Das soll nicht wieder passieren. Letztes Jahr wurden die Kirschenproduzenten und Vermarkter von der Rekordmenge überrascht. «Nun haben wir die Schlüsse daraus gezogen», erklärte Hansruedi Wirz, der Präsident des Früchtezentrums Basel, an einer Medienkonferenz beim Hof Breitfeld in Wintersingen, wo am Sonntag das «Chirsifescht» stattfindet (siehe Box).

Bei Schätzung und Vermarktung wurden die Hebel angesetzt. So folgt nach einer ersten Schätzung neu eine zweite. Die Erkenntnisse daraus: Die Kirschen werden dieses Jahr weniger gross, deshalb gibts Verschiebungen zwischen den einzelnen Klassen. Diese heissen nun – gemäss dem Durchmesser in Millimeter – 28+, 24+ und 21+. Sie lösen die früheren Bezeichnungen Premium, Extra und Klasse 1 ab.

«Esst mehr Schweizer Kirschen»: Nach diesem Motto wird die Vermarktung intensiviert. Die Werbebeiträge, welche die Kirschenproduzenten beisteuern müssen, sind verdoppelt worden. Je 100 Kilo fliessen jetzt 5,60 Franken in den Werbetopf. Laut Wirz verhandelt man mit den Abnehmern, um die Kirschen im Früchteangebot in den Läden besser zu positionieren.

Die laufende Woche ist die erste der drei- bis vierwöchigen grossen Kirschenernte. 630 Tonnen dürften schweizweit anfallen. Bis zum Wochenende werden rund ein Fünftel aller Schweizer Kirschen geerntet sein. In der vergangenen Woche kamen 360 Tonnen auf den Markt. «Die Nachfrage war grösser als das Angebot», konstatiert Hansruedi Wirz.

2800 Tonnen Tafelkirschen

Neben Tafelkirschen werden Konserven- und Brennkirschen geerntet. Baselland, Schwarzbubenland und Fricktal ist gemäss Wirz die grösste Anbauregion für schwarze Konservenkirschen. «Auch dieses Jahr dürfte es eine grosse Kirschenernte geben. Die Voraussetzungen dafür sind sehr gut», freut sich der Präsident des Früchtezentrums Basel. Über 2800 Tonnen Tafelkirschen gelangen heuer auf den Markt, im Rekordjahr 2014 waren es gut 3400 Tonnen.

Kirschenproduzent Ernst Lüthi aus Ramlinsburg zeigte auf, wie sich der Anbau in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt hat. Bäume werden mit Kunststoffplanen abgedeckt und vor der Witterung geschützt. Die Vorteile: ausgeglichenere Ernten, gesichertes Einkommen, bessere Kirschenqualität, längere Haltbarkeit. Dafür ist der Anbau kapitalintensiver geworden. «Für eine Fläche von einer Hektare mit 1000 bis 1200 Bäumen muss man 60 000 Franken investieren», rechnet Lüthi vor. Diese Fläche ergibt jährlich einen Ertrag von 15 bis 18 Tonnen Kirschen.

Ohne Wetterschutz sei die Kirschenproduktion nicht mehr machbar, sagt Lüthi. Deshalb sei die letztjährige Ernte trotz des schlechten Sommers so gut aufgefallen. In den 1970er- und 1980er-Jahren habe man starke Schwankungen in Kauf nehmen müssen. «Es war eine Lotterie», bringt es der Kirschenproduzent auf den Punkt.