Wir Gärtner sprechen mit den Blumen, loben und ermuntern sie, doch manchmal - um ganz ehrlich zu sein - schimpfen wir auch mit ihnen. Eine gute Dosis Mitleid erhalten alle zurzeit nach der Februarkälte kaum mehr austreibenden Rosensträucher. Handkehrum lassen wir einen grossen starken Baum, dem scheinbar nichts etwas anhaben kann, gerne unseren bewunderten Beschützer sein. Wenn er dann von einem Orkan umgerissen wird, reisst es uns fast mit ihm um.

«Geburt» in ein Blumenleben

In diesen Tagen gehts ungeachtet des feuchtkühlen Wetters ans Säen für Sommerflor-Setzlinge. Dabei bieten wir unbewusst unsere ganze seelische Kraft auf, um den zarten Samen die «Geburt» in ein Blumenleben zu erleichtern.

Nach all dem liegt der Schluss nahe: Die Pflanzen sind uns wohl näher verwandt, als es äusserlich scheint und als es die nüchterne Wissenschaft gerne haben möchte. Einer, der dies bereits (oder noch) tief empfand, war der Schweizer Maler Ernst Kreidolf (1863-1956). In seinen Bildern stattete er um 1900 als einer
der Ersten blühende Pflanzen mit menschlichen Zügen aus - was bei vielen zuerst einmal auf Befremden stiess. Die ausdrucksstarken, nur selten niedlichen Verbildlichungen der Pflanzencharaktere erhöhten die Akzeptanz auch nicht gerade. Doch Kreidolfs «(Alpen-)Blumenmärchen» und der soeben nach hundert Jahren neu aufgelegte «Gartentraum» setzten sich langsam in den Herzen fest und wirken heute genauso frisch und originell wie dazumal. Kinder sind ganz besonders begeistert von den Büchern, in welchen Kreidolf Tiere und Zwerge auftreten lässt («Sommervögel», «Die Wiesenzwerge» u. a.).

Eine gute Gelegenheit, seinen Garten- und auch Wildpflanzen ganz neu zu begegnen, gibts jetzt für rund vier Wochen im «Poetenäscht» in Liestal (siehe unten). Dort ausgestellt, zum Anschauen aufgelegt und zum Kauf angeboten werden die meisten Bücher Kreidolfs. Wohl so mancher wird diese wiedererkennen als Grossmutters liebste Bildergeschichten.

Ein wenig zurücklehnen

Dass darob die Gartenarbeit leiden könnte, ist eher unwahrscheinlich: Der angesagte kühle Dauerregen vertreibt uns eh aus dem grünen Reich. Wer seine erfrore-
nen Sträucher zurückgeschnitten, die Kartoffeln zum Vorkeimen aufgestellt, seine Beete mit Phacelia, Spinat oder Zwiebeln begrünt hat, kann ruhig noch ein wenig zurücklehnen bis zum nächsten gärtnerischen Freiluft-Abenteuer.