Von den Parteien bestreitet niemand das Recht der SVP, im laufenden Parlamentsjahr das Präsidium zu stellen. Auch halten sich die anderen Parteien zurück, Namen potenzieller Nachfolger vorzuschlagen. Im Vordergrund steht die Fähigkeit, den Rat einerseits straff, aber nicht polarisierend zu führen. Es überwiegt die Sehnsucht nach einem beruhigten Ratsbetrieb.

Wichtigere Themen

«Ich bin froh, dass nun die Situation geklärt ist und sich der Landrat wieder auf die Arbeit und wichtigere Themen konzentrieren kann», meint die SP-Fraktionspräsidentin Kathrin Schweizer. Sie zeigt Verständnis dafür, dass die SVP nicht sofort eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger präsentiert: «Dies ist ein sehr aufwendiges Amt. Wer es übernimmt, muss in der Regel dafür andere Funktionen zurückstellen und oft auch an der Arbeit kürzertreten. Es wird wohl nicht einfach, auf die Schnelle jemanden zu finden.»

Amt mit zusätzlichen Pflichten

«Persönlich tuts mit leid um Daniela Gaugler», erklärt Rolf Richterich als Fraktionspräsident der FDP. «Sie hat wohl ein Ende mit Schrecken dem Schrecken ohne Ende vorgezogen.» Die FDP habe Gaugler nie das Recht abgesprochen, ihre Rechte als Bürgerin wahrzunehmen, geht Richterich auf Gauglers Begründung in ihrem Rücktrittsschreiben ein. «Wer das Landratspräsidium übernimmt, gibt keine Rechte ab, sondern übernimmt einige zusätzliche Pflichten.»

Zur Nachfolge wolle er sich nicht äussern. Es sei an der SVP, nun jemanden zu präsentieren. «Sicher ist aber, dass jemand, der kurzfristig einspringt, mit viel Goodwill der anderen Fraktionen wird rechnen können», geht er auf die Schwierigkeit ein, das Amt ohne Vorbereitungszeit übernehmen zu müssen.

Ausgleichende Persönlichkeit

Klaus Kirchmayr zeigt sich «erleichtert, dass die belastende Situation vorbei und nun der Weg frei ist für einen Neuanfang». Der Fraktionspräsident der Grünen erhofft sich von der SVP, dass sie für die Nachfolge eine ausgleichende und breit akzeptierte Persönlichkeit vorschlägt, «die fähig ist, den Rat wieder in ruhigeres Fahrwasser zu führen».

Falls es der SVP gelinge, die richtige Person mit entsprechender Erfahrung aufzustellen, dann werde diese sicher mit einem ausgezeichneten Resultat gewählt. Eine Person, die bisher polarisierend in Erscheinung getreten ist, würde Kirchmayr dagegen unpassend finden.

Fähig, den Rat zu führen

«Gut, dass die Causa Gaugler nun beendet ist», kommentiert der CVP-Parteipräsident Marc Scherrer. «Eine gewisse Transparenz wird dem Amt und der Baselbieter Politik guttun.» Die CVP habe Rücksprache mit ihrem Parteimitglied Franz Meyer genommen, der als Landratsvizepräsident nun ad interim den Rat präsidieren werde.

Um einen Vorschlag für Nachfolge müsse sich nun die SVP kümmern. «Anschliessend wird dies sicher in der kommenden Woche in den Fraktions- und Parteipräsidien besprochen.» Einziges Kriterium sei, dass die Person fähig sei, den Rat gut zu führen.

Wieder eine Frau

«Wir bedauern ausserordentlich, dass Daniela Gaugler ihren Rechtsstreit mit dem Kanton höher gewichtet als ihr Amt», erklärt Fraktionspräsident Marc Bürgi im Namen der BDP. «Wir hätten eine Aussprache begrüsst, bei der sie den Inhalt der Verfügung transparent gemacht hätte.»

Der Führungsstil Gauglers habe der BDP eigentlich gefallen. «Wir würden es begrüssen, wenn als Nachfolgerin wieder eine Frau gewählt würde, die den Rat ebenso kompetent wie Gaugler führen kann. Das Ziel sei, so schnell wie möglich wieder einen geregelten Ratsbetrieb zu erreichen. «Wir sind gespannt, ob die SVP so jemanden findet.»