Ein Postulat fordert die Regierung auf, zu prüfen, welche Massnahmen nötig sind, damit KMU des produzierenden Gewerbes in der Stadt weiterhin Betriebsräumlichkeiten zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stehen. Der Grund: Das produzierende Gewerbe kann mit Nutzern höherer Wertschöpfung nicht mithalten.

Dieses Postulat ist im März 2013 eingereicht worden. Nicht in Basel, sondern in Uster. Das Basler Gewerbe, das diese Woche ähnliche Forderungen für die Stadt Basel erhoben hat, ist damit weder allein noch besonders früh dran. Wenn selbst die Kleinstadt Uster Probleme hat, ihr Gewerbe anzusiedeln, verwundern dieselben Probleme in Basel nicht. Speziell an Basel ist, dass das Gewerbe nicht nur die Stadt verlässt, wenn es auszieht, sondern automatisch auch den Kanton.

Das Tropeninstitut der Universität Basel plant genau diesen Schritt. Am heutigen Standort an der Socinstrasse 57 in Basel sind 600 Mitarbeitende in sieben Gebäuden tätig. Ein Ausbau ist unmöglich. Das Tropeninstitut will deshalb nach Allschwil umsiedeln. Was auf einem Luftbild nach einer Verschiebung um zwei Kilometer innerhalb des Weichbilds der Stadt aussieht, ist in Tat und Wahrheit ein Umzug über die Kantonsgrenze hinaus - mit entsprechendem politischem Begleitgetöse.

Viele Politiker in Basel möchten das Institut der Stadt erhalten. Und nicht nur das Institut und das Gewerbe. Die Stadt soll Platz bieten für Industrie und Erholungsraum, für Studentenwohnungen und Expat-Domizile, für Start-ups und für das Untersuchungsgefängnis. Dieses Gefängnis ist heute eingepfercht zwischen Wohn- und Gewerbehäusern an bester Stadtlage im Waaghof. Auswärtige Besucher, die das Gefängnis sehen, fragen unweigerlich: «Warum müsst Ihr alles in der Stadt haben?»

Ja, warum eigentlich? Basel tut so, als müsse es autark und ohne Umland überleben können. Die Stadt will mitten in boomenden Wohnzonen günstigen Wohnraum schaffen, mitten im Einfamilienhausquartier Gewerbegebiete erhalten, mitten in der Stadt Industrie ansiedeln. Gleichzeitig sucht Basel händeringend nach Wohnungen für gut verdienende Angestellte etwa der Pharma.

Denn die Stadt wächst. In seiner Bevölkerungsprognose geht der Kanton davon aus, dass die Bevölkerung von rund 191000 am Ende des Jahres 2010 auf rund 218000 Einwohner im Jahr 2035 ansteigen wird - so viel, wie seit den 70er-Jahren nicht mehr. Allerdings benötigen diese Einwohner viel mehr Platz: Die Wohnfläche pro Kopf ist um ein Drittel auf über 40 Quadratmeter angestiegen.

Gewerbe und Gefängnisse, Institute und Industrie, viel mehr Wohnraum, mehr Grün und weniger Verkehr - das geht nicht alles gleichzeitig. Es wird Zeit, dass Basel seine Inselmentalität ablegt. Basel ist ja kein von Wasser umgebenes Manhattan. Basel muss Teile der Stadt ans Umland delegieren, damit die Stadt weiter wachsen kann. Auch so wird sich Basel in den nächsten Jahren in Richtung Manhattan verwandeln und in die Höhe schiessen. Wenn wir heute Flächen auslagern, müssen wir morgen weniger in die Höhe bauen. Ein bisschen Manhattan ist ganz in Ordnung. Aber nur ein bisschen.