«Kommen Sie, ich zeige Ihnen den Weg.» Im Garten von Erna Fuhrer am Allschwiler Sandweg sind die Wege nicht auf Anhieb sichtbar. Wer sich nicht auskennt, landet in einer Sackgasse. «Im Frühling ist die Struktur jeweils noch sichtbar», berichtet sie. Doch später teilt die pensionierte Laborantin die Definitionsmacht mit den Pflanzen. Was spontan spriesst, lässt sie wachsen.

«Es muss nicht nur für mich, sondern auch für die andern rundum stimmen», umschreibt sie ihre Philosophie. Zu diesen «Anderen» zählen auch Pflanzen und Tiere. «Manchmal sorge ich für meinen Nutzen, manchmal nicht.» So sind die Zucchetti noch klein, da ihnen zwischenzeitlich der Mohn das Licht nahm. Dafür freut sie sich an den Insekten, die sich in den Blüten der hüfthoch aufgestengelten Rüeblistaude oder den kugeligen Lauch-Blütenständen tummeln. Drei «Wildbienenhotels» am Gartenhäuschen ziehen «die Viechlein» an.

Das Ergebnis dieser Toleranz gegenüber der Natur und ihren «Unkräutern» ist eine riesige Vielfalt, die sie mit Samen mehrt, die sie bei Pro Specie Rara bezieht oder wie den «Ewigen Kohl» im Botanischen Garten in Zürich besorgt. Da steht Baumspinat neben roter Melde. Deren botanischer Verwandter, der südamerikanische Amaranth, fand seinen Weg durch afrikanische Nachbarn in ihren Garten. Und den Kollo Vianco kennt sie unter dem Namen «Nello-Salat», weil der Italiener, der diesen auf dem Areal verbreitete, Nello heisst.

Den späten Frühlingsfrost haben Fuhrers Zwetschgen überstanden, während der Frühsorten-Baum im Nachbarsgarten fruchtlos bleibt. «Das zeigt, wie sinnvoll Vielfalt ist», erklärt sie und deutet auf das Durcheinander von Nutz-, Zier- und Wildpflanzen. Viele Unkräuter könnte man essen, etwa den Giersch. Doch wächst dieser zu nahe am Trottoir, wo Hunde ihr Bein heben. «Früher war der Sandweg ruhiger, nun hat es immer mehr Verkehr.» Ein Vorteil sei aber, dass sie so von Passanten ein direktes Feedback bekommt – «meistens positiv». Andere meinen: «Die lässt aber auch alles wachsen.» Auch hier ist Fuhrer, die keine Chemie oder Kunstdünger auf ihren zwei Aaren duldet, tolerant: «Die dürfen ruhig sagen, wenn es ihnen nicht gefällt.»

Kein Liegestuhl, keine Hängematte, kein Grill, das Häuschen ist vor allem ein Geräteschuppen: Den Garten als «grünes Zimmer» zu benutzen, dafür liege er zu direkt an der Strasse, meint sie. «Ich geniesse ihn, wenn ich hindurchlaufe, als Therapieort, zum Abschalten, um beim Arbeiten kreativ zu sein.» So ist ihr im Frühling das eigenhändige Lockern der Erde wichtig. «Einmal habe ich den Boden fräsen lassen. Da fehlte mir dann etwas.»