Herr Stöcklin, worüber sprechen wir heute?

Meinrad Stöcklin: Über Medien.

Drei Jahrzehnte begleiteten Sie die Medien im Berufsalltag. Zuerst als Journalist, später als Mediensprecher. Hat sich Ihr Medienkonsum seit der Freistellung als Polizeisprecher reduziert?

Nein, ich nutze die Medien intensiv, bin ein News-Junkie und empfinde es als wichtig, dass man gut informiert ist. Die herkömmliche Zeitung ist in meinen Augen immer noch etwas vom Relevantesten, das es in der Medienlandschaft gibt. Radio kann ich hingegen abgesehen vom SRF nicht ganz ernstnehmen.

Können Sie sich über Zeitungsartikel aufregen?

Selbstverständlich. Wenn beispielsweise Kommentar und Berichterstattung vermischt werden, wie dies heute immer häufiger getan wird. Und wenn, auch das kommt vermehrt vor, auf den Mann gespielt wird. Im Sport staune ich zudem über die Gewichtung.

Sie kritisieren bekanntlich den medialen Fokus auf den FC Basel.

Viele haben das Gefühl, dass ich den FC Basel nicht mag. Das stimmt nicht. Der FCB macht seine Arbeit sehr professionell, da ziehe ich den Hut. Mich irritiert aber die Dominanz in den Medien. Wenn eine Seite darüber geschrieben wird, warum ein FCB-Spieler seine eigene Kaffeemaschine mit ins Trainingslager nimmt, frage ich mich schon, wo die Relevanz liegt.

Vor allem, wenn die anderen Sportarten kaum beachtet werden. Medien haben eine Mitverantwortung, auch im Sport. Wenn sie sich von den kleinen Sportarten abkehren, dann fehlt dort noch mehr das Geld. Und das wiederum verschärft die FussballMonokultur.

Sie hatten den Ruf, gerne in den Medien zu sein.

Woher dieser Ruf kommt, weiss ich nicht. Ich hatte meine Bühne über Jahre, das gehörte dazu. Die brauche ich nicht mehr. Zugegeben: Wenn Du über 16 Jahre in der Öffentlichkeit stehst wie ich, dann hast Du einen gewissen Selbstdarstellungstrieb. Der wurde mir sicher von einigen negativ ausgelegt. Zudem steht man in einer solchen Funktion zwangsläufig auch sonst speziell im Fokus.

Hat Ihnen das letztlich auch beruflich geschadet?

Weil ich eine hohe Medienpräsenz hatte, bin ich sehr bekannt. Offensichtlich hatte ich eine grosse Glaubwürdigkeit. Das zeigten mir die unzähligen Reaktionen der Menschen. Das war gewissen Leuten bei der Polizei ein Dorn im Auge. Vermutlich war ich am Schluss einfach zu stark. Oder anders formuliert: Ich bin dem Kommandanten in der Sonne gestanden. Ich war immer ich, habe mir aber eine gewisse Narrenfreiheit genommen. Wenn andere darauf neidisch sind, kann ich nichts dafür.

Ihre neu gewonnene Freiheit nutzen Sie, viel nach Ägypten zu reisen. Das scheint so etwas wie Ihre zweite Heimat zu sein. Warum?

Ägypten ist für mich ein wahrer Kraftort, fast schon Magie, ich fühle mich von diesem Land und seinen Leuten extrem angezogen. Ich habe Dutzende von Freunden, die ich in meinem Herzen trage. Wenn ich hier in der Schweiz bin, dann habe ich Heimweh nach Ägypten und könnte mir durchaus vorstellen, den Lebensabend dort zu verbringen.

Meine Freunde in Ägypten sagen auch, dass ich mit meiner Gelassenheit enorm viel Ägyptisches an mir habe. Dort sagen die Menschen auch in schlechten Situationen: «Inschallah», in etwa: «so Gott will». Von dieser Lebenseinstellung könnten wir in der Schweiz lernen.

Sind Sie der Meinung, dass die westlichen Medien ein falsches Bild der arabischen Länder zeichnen?

Absolut. Ich kann nur vermuten, was dahinter steckt. Ich stelle einfach fest: Es gibt im Westen ein mysteriöses Schwarz-Weiss-Denken. In den hiesigen Medien ist ein Araber mit Bart sehr schnell ein Terrorist. Das ist Schwachsinn. Ich bin überzeugt, dass der Islam nicht die schlechtere Religion ist als das Christentum. Im Christentum gibt es auch Extremisten, und zwar schon länger.

Damit wir uns richtig verstehen: Ich verurteile jegliche Form von Extremismus, und ein Gast hat sich stets anzupassen. Ich kann allen raten, mal in die arabischen Länder zu reisen. Die Warmherzigkeit der Menschen ist überwältigend. Hier steht nicht das Materialistische im Vordergrund. Davon können wir uns ein Stück abschneiden.

Warum werden diese Länder in den Medien so schlecht dargestellt?

Meine Vermutung ist, dass gezielte Strategien dahinter stecken. Es gibt Mächte auf dieser Welt, die nicht wollen, dass die arabischen Länder wieder auf die Beine kommen. Eine zentrale Rolle haben dabei die USA, denen wir neben viel Leid und Zehntausenden von unschuldigen Toten den IS oder die al-Qaida und schliesslich auch die Flüchtlingsströme zu «verdanken» haben. Aber es ist komplex.

Ist 9/11 medial restlos aufgeklärt?

Ich glaube nicht an die offizielle Version. Wer es wirklich war, weiss ich nicht. Es macht mich einfach stutzig, dass die Amerikaner keine neutrale Untersuchung zugelassen haben.