Und plötzlich steht Theo Schaller (68) wieder an der Baselbieter Bierfront. Er, der vor zehn Jahren als letzter Direktor der traditionsreichen, fast 160-jährigen Liestaler Brauerei Ziegelhof den 48 Mitarbeitern den Verkauf an die Luzerner Brauerei Eichhof verkünden musste, ist seit drei Monaten Verwaltungsratspräsident der Baselbieter Brauerei AG in Ziefen. Damit rückt er auch in den Fokus der Genusswoche, die heute in Bern eröffnet wird und in der das Baselbiet, und ganz speziell Liestal, involviert sind.

Die Baselbieter Brauerei ist nämlich ein typischer Vertreter dessen, was die Genusswoche propagiert: Das Start-up-Unternehmen mit derzeit einer Handvoll Mitarbeiter setzt auf ein regionales Produkt und braut im Rahmen der Genusswoche erst noch eigens ein Bier aus Baselbieter Roggen namens «Chribbel-Bier». Der Name geht zurück auf die Kriebel-Krankheit, die früher in Baselbieter Hospizen behandelt wurde. Dabei handelt es sich um einen starken Juckreiz, den ein vor allem auf dem Roggen auftretender Pilz verursacht.

Schaller charakterisiert das «Chribbel-Bier» mit den Worten: «Es hat die helle Farbe vom Roggen und erinnert geschmacklich etwas an frisches Brot. Es lohnt sich auf jeden Fall, es auszuprobieren.»

Näher zu den Leuten

Mit derartigen Spezialbieren gibt sich die Baselbieter Brauerei ein Alleinstellungsmerkmal, womit sie sich erfolgreich von der Konkurrenz abheben möchte. So läuft laut Schaller zum Beispiel das Banntagsbier, ein weiteres Spezialbier, an den Baselbieter Banntagen bestens. Für die Baselbieter Brauerei geht die Regionalisierung möglicherweise noch einen Schritt weiter: Sie ist am Abklären, ob sich Hopfen, der derzeit noch aus der Ostschweiz importiert wird, auch in der Region erfolgreich anpflanzen lässt. Die grosse Frage dabei sei, ob unsere Böden dafür geeignet sind. Für Schaller macht die Genusswoche durchaus Sinn, denn alles, was die Region bekannter mache, habe für diese einen positiven Effekt.

Doch im Zusammenhang mit Schallers neuem Mandat stellt sich noch eine ganz andere Frage: Ist es als Alarmzeichen zu werten, dass die Baselbieter Brauerei, die vor zwei Jahren mit der Produktion startete und rote Zahlen schreibt, ihn an die Spitze berufen hat? Schaller winkt ab: «Nein, der Grund ist eigentlich ein erfreulicher: Weil das Unternehmen wegen der grossen Nachfrage immer wieder Engpässe hat, brauchte man jemanden mit Ahnung vom Biergeschäft.»

Schaller weist einen ambitiösen Weg: Man werde nun das Aktienkapital mit dem Ziel erhöhen, eine automatische Flaschenabfüllanlage, neue Lagertanks und einen Kurzzeiterhitzer anzuschaffen. Der Investitionsbedarf dafür betrage rund eine Viertelmillion Franken. Dadurch soll die Bierproduktion von derzeit 10 000 Litern pro Monat verdoppelt werden. Schaller: «Ich habe keinerlei Bedenken, dass wir dieses Bier auch absetzen können. Bis in zwei, drei Jahren sollten wir schwarze Zahlen schreiben.»

Derzeit liefert die Baselbieter Brauerei an 33 Gastronomiebetriebe sowie an über 60 Verkaufsstellen, darunter Grossverteiler wie Coop, Manor, Landi und Volg. Dazu kommt der alle zwei Wochen stattfindende Rampenverkauf in Ziefen und die Flaschenabfüllung von Offenbier im Zwickelkeller auf dem Ziegelhof-Areal in Liestal. Dass die Baselbieter Brauerei jetzt erneuten Kapitalbedarf hat, begründet Schaller auch mit der finanziellen Startsituation vor vier Jahren: «Viele Brauereien beginnen mit einem Mass, wir starteten jedoch mit einem Herrgöttli.» Ein «Herrgöttli» ist mit zwei Dezilitern ein Fünftel von einem Mass.

Konkurrenz fördert Bierkultur

Seit kurzem ist mit der Brauerei Farnsburg in Sissach ein weiterer Player ins regionale Geschäft eingestiegen. Schaller, durch und durch Freisinniger, lächelt auf die Frage, ob ihm diese neue Konkurrenz Sorgen bereite: «Das hilft der Bierkultur. Wettbewerb spornt immer an, die Sache noch besser zu machen.»

Apropos Freisinn: Schaller wirkte politisch im Gegensatz zu seiner Frau, die in Reinach einst den Einwohnerrat präsidierte, immer nur hinter den Kulissen. Dort dafür als langjähriger kantonaler Wahlkampfleiter mit Erfolg, gelang es doch unter seiner Ägide, verschiedene Politiker wie etwa Adrian Ballmer in ihre Ämter zu hieven. Dass er selber nie ein politisches Mandat bekleidete, begründet der Nationalökonom mit seinen häufigen Auslandsaufenthalten. So leitete er unter anderem während ein paar Jahren die Roche-Niederlassung in Neuseeland.

Nach Übersee wird er zumindest beruflich nicht mehr zurückkehren. Dafür vielleicht an jene Wirkungsstätte, die er von 1998 bis 2007 leitete – den Ziegelhof in Liestal: «Wir führen Gespräche mit Barbara Buser von ‹Denkstatt›, die auf dem Ziegelhof-Areal gute Arbeit macht, über eine verstärkte Zusammenarbeit. Eine langfristige Idee ist, dass ein Teil unserer Bierproduktion dorthin verlegt werden könnte», kündigt Schaller an.