Herr Rütsche welchen Begriff haben Sie aus dem Nähkästchen gezogen?

Konzert

Was ist Ihre erste Assoziation?

Nina Hagen

Wie ist dieser Coup gelungen?

Durch Hartnäckigkeit, wahrscheinlich vor allem durch Hartnäckigkeit.

Man muss auch wissen, wie man an solche Stars herankommt.

Bei der Eröffnung wurde ich gefragt, was mein Traum sei. Ich antwortete, Seven und Nina Hagen im Guggenheim. Seven war hier. Anfragen bei Nina Hagen blieben unbeantwortet. Mittlerweile sind wir etabliert und es kommen bekanntere Leute. Es wird einfacher, wenn wir anfragen.

Ein dickeres Portfolio führt also zu anderen Acts?

Ja. Von der Kapazität her sind wir eigentlich ein Witz, das ist nicht lustig. Aber innerhalb der Schweiz haben wir uns einen sehr guten Ruf erarbeitet. Wir sind Musiker, wir wissen wie das geht: Man spielt in verschiedenen Bands und erzählt weiter, wo gute Orte sind. Das hört irgendwann jemand im Management. Mittlerweile werden wir angefragt und stürmen, wie bei Nina Hagen, nur noch sehr selten selber.

Wie hat das dann letztlich geklappt?

Meine Schwester sagte mir nach unseren Ferien, «du, die Nina Hagen kommt in die Schweiz». Ich fragte dann beim Management des entsprechenden Clubs nach und gelangte an die zuständige Agentur. Wir sind ins Gespräch gekommen. Es wurde geklärt, was notwendig ist, Technik, Raucherzimmer und Gage – der weisse Bademantel ist da noch das kleinste aller Probleme. Wir haben gesagt, das machen wir als Open Air. Dann stellte sich heraus: Das Brecht Programm, welches Nina Hagen macht, passt nicht in eine Open Air Kulisse mit Bus- oder Eisenbahngeräuschen.

Wie viele Plätze hat das Guggenheim?

250 Stehplätze und dann ist es eng. Beim Programm von Nina Hagen sitzen die Leute. Sitzplätze gibt es rund 120. Wir haben nun eine Lösung gefunden. Ich wollte immer mal ein Konzert im Engelsaal des Hotels Engel organisieren. Ich kenne den Wirt, Datum und Saal sind frei, es sind 500 Sitzplätze. Doch das Risiko ist gross. Zieht Nina Hagen überhaupt, erscheint sie, tut sie schwierig? Das kann ich alles nicht einschätzen. Doch wenn wir sie nach Liestal holen können, dann müssen wir das machen. Ist der Anlass erfolgreich, haben wir mit dem Engelsaal und unserer Organisation eine neue Möglichkeit andere grössere Acts nach Liestal zu holen.

Gibt es Versicherungen gegen Nicht-Erscheinen eines Stars?

Das habe ich bei Nina Hagen tatsächlich zum ersten Mal abgeklärt. Bei unserer Grössenordnung ist das im Verhältnis viel zu teuer. Wir gehen das Risiko jetzt ein.

Was macht die Konzert-Atmosphäre im Guggenheim aus?

Das Familiäre. Stars aus dem Fernsehen sitzen plötzlich zum Anfassen nahe vor einem. Das finden die Leute toll. Die Bands ihrerseits sehen die Fans und geniessen das. Wenn ich bei anderen Klubbesitzern wegen des begrenzten Platzes jammere, winken sie ab und sagen: Sei froh. Du bist ausverkauft und kannst exklusive Sachen machen.

Sie organisieren Konzerte. Spielen Sie im Moment auch selber?

In meiner aktiven Schlagzeuger-Zeit habe ich bis zu 100 Konzerte im Jahr mitgespielt. Mit vier Töchtern und dem Guggenheim steht das im Hintergrund. Es sind vielleicht zehn Konzerte im Jahr. Die sind wichtig für meine Balance. Immer nur der Businesskram, das tut mir nicht gut. Ich brauche mehr, meine Familie und Musik zu machen. Die Bereiche «abzumischen» ist schon toll.

Ist das Guggenheim ihr Traumjob für die nächsten zwanzig Jahre?

Ein Traumjob schon. Für die nächsten zwanzig Jahre? Nein. Ich bin nicht der Typ für so etwas. Sobald etwas läuft und Routine reinkommt, wird es für mich langweilig. Dann gebe ich es gerne ab. Routine finde ich ganz schrecklich.

Aber ein Schlagzeuger braucht eine Art rhythmische Routine. Widerspricht sich das nicht?

Das kommt darauf an. Bei der gleichen Band die immer gleichen Songs spielen, das wäre sicher irgendwann schwer für mich. Doch ich erlebe wechselnde Bands. Ich muss stets fokussiert sein, damit ich auf ein neues Level komme.

Also keine feste Band für Sie?

Das hängt von der Band und der Stilrichtung ab. Jazz bietet grosse Offenheit.

Kann man ein festes Profil, einen konstanten Stil entwickeln und gleichzeitig aufregend bleiben?

Ja, das denke ich schon. Mit klarer Marschrichtung aber ohne langweilig zu sein. Das Esbjörn Svenson Trio hat seinen Stil gehabt und immer wieder überraschendes Neues gemacht. Das versuchen wir im Guggenheim auch und laden zwischen Acts wie Sina, Hecht oder Marc Sway einfach Nina Hagen ein. Oder wir ändern das Setting, stellen drei weiss gedeckte Tischreihen auf und servieren zwischen den Musikstücken ein Menu.