Die Baselbieter Seelsorgenden sind überrumpelt: Bis vor kurzem gingen sie davon aus, dass Bischof Felix Gmür im Konflikt zwischen Pastoralkonferenz und Landeskirchenrat eher auf ihrer Seite stehe. Nun rügt er sie aber in einem Brief für ihre letzte Medienmitteilung. Wie das «Regionaljournal» am Mittwoch berichtete, macht der Bischof sie dafür verantwortlich, dass der Konflikt um die Kündigung der Fachstelle Katholisch BL.BS erneut mediale Aufmerksamkeit erhält. Was einige Mitglieder als «Appell an die Vernunft» auslegen, verstehen andere als Maulkorb.

Das Bistum schweigt

Das Bistum möchte sich zum Inhalt des bischöflichen Briefs nicht äussern. Dies mit der Begründung, dass es sich um «ein persönliches Schreiben an die entsprechenden Empfänger» handle, das nicht an die Öffentlichkeit weitergegeben werde. Aber Recherchen bestätigen die Informationen des «Regionaljournals». In ihrem Communiqué verurteilt die Pastoralkonferenz, dass «der Landeskirchenrat weiterhin den Willen zur Zusammenarbeit mit der Pastoralkonferenz vermissen lässt und die Regionalleitung (Bischofsvikar Christoph Sterkmann; Anm. d. Red.) sich in dieser Frage ebenfalls nicht hinter die Seelsorgenden stellt».

Mehrere Mitglieder hätten ausserdem in ihren Voten den Rücktritt von Landeskirchenpräsident Ivo Corvini gefordert. Bischof Felix Gmür ruft in seinem Brief die Seelsorgenden dazu auf, den Konflikt nicht öffentlich weiterzuführen und hebt insbesondere zwei Punkte in der Medienmitteilung hervor, die für ihn zu weit gehen: Eine öffentliche Kritik an kirchlichen Vorgesetzten sei nicht angebracht. Stattdessen solle ein konstruktiver interner Dialog geführt werden. Und die Rücktrittsforderung an Mitglieder des Landeskirchenrats stehe der Pastoralkonferenz nicht zu.

Felix Terrier, Sitzungsleiter der letzten Pastoralkonferenz und Leiter des Seelsorgeverbands Angenstein, wollte wie so manche Betroffenen nicht Stellung nehmen. Im Pfarrblatt «Kirche heute» äussert er jedoch seinen Unmut, dass der Konflikt «durch den von der Landeskirche gewählten Gang in die Medien leider auch von Anfang an in der Öffentlichkeit ausgetragen worden ist». Terrier bedauert, dass Landeskirchenrat und Regionalleitung den kirchlichen Mitarbeitenden «im Prozess keinen Raum» gewähren. Vor diesem Hintergrund blickt Terrier der kommenden Reorganisation der Pastoralräume besorgt entgegen: Es sei fraglich, «ob überhaupt bis im Sommer 2018 ein von allen Betroffenen getragenes Konzept umgesetzt werden kann».

Deutlich positiver wertet Béatrice Bowald, Co-Leiterin des Pfarramts für Industrie und Wirtschaft beider Basel, die Situation. «Die Reorganisation der Pastoralräume bringt es mit sich, dass Aufgaben und Kompetenzen neu verteilt werden. Das lässt sich als Anlass nutzen, vertrauensbildende Massnahmen zu treffen und in diesem neuen Umfeld den konstruktiven Dialog zu fördern.» Das sei auch das Ziel, das der Bischof mit seinem Schreiben beabsichtige: «Er appelliert an die Verantwortung der Beteiligten, Konflikte konstruktiv und intern zu bewältigen», sagt Bowald. Sie sieht in dem Brief keine Drohung, sondern einen Appell. «Der Bischof ruft wie damals die Apostel im Dienst der Gemeinschaft zur Vernunft auf.» Ein öffentlich ausgefochtener Konflikt schade dem Ruf der Kirche.

Kleinkarierte Kommunikation

Xaver Pfister, ehemaliger Leiter des Dekanats Basel-Stadt, hingegen kritisiert das Unterdrücken öffentlicher Diskussionen: «Es wäre viel sinnvoller, bewusst offen zu kommunizieren. Die Informationspolitik, die der Landeskirchenrat und das Bistum jetzt ausüben, ist einfach kleinkariert.» Ivo Corvini habe die Möglichkeit verpasst, sich durch ausführliche Stellungnahmen in einem positiven Licht darzustellen. «Wenn man sich so versteckt, ist das schlecht für die Glaubwürdigkeit.» Auch der Bischof solle öffentliche Diskussionen in den Pfarreien anregen, anstatt sie zu unterbinden, fordert Pfister. «Denn wenn man aktiv kommuniziert, hat man die Diskussionsführung in der Hand. Sonst muss man nach und nach zugeben und erklären und ist immer Zweiter.» Die «rote Karte» an die Pastoralkonferenz habe ihn ausserdem sehr überrascht. «Am Anfang des Konflikts schien mir, dass der Bischof eher auf der Seite der Seelsorgenden stand. Jetzt hat er offenbar eine Kehrtwende gemacht.»