Lauwil liegt in einer von Wäldern umrandeten Senke im Baselbieter Jura. Der Jodlerclub lädt einmal im Jahr zum Heimatabend, der Frauenverein organisiert ein Kaffistübli und die Kantonsstrasse endet mitten im Dorf, weshalb die 322 «Loueler», wie sich die Bewohner nennen, vom Durchgangsverkehr verschont bleiben.

Aber die Idylle trügt - es gärt in «Louel»: Am Dienstag verteilten Unbekannte ein Flugblatt. Darin wird der Gemeinderat beschuldigt, die frühere Gemeindeschreiberin Karin Suter zur Kündigung gedrängt zu haben. Die Betroffene wiederholte diesen Vorwurf in einem Leserbrief in der gestrigen bz. Suter hat ihre Stelle zwar selber gekündigt - jedoch nicht ganz freiwillig, wie sie in ihrem Schreiben darlegt: «Es war alles nicht ganz so, wie es vom Gemeinderat kommuniziert wurde. Ich möchte hier die Wahrheit ans Licht bringen.»

Happiger Vorwurf

Die Kündigung verlief laut Suter so: Sie sei am Abend des 26. November von Gemeindepräsident Andy Mohr und Gemeinderat Marcial Blasutto aus heiterem Himmel darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass eine weitere Zusammenarbeit untragbar sei. «Sie sagten mir, ich hätte die Möglichkeit, selber zu kündigen.» Andernfalls würde sie fristlos entlassen. «Gründe, welche eine fristlose Kündigung rechtfertigen, würden sie schon finden», hätten die beiden noch angefügt. Danach musste Suter ihren Arbeitsplatz räumen.

Etwas mehr als zwei Jahre war Suter, die in Schöftland (AG) wohnt, in Lauwil tätig. Sie sei vom Gemeinderat immer wieder für ihre Arbeit gelobt worden. Den Grund, warum sie in Ungnade gefallen ist, macht Suter bei Bea Mohr aus, ihrer früheren Aushilfe: Der Gemeinderat hatte diese im Oktober eingestellt, ohne jedoch Suter vorab darüber in Kenntnis zu setzen. «Bea Mohr wäre nur im Stundenpensum angestellt gewesen, ihr Stellenbeschrieb lautete jedoch genau gleich wie meiner - da habe ich natürlich ein paar unangenehme Fragen gestellt.»

Gemeinderat sieht sich als Opfer

Brisant: Bea Mohr ist die Frau von Gemeindepräsident Andy Mohr. Suter vermutet, dass die Anstellung im Stundenlohn dazu diente, eine öffentliche Ausschreibung der Stelle zu umgehen: «Nach meinem Abgang hätte Bea Mohr meine Stelle erben sollen, durch das Hintertürchen sozusagen», ist Suter überzeugt. Andy Mohr will sich zur Kündigung nicht äussern, da er der Schweigepflicht unterstehe. Den Vorwurf der Vetternwirtschaft bestreitet er jedoch vehement: «Eine Aushilfe gab es schon früher. Und die neue Gemeindeschreiberin heisst Karin Schneider, sie hat ihre Arbeit bereits aufgenommen.»

In der Tat wird Schneider auf der Gemeindewebseite bereits als Gemeindeschreiberin aufgeführt - ebenso Bea Mohr. «Der Gemeinderat wird sich nicht auf diese Schlammschlacht einlassen», sagt Andy Mohr. Er hofft, dass im Dorf endlich wieder Ruhe einkehrt. Dieser Wunsch wird so rasch nicht in Erfüllung gehen: Wie die bz weiss, handelt es sich bei den Verteilern des Flugblatts um Nachbarn des Gemeindepräsidenten.