Ein glaubwürdiges Opfer, aber eine ungenügende Beweislage: Im Fall des Vergewaltigungsvorwurfs an einen 36-jährigen Mann aus Frenkendorf entschied das Dreiergericht im Zweifel für den Angeklagten und kam damit zu einem Freispruch. Das Hauptproblem bei dem Fall war, wie die Aussagen entstanden sind: Das Mädchen hatte im Januar 2013 gegenüber der Polizei in Nizza angegeben, bei einem Ferienaufenthalt im Sommer 2011 in Frenkendorf in einem Maisfeld missbraucht worden zu sein.

Befragung wenig kindgerecht

Viel später sei es aufgrund einer Fernsehdokumentation über vergewaltigte Frauen aufgewühlt gewesen und habe sich danach zu einer Anzeige entschlossen. Zum Tatzeitpunkt war das Mädchen elf Jahre alt gewesen. Die Befragung der Gerichtspolizei in Nizza wurde auf Video festgehalten, der Datenträger verschwand aber irgendwo im französischen Behördennirwana. Lediglich ein Protokoll der Befragung lag noch vor, daraus waren zahlreiche Suggestivfragen und eine wenig kindgerechte Befragung ersichtlich. Eine vorherige Befragung bei einem Psychologen war überhaupt nicht protokolliert.

Gerichtspräsident Christoph Spindler lobte allerdings die Baselbieter Staatsanwaltschaft explizit: Dies habe alles unternommen, um nach der Übernahme des Verfahrens noch zu retten, was zu retten war. Gereicht hat es allerdings nicht. Das Dreiergericht liess trotz des Freispruchs die Frage der Zivilforderungen offen: Die inzwischen 18-jährige Frau könnte sich damit theoretisch noch vor Gerichten in Frankreich eine Genugtuung erkämpfen. Ihre Vertreterin hatte wegen der Übergriffe eine Entschädigung von 20 000 Franken gefordert.

Zu Schuldsprüchen kam es am Mittwoch aber dennoch: Der Mann hatte laut den drei Richtern einen Landsmann in Basel förmlich in eine Falle gelockt und mit dem Messer angegriffen. Das Gericht verurteilte ihn daher wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Seinem Opfer muss er eine Genugtuung von 2000 Franken bezahlen. «Angesichts Ihrer Drohung können Sie froh sein, dass die Staatsanwaltschaft Sie nicht wegen versuchter Tötung angeklagt hat», sagte Gerichtspräsident Christoph Spindler dazu.

Hinweis auf Schlepper-Tätigkeit

Zuvor hatte er den Cousin des Verletzten illegal von Italien nach Deutschland gebracht und dafür 1000 Euro kassiert. Abgemacht war unter den allesamt aus Eritrea stammenden Männern allerdings eine Reise nach Schweden, später kam es zum Streit, weil er das Geld nicht zurückzahlen wollte. Wegen einer ähnlichen Schleppergeschichte hatte der Mann bereits in Deutschland eine Geldstrafe erhalten.

Spindler betonte, es gebe mehrere Hinweise darauf, dass der 36-jährige Familienvater regelmässig Schlepperdienstleistungen als Nebenverdienst anbiete. Konkrete Beweise lagen dafür aber nicht vor. Die Delikte datieren noch aus der Zeit vor der Umsetzung der Ausschaffungsinitiative, ein Entscheid über die Aufenthaltsbewilligung liegt damit bei den Migrationsbehörden.