Mit diesem Resultat hat niemand gerechnet: Am Sonntag stimmten die Liestaler mit 2644 Ja- gegen 1141 Nein-Stimmen dem Quartierplan Bahnhofcorso zu. Das ist eine satte 70-Prozent-Mehrheit und das bei einer ansehnlichen Stimmbeteiligung von 44 Prozent. Ein sichtlich gelöster Stadtpräsident Lukas Ott kommentierte den Ausgang der im Vorfeld hart umstrittenen Abstimmung gestern Nachmittag vor den Medien mit den Worten: «Das ist ein ausserordentlicher Tag mit einem grossartigen Resultat. Die Zustimmung ist unerwartet deutlich und ein Vertrauensbeweis für unsere Entwicklungsstrategie.»

Ott verwies auch auf eine spezielle Punktlandung: Fast auf den Tag genau fünf Jahre ist es her, dass der Stadtrat zusammen mit SBB-CEO Andreas Meyer am Liestaler Bahnhof die neue Nationalratspräsidentin Maya Graf feierte. Dabei fiel Meyer auf, wie heruntergekommen der alte Bahnhof ist. Ein neuer Bahnhof steht jetzt also zumindest planerisch auf gesicherten Füssen. Bis er aber samt Bürohaus und Hochhaus auch in der Realität steht, dauert es noch.

Alexander Muhm, Leiter Entwicklung bei SBB-Immobilien, der im Liestaler Rathaus inmitten des gesamten Stadtrats sass, kündete an: «Spätestens 2025 ist der Quartierplan Bahnhofcorso zusammen mit dem Vierspur-Ausbau realisiert.» Muhm, dessen Begeisterung in den Worten «Ich bin von den Socken» gipfelte, temperierte die von den SBB einst selbst geschürten Erwartungen herunter: «Das B-moll ist, dass auch der neue Bahnhof nicht vor 2025 fertig ist.» Es sei nicht möglich gewesen, frühere Zeitfenster für dessen Bau parallel zum Gleisausbau zu reservieren.

«Wichtiges Signal für Uni-Campus»

Als weitere Schritte kündete Muhm an, dass die SBB mit dem Kantonsspital sofort die weitere Planung für das im Bahnhof vorgesehene Ambulatorium an die Hand nähmen. Und beim Hochhaus und «dem kleinen Bruder», dem Bürobau, reaktiviere man nun die vorübergehend gestoppte Nutzerfindung. Muhm: «Wir brauchen einen 50-prozentigen Vorvermietungsgrad, um mit den Bauten zu beginnen.» Auch die Nutzung soll nochmals mit der Stadt Liestal diskutiert werden und danach der Architektur-Wettbewerb fürs Hochhaus lanciert werden. Muhm: «Das gibt ein Superprodukt.»

Für Ott ist das Abstimmungsresultat auch eine gute Botschaft für den möglichen Uni-Campus hinter dem Hochhaus: «Das ist ein sehr wichtiges Signal für das attraktive Paket, das wir zusammen mit SBB und Gebäudeversicherung bieten können. Denn jetzt haben wir uns als verlässlicher Partner erwiesen.»

Stadtrat und Bauchef Franz Kaufmann betonte, dass man endlich Rechtssicherheit habe und somit «nicht Schnittstellen, sondern Nahtstellen» zwischen neuen Bahnhofsbauten und Vierspur-Ausbau. Den Gegnern gestand er zu, eine wichtige Diskussion zu städtebaulichen Fragen angestossen zu haben. Kaufmann: «Die Gegner haben uns herausgefordert. Doch der Quartierplan erwies sich als robust genug, um zu bestehen.»

Diese Gegner leckten gestern Wunden, wollten aber nicht von einer «Riesenenttäuschung» reden. Das Resultat habe sich in den letzten zwei Wochen abgezeichnet, wenn auch nie in dieser Deutlichkeit, sagte Raoul Rosenmund von der «Gruppe starkes Liestal». Hauptgrund dafür sei die Drohung der SBB, alles oder nichts zu bauen. Dazugekommen sei, dass die langfristigen Auswirkungen von komplexen Planungsvorhaben nur schwer erklärbar seien. Für die Opponenten gehen aber die städtebaulichen Diskussionen weiter. So sagte Heiner Karrer: «Mit dem gestärkten Bahnhofsareal wird jetzt die neue Post und die Verbindung ins Stedtli noch viel wichtiger.»