Der kantonale Lärmschutz-Experte Andreas Stöcklin spricht bereits jetzt von «spürbaren Verbesserungen», vor allem im unteren Baselbiet und im Ergolztal. Die grossen Gemeinden entlang der Bahnstrecke Basel–Olten bestätigen dies.

Alte Bremsen rauben den Schlaf

Allerdings, sagt Stöcklin, gebe es weiterhin Gebiete, die dem Bahnlärm ausgesetzt sind, weil sich die nötigen Massnahmen aus Sicht des Bundes nicht rechnen. Teilweise sei auch der bereits eingebaute Schallschutz ungenügend. Deshalb will der Kanton den bestehenden Lärmschutz bald überprüfen, «um lokale Lücken in den Wänden zu schliessen».

Doch ist es in erster Linie Aufgabe des Bundesamts für Verkehr (BAV) und der SBB, Lärm-«Hotspots» auszumachen. BAV und SBB berechnen anhand der Platzverhältnisse, den Kosten und dem Nutzen, welcher Schallschutz wo infrage käme.

Für übermässig belastete Gebiete wünscht sich der Kanton Schallabsorber, die man direkt an den Schienen anbringt, damit die Vibration sich nicht in die Umgebung überträgt. Doch diese neue Technik werde in der Schweiz aber wohl erst 2015 erfolgen, erklärt Stöcklin.

Auch Robert Degen, Präsident der umstrittenen «Interessengemeinschaft gegen Eisenbahnlärm Pratteln und Umgebung» ist noch nicht zufrieden. Er kennt bereits eine Stelle in Pratteln, die er als «Hotspot» bezeichnen würde. Besonders kritisiert er, dass die Bremsstrecke der Güterzüge vor dem Bahnhof Pratteln im Wohngebiet liegt.

Ähnlich sei es auch in Liestal, wo die Gleise aus dem Adlertunnel wieder auf die Stammstrecke laufen. Der Bund, kritisiert er, berechne für den Schallschutz nur Lärm-Durchschnittswerte: «Sporadischer, lauter Bremslärm bringt die Anwohner aber genauso um den Schlaf.»

Verbot für laute Güterwaggons

Raumplaner Stöcklin macht Degen und anderen lärmgeplagten Anwohnern jedoch Hoffnung: Ab 2020 dürfen keine Güterwagen mehr durch die Schweiz rollen, die einen gewissen Lärmwert übersteigen. Damit würden faktisch die heutigen, lauten Graugussbremsen zugunsten von leiseren Bremsmechanismen verboten (siehe Box).

Weil die Bahnunternehmen nicht alle Güterzüge gleichzeitig umrüsten könnten, rechnet Stöcklin damit, dass sich die Lärmbelästigung durch Güterzüge schon in den nächsten Jahren schrittweise verringert.

Deshalb teilt Stöcklin auch nicht die Sorge Degens über den zunehmenden europäischen Güterverkehr in den kommenden Jahrzehnten: Die Lautstärke eines einzelnen Zuges wecke nachts die Menschen, nicht die Anzahl der Züge. «Die neuartigen Kunststoffbremsen helfen also, den Schlaf der Bahnanwohner zu verbessern», zeigt sich Stöcklin zuversichtlich.