ist mutig gewesen und ist Risiken eingegangen. Nur durch solche Leute kommen wir technologisch und in Sachen Energieeffizienz weiter, sie sind Taktgeber.»

Mittlerweile kann Holinger seiner neuen Situation Positives abgewinnen. Er wolle sich mehr seiner Familie widmen – Holinger ist dreifacher Vater –, mehr Sport treiben und arbeitsmässig zurückkehren zu seinen Wurzeln. Das heisst, Holinger setzt mit seiner Firma Solar4you, die er vor fünf Jahren gegründet hat, dort an, wo einst die Holinger Solar gestartet ist: mit der Montage von Solaranlagen auf Alphütten, Gartenhäusern und ähnlichem. Und er importiert als Zwischenhändler Solarmodule. Daneben ist Holinger auch noch Teilhaber an der Talhaus AG, einem Gourmet-Restaurant und Camping-Platz in Bubendorf.

In die Politik will der Grüne trotz mehr Zeit hingegen nicht mehr zurückkehren, obwohl ihm seine achtmonatige Zeit als nachgerückter Landrat gefiel. Bei den Wahlen vor zwei Jahren verloren die Grünen jedoch ihren Sitz im Wahlkreis Waldenburg; Holinger machte das beste Resultat auf der Liste.

Die Politik gab einst auch die Initial-Zündung zu seiner Solar-Karriere. Holinger: «Auslöser war das geplante AKW in Kaiseraugst. Ich nahm an der Besetzung teil, fand aber, man kann nicht nur gegen etwas sein, sondern man muss sich auch für etwas engagieren.» Heute gibt er sich versöhnlich mit der Energiepolitik des Bundes: «Die vor einem Monat an der Urne abgesegnete Vorlage geht in die richtige Richtung.»