Es ist die Sensation der Gemeinderatswahlen im Dorneck-Thierstein vom Sonntag: Der amtierende Gemeindepräsident Roger P. Hänggi von der SVP verpasst den Einzug in den Zullwiler Gemeinderat. Die Abwahl von Hänggi folgt auf eine Reihe von Vorkommnissen, die im Dorf für Unmut sorgten. Mittels einer Motion wollte Hänggi 2016 die Zullwiler Gemeindeverwaltung auslagern. Dies, nachdem der Gemeinderat ein entsprechendes Geschäft mit 3 zu 2 Stimmen abgelehnt hatte. Daraufhin traten gleich drei Gemeinderäte zurück.

An der Gemeindeversammlung wurde die Motion für dringlich erklärt, jedoch an der Urne deutlich abgelehnt. Bereits im Vorfeld der Abstimmung waren Streitigkeiten zwischen Hänggi und dem damaligen Vizegemeindepräsidenten Roland Häner hochgekocht. So forderten sich die beiden Streithähne gegenseitig zum Rücktritt aus dem Gemeinderat auf.

Im Verlaufe des vergangenen Jahres kam es zudem zu einem weiteren umstrittenen Entscheid des Gemeinderats: Die Zusammenarbeit mit der Spitex Thierstein/Dorneckberg sollte durch einen Vertrag mit der Acura AG ersetzt werden. An einer Infoveranstaltung im März 2017 wurde klar, dass die Ablösung der Spitex Thierstein/Dorneckberg umstritten ist. Die Acura AG zog danach ihre Offerte zurück, welche sie für das Erbringen von Pflegedienstleistungen der Gemeinde Zullwil gemacht hatte.

Komitee Pro Zullwil überrascht

Nach seinem Rücktritt rief Roland Häner zusammen mit Gleichgesinnten das Komitee Pro Zullwil ins Leben. Esther Wunderlin vom Komitee zeigt sich in einer ersten Reaktion überrascht von Hänggis Abwahl. «Die Einwohner von Zullwil wollten wohl jemand anderen als Repräsentanten ihrer Gemeinde», so Wunderlin. Das Komitee rief zur Wahl am Sonntag auf, ohne eine konkrete Empfehlung abzugeben.

Verdrängt wurde Hänggi nicht zuletzt auch von Pascal Helfenfinger. Der 19-Jährige ist positiv überrascht, dass er in den Gemeinderat gewählt wurde. Er kandidierte auf der offiziellen FDP-Liste. «Ich denke, die Bevölkerung wollte eine Veränderung», sagt Helfenfinger. Da er aber erst seit Kurzem in der Politik von Zullwil mitmache, könne er über die genauen Gründe nur spekulieren. Roger P. Hänggi zeigte sich ihm gegenüber als fairer Verlierer: In einer Mail gratulierte er Helfenfinger zur Wahl.

Dominic Gigandet ist der Sieger der Wahl vom Sonntag. 190 Stimmen konnte er auf sich vereinen. Er kann sich die Abwahl von Roger P. Hänggi nur mit einer allgemeinen Unruhe im Dorf erklären. Eine Unruhe, die ihn nicht traf, da er selbst erst seit Kurzem im Gemeinderat sitze. «Für mich ist die Wahl ein Zeichen, dass die Leute mit meiner Arbeit zufrieden sind», sagt Gigandet. Als bestgewählter Gemeinderat stünde er für die Gemeindepräsidentenwahl eigentlich in der Poleposition. Er winkt jedoch aus familiären Gründen ab.

Folgt nun ein Comeback?

Roger P. Hänggis Nachfolger muss nicht zwingend aus den Reihen des neuen Gemeinderats stammen. Es könnte sogar zu einem Comeback von Hänggi kommen: Denn durch die Hintertüre wäre seine Wiederwahl noch möglich. Würde er sich als Gemeindepräsident aufstellen lassen und gewählt werden, müsste ihm jemand aus dem Kreis der Gewählten Platz machen.

Nach den Resultaten des Sonntags wäre dies auf jeden Fall Gemeindevizepräsident Silver Hänggi. Selbst wenn Roger P. Hänggi nicht mehr für die Gemeinsame Liste Zullwil antreten würde und als wilder Kandidat zurückkäme. Roger P. Hänggi war für die bz gestern nicht erreichbar.