Irgendwie wirken die rechtwinkeligen Häuser mit ihren Ziegeldächern fast verloren neben der Ziefnerstrasse 18 zu Arboldswil. Hier steht eine spezielle Überbauung. Drei Gebäude sind es, gedrungen und verbunden zu einem Ganzen.

Wenn Anton Rudin die Tür öffnet – auch sie ist zumindest zur Hälfte gerundet – geht es weiter mit der Kantenlosigkeit. Zimmer wölben sich wie Kuppeln über hellen Räumen und Schränken, die in den Wänden verschwinden.

Hier, in den erdüberdeckten Sonnenhügelhäusern, wie sie heissen, sind selbst die Sofas und Betten geschwungen. Doch um zu verstehen, was dahintersteckt, sagt Anton Rudin, Erbauer der Häuser und Bewohner des obersten der drei, müsse man oben anfangen, an der Strasse.

Die Sonne strahlt ungehemmt

Die Sonne strahlt ungehemmt auf Arboldswil nieder. Innenarchitekt Rudin sagt, das Dorf habe eine der höchsten Sonneneinstrahlungen ganz Europas. Es geht hoch zur Strasse, Rudin verspricht eine Überraschung und übertreibt nicht. Sein Haus hat ein Gesicht. Wer von oben kommt, den heisst es lächelnd willkommen – mit Augen, Ohren, einem Mund.

Doch das ist noch nicht alles: «Mein Haus hat auch Herz und Seele», sagt er lächelnd. Manchmal führt er Schulklassen durch sein Vierzimmerhaus, 160 Quadratmeter auf zwei Etagen. Dann trägt er ihnen auf, das Herz des Hauses zu finden.

Vieles, wie das Gesicht oder das Herz, sei zufällig entstanden, sagt Rudin. «Das kann man gar nicht planen.» Darum sei Bauen auch das falsche Wort in Bezug auf sein Haus. «Es wurde organisch in den Hang modelliert.» Und eigentlich ist es das Natürlichste der Welt. Menschen lebten in gewölbten Gebäuden, gebaut etwa aus Lehm, lange bevor es den rechten Winkel gab.

Die Häuser sind ein exklusives Gut

Manch einer verlöre sich im Zimmer, die fehlenden Kanten und Wandenden sorgten für eine grosse Weite, die nicht allen behage. Darum, und letztlich auch wegen des Preises, sind die schwungvollen Häuser ein exklusives Gut und nach wie vor selten anzutreffen. Rund 35 existieren in der Schweiz.

Ein ganzes Dorf aus Erd- und Sonnenhügelhäusern wäre so grün wie überhaupt möglich. «Man gibt der Natur einen Teil zurück», sagt Rudin. Denn wo gewöhnlich Ziegel um Ziegel prangt, wuchern hier Lavendel und wilde Nelken. Darum hat auch der Wind kaum Angriffsfläche. «Wenn es stürmt und bei den Nachbarn die Ziegel abdeckt werden, kann uns hier nichts passieren.»

Angestachelt durch einen Artikel in einem Architekturmagazin ist Anton Rudin überhaupt erst aufmerksam auf die spezielle Bauart geworden. Während dreier Jahre recherchierte er, ehe es 2003 mit dem Bau losging, 2005 zog er ein.

Noch heute, sagt er, entdecke er Neues im Haus. Darum will er auch nicht mehr weg von hier. Und vier rechtwinkelige Wände kommen schon gar nicht mehr infrage. «Ich will es mir gar nicht vorstellen müssen», sagt er schmunzelnd.