Es ist ja nicht nur der soziale Wohnungsbau, für den sich in der Baselbieter Verwaltung offenbar niemand zuständig fühlt (wie die bz anschaulich diese Woche in Erfahrung brachte). Wenn die Wirtschaftsoffensive die Einrichtung eines «One-Stop-Shops» vorsieht, zeigt das bloss, wie wichtig heutzutage ein einfacher Zugang zu einer alles koordinierenden Amtsstelle ist. In diesem Fall ein erster Anlaufort für potenzielle Wirtschaftsinvestoren, die von Fachleuten empfangen und durch das Dickicht von Gesetzesdschungel und Bewilligungsverfahren gelotst werden; sozusagen der rote Teppich zur Ansiedlung neuer, lukrativer Wirtschaftszweige im Landkanton.

Hingegen ist der Sozialbereich das krasse Gegenteil davon. Kein anderer Bereich mit direktem Bürgerbezug kommt innerhalb der Kantonsbehörden derart unübersichtlich und heterogen daher wie das Soziale. Schon der erste, grobe Blick auf die Organisationsstruktur spricht Bände. Während das Sozialamt der Finanz- und Kirchendirektion (FKD) unterstellt ist, fällt das Kiga mit seinen RAV-Arbeitsämtern unter die Obhut der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD). Ebenso untersteht die Suchthilfe und -beratung der VGD.

Um die Situation der Behinderten kümmert sich dann aber die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD). Und selbst für die Sicherheitsdirektion (SID) fällt mit den Bereichen Familie und Integration ein schönes Stück im Sozialkuchen ab. Die wenig überraschende Folge des Unterstellungs- und Kompetenzwirrwarrs: Vom «One-Stop-Shop» für Hilfe suchende Bürgerinnen und Bürger ist das Baselbiet so weit entfernt wie von einer sanierten Pensionskasse.

Heute Sonntag geht nicht nur die viermonatige Vakanz in der Baselbieter Regierung nach dem Tod von Peter Zwick zu Ende. Es findet auch ein beispielloser Wahlmarathon mit mindestens sechs bedeutenden kantonalen oder kommunalen Urnengängen innert 27 Monaten seinen vorläufigen Abschluss. Trotz der frischen, engagierten, zuletzt gar bissigen Kampagne des EVP-Herausforderers Thomi Jourdan deutet alles auf einen Start-Ziel-Sieg von CVP-Kandidat Anton Lauber hin.

Überzeugend hat der bürgerliche Allianzkandidat Lauber seine Erfolgsbilanz als Allschwiler Gemeindepräsident in den kurzen Wahlkampf eingebracht, während der von Rot-Grün unterstützte Jourdan vor allem mit Sachthemen zu punkten versuchte. Das wird dem sympathischen Muttenzer wohl einen Achtungserfolg, aber kaum die Wahlsensation bescheren. Trifft diese Prognose ein, wird die Analyse von Jourdans Niederlage morgen Nachmittag ähnlich wie bei Eric Nussbaumer vor eineinhalb Monaten ausfallen. Weder der SP-Nationalrat noch der EVP-Gemeinderat konnten das mehrheitlich bürgerliche Baselbiet von der Notwendigkeit eines Richtungswechsels überzeugen.

Ganz unabhängig davon, ob der Regierungsrat bürgerlich dominiert bleibt oder nicht : Was das wahlmüde Baselbiet ganz bestimmt nicht mehr will, ist eine Regierung, die nur verwaltet und sich auf Lorbeeren ausruht. Jetzt ist die Reihe an den dynamischen, vorausschauenden Machern. Dabei sollte der Regierungsrat seine neue Zusammensetzung als Chance und Aufforderung betrachten, nicht zuletzt bei der Direktionsstruktur über die Bücher zu gehen.

Die Zersplitterung bei den Sozialthemen einerseits, der Wegfall eines Teils des Gesundheitsbereichs durch die Spitalprivatisierung anderseits, schreien förmlich nach einer neuen Baselbieter Volkswirtschafts- und Sozialdirektion, die alle kantonalen Sozialbereiche unter einem Dach vereinigt. Und vielleicht wird der neue VSD-Vorsteher in ein paar Jahren den allerersten Schweizer «One-Stop-Shop» für Benachteiligte eröffnen können – ganz egal, ob es sich dabei um Arme, Alte, Arbeitslose, Kranke, Behinderte, Eingewanderte oder Süchtige handelt.