Jetzt äussert sich Daniela Gaugler – zumindest schriftlich: In einem Brief an ihre 89 Ratskolleginnen und -kollegen kommentiert die neue Landratspräsidentin Punkt für Punkt die gegen sie in den letzten Wochen in den Medien erhobenen Vorwürfe. Demnach bietet die SVP-Politikerin in einem Lausner Gewerbegebiet ein Bed and Breakfast an, was womöglich nicht zonenkonform ist. Zudem ist Gaugler in eine Familienfehde mit Betreibungen gegen sie und ihren Ehemann konfrontiert.

Keine strafbaren Taten

«Ein Rücktritt von meinem Amt als Landratspräsidentin ist keine Option», schreibt Gaugler nun. Bei den Vorwürfen handle es sich nicht um feststehende Tatsachen. Die Vorwürfe stünden mit ihrem beruflichen und privaten Umfeld, nicht aber mit ihrer politischen Tätigkeit im Zusammenhang. Zudem handle es sich in keinem Fall um strafbare Taten. Ihren Kollegen versichert Gaugler, dass sie und ihr Mann sich «immer korrekt verhalten wollten und wollen». Sie sei sich bewusst, dass sie als formell höchste Baselbieterin unter spezieller Beobachtung stehe.

Nach Ansicht Gauglers würden die Gegenparteien gezielt ihre Wahl zur Ratspräsidentin nutzen, um via Medien Druck aufzubauen. Im Fall der Betreibungen über 173 000 Franken spricht Gaugler von einer familieninternen, privatrechtlichen Angelegenheit, die sich über Jahre hinziehe. «Solche Streitigkeiten gibt es in sehr vielen Familien. Diese werden aber normalerweise nicht über die Medien ausgetragen.» Zum Bed and Breakfast erklärt Gaugler, dass dieses von den Behörden in zeitlichen Abständen bewilligt worden sei. Wegen einer Anzeige von ehemaligen Mietern werde derzeit die Bewilligung überprüft. Dies entspreche einem gewöhnlichen Verwaltungsverfahren.

Mit ihrem Brief nimmt die Lausner SVP-Politikerin erstmals detailliert und zu sämtlichen Vorwürfen Stellung. Der zunächst «nur» den Landräten zugestellte Brief wurde gestern um 17 Uhr auf Wunsch Gauglers auf der Website des Kantons Baselland publiziert. Eine Anfrage der bz, ihre Stellungnahme zu erläutern, liess die 52-Jährige am Abend unbeantwortet. Allerdings scheint sie diese Flucht nach vorne nicht ohne Druck von aussen gewagt zu haben. Im Umfeld des Landrates wurde in den letzten Tagen harsche Kritik geäussert. Diese betrifft weniger die Vorwürfe an sich, als vielmehr die Art, wie Gaugler damit umgeht. Die Landratspräsidentin werde von den beiden starken Männern in der Baselbieter SVP, Präsident Oskar Kämpfer und Landrat Hanspeter Weibel, ferngesteuert. Zudem sei sie nach Veröffentlichung der Vorwürfe zunächst abgetaucht, anstatt sich mit klaren Aussagen zu stellen.

Eine der Kritikerinnen ist Marie-Theres Beeler. Die Grünen-Landrätin sitzt gemeinsam mit Gaugler im Ratsbüro und hätte es begrüsst, wenn nach Publikation der Vorwürfe eine ausserordentliche Ratskonferenz abgehalten worden wäre. Sie sei irritiert gewesen, dass sich Gaugler lange nicht geäussert habe, sagt Beeler zur bz. «Es war unglaublich, dass sie sich als höchste Baselbieterin von ihrem Parteipräsidenten hat vertreten lassen. Das geht nicht.»

Konflikt mit Kanton wäre No-go

Beeler begrüsst, dass nun eine transparente Stellungnahme vorliege. Inhaltlich mag sie sich zu den Vorwürfen nicht gross äussern. Nur so viel: Sie sehe einen grossen Unterschied zwischen den Streitigkeiten innerhalb der Familie und der Frage nach der Zonenkonformität von Gauglers Bed and Breakfast in Lausen. «Mit dem Staat darf sie als höchste Baselbieterin keinen Konflikt haben. Den wird sie ausräumen müssen», sagt Beeler. Ähnlich äussert sich SP-Fraktionschefin Kathrin Schweizer: «Ich habe auf eine Reaktion von Daniela Gaugler gewartet – und bin froh, dass nun eine Stellungnahme vorliegt.» SP-Landrat Hannes Schweizer, der mit Gaugler im Ratsbüro sitzt, sagt mit Augenzwinkern: «Ferien sind dazu da, um sich zu erholen und sich zu besinnen. Das hat sie offenbar gemacht.»

Auch SVP-Präsident Oskar Kämpfer betont das Recht eines Milizpolitikers, auch mal in die Ferien zu verreisen. Den Vorwurf, die Landratspräsidentin werde von ihm gesteuert, weist er zurück: «Ich habe nie für Frau Gaugler als Person geredet, sondern mich in ihrer Abwesenheit zur Sache geäussert.» Für Kämpfer ist klar: Machen solche Angriffe auf die Position Schule, dann müsse sich im Baselbiet künftig jeder zweimal überlegen, ob er sich für ein solches Amt zur Verfügung stellen wolle.