Es ist im Baselbiet still geworden um die Windkraft. Symptomatisch für die eingekehrte Ruhe sind die Industriellen Werke Basel (IWB), die einst mit ihrem Projekt auf der Challhöchi in der Pole Position waren. Das letzte öffentliche Lebenszeichen der IWB stammt vom November 2012, als die lokale Bevölkerung in Röschenz informiert wurde.

Der damalige Planungsstand: Die IWB setzten nach erfolgter Windmessung auf nur noch fünf statt neun Turbinen, je eine in Burg und Röschenz, drei in Kleinlützel. Dafür sollten diese mit einer Nabenhöhe von 140 und einem Durchmesser von 120 Metern höher und leistungsstärker werden und jährlich 25 bis 31 Gigawatt Strom produzieren. Entscheiden übers Projekt wollten die IWB im Frühjahr 2013. Vier Jahre später sagt Mediensprecher Erik Rummer nun: «Wir sind nach wie vor dran, die Machbarkeit abzuklären.»

Entscheidend sei «nebst genehmigungsrechtlichen Schritten ein allfälliges Gesuch zur Richtplananpassung im Kanton Solothurn durch die Gemeinde Kleinlützel», führt Rummer aus. Eine zeitliche Prognose fürs Projekt wagt er nicht mehr, dafür bekräftigt er: «Wir haben nach wie vor Interesse daran.

Aber ein Windkraftwerk in der Schweiz zu erstellen, ist ein komplexes Vorhaben.» Mit der Ruhe ums IWB-Projekt ist auch Ruhe bei der Opposition dagegen eingekehrt. Dieter Merz, Gemeindepräsident von Burg und Vorstandsmitglied vom Verein Wind-Still sagt: «Wir stehen Gewehr bei Fuss.»

Schweizerhalle 2018 möglich

So hat denn im Baselbiet mittlerweile auch ein anderes Windkraft-Projekt die Nase vorn: Die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) plant in Schweizerhalle eine Anlage mit einer Turbine. Zwar ist gemäss dem Verantwortlichen Felix Hartmann der Grundsatzentscheid noch nicht gefallen, doch sei ein Baubeginn schon im nächsten Jahr denkbar. Die Bürgergemeinde Basel, welcher der Boden gehört, und die Standortgemeinde Muttenz seien an Bord, und die Windwerte seien «in Ordnung», sagt Hartmann.

Er will jedoch keine Details preisgeben. Die Machbarkeitsstudie zeige auch keine Probleme mit Vögeln, doch müssten im Rahmen der Detailplanung, die jetzt starte, noch vertiefte Abklärungen hierzu gemacht werden.

Auch in Liesberg-Roggenburg, wo die EBM ebenfalls ein Windkraftprojekt plant, sind die Vorarbeiten schon relativ weit fortgeschritten. Dazu Hartmann: «Die technische Machbarkeitsstudie inklusive Windmessungen ist abgeschlossen, jetzt geht es noch darum, die Wirtschaftlichkeit abzuklären.» Zur Diskussion stehen drei bis fünf Turbinen mit einer Stromproduktion von 15 bis 20 Gigawatt.

Doch den Entscheid fällt nicht nur der EBM-Verwaltungsrat, sondern ein Stück weit auch das Schweizer Stimmvolk am 21. Mai. Denn ein Ja zum Energiegesetz heisst, dass mehr Geld in den KEV-Topf zur Unterstützung von erneuerbaren Energien fliesst (KEV steht für kostendeckende Einspeisevergütung). Hartmann sagt denn auch: «Wir fällen den Grundsatzentscheid sicher nach der Abstimmung.» Danach könnten die Windturbinen im günstigsten Fall, das heisst ohne Einsprachen, in drei Jahren stehen.

Am präsentesten war in letzter Zeit die Elektra Baselland (EBL) mit ihren Projekten in der Öffentlichkeit. Das hatte damit zu tun, dass die Bürgergemeinde Füllinsdorf als erste im Kanton an der Urne über ein Windkraftvorhaben befinden konnte – und Nein sagte. Deshalb hat die EBL ihr Projekt am Schleifenberg von vier auf drei, allerdings etwas grössere Turbinen auf Liestaler Boden abgespeckt.

Bis nächsten Dezember laufen nun noch die Windmessungen. Und die Resultate werden nicht nur über die Realisierung des EBL-Projekts in Liestal, sondern auch über jenes in Itingen-Zunzgen mitentscheiden. Denn bei Beiden hätten die durchgeführten Lidar-Messungen – dabei wird mit einem Lasermessgerät vom Boden aus die Geschwindigkeit der Partikel in höheren Luftlagen gemessen – etwa die gleichen Werte gezeigt, sagt Martin Strohmaier von der EBL.

Gleichzeitig mit dem Wind werden in Liestal übrigens mittels eines Aufzeichnungsgeräts für hochfrequente Stimmen auch die Aktivitäten der Fledermäuse gemessen. Sie gehören nebst Vögeln zu den möglichen Opfern von Windrotoren.

Fallen die Windmessungen in Liestal positiv aus, gleist die EBL gemeinsam mit dem Kanton die – umfangreiche – Umweltverträglichkeitsprüfung auf. Zusätzliche Hinweise zum Untersuchungsrahmen liefert dabei ein vom Bund auf Windkraftprojekte ausgerichtetes Handbuch, das sich nach jahrelanger Erarbeitung nun im Endstadium befindet.

Gestorben ist im Übrigen für die EBL das dritte, ins Auge gefasste Windkraftprojekt in Reigoldswil-Ziefen. Strohmaier sagt dazu: «Das ist nicht machbar, weil wir mit der Anlage die Richtstrahlen der vielen Richtfunkantennen auf dem Holzenberg beeinträchtigen würden, egal wo wir die Turbinen aufstellten.»