Miriam Locher verlangt vom Baselbieter Regierungsrat Auskunft über die Hintergründe zu den Abgängen an der Sonderschule TSM in Münchenstein. Die Landrätin hat einen Vorstoss in Aussicht gestellt, mit dem sie unter anderem in Erfahrung bringen will, wie sich die Klassengrössen verändert haben, seitdem die Sonderschule vom Kanton Baselland übernommen worden ist.

Die SP-Politikerin interessiert sich auch für die Zahl der Kündigungen auf der Stufe Lehrpersonen sowie Therapeutinnen und Therapeuten im Zuge des Trägerwechsels. Die Interpellation mit dem Titel «Vorgänge am Therapie-Schulzentrum Münchenstein» wird am Donnerstag eingereicht.

Bei der Sonderschule in Münchenstein scheidet fast das gesamte Leitungsteam aus. Vier von fünf Mitgliedern der TSM-Geschäftsleitung haben ihre Demission bekannt gegeben, darunter der Schulleiter Peter Frei. Auch beim Lehrkörper ist die Unzufriedenheit gross. So wird bemängelt, dass die Zahl der Heilpädagogen zu tief sei.

Miriam Locher sagt zur bz, sie beobachte die Vorgänge am TSM schon seit längerem mit Sorge. «Mir geht es darum, dass diese wichtige Institution stabilisiert und ihre Wichtigkeit erkannt wird.»

Kanton holte Aufgaben zu sich

Hintergrund der allgemeinen Unruhe am TSM sind die Veränderungen, die der Besitzerwechsel im August 2016 ausgelöst hat. Mit dem Übergang an den Kanton Baselland musste die Geschäftsleitung wichtige Aufgaben und Kompetenzen an die Baselbieter Bildungsdirektion abgeben. Vor der Übernahme war das TSM ein eigenständiger öffentlich-rechtlicher Betrieb, gemeinsam getragen von den beiden Basel. Mit dem Besitzerwechsel mussten zudem etliche Mitarbeitende Lohneinbussen in Kauf nehmen, da zuvor das Personalrecht von Basel-Stadt Gültigkeit hatte.

Monique Juillerat, Sprecherin der Baselbieter Bildungsdirektion, teilte im Januar mit, am Status des TSM seien keine Veränderungen geplant. Die Umstrukturierungen würden auf Juni 2014 zurück gehen. Damals habe Basel-Stadt den Staatsvertrag mit Baselland über das TSM per August 2016 gekündigt. «Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft hat entschieden, das TSM zu kantonalisieren und hierfür die entsprechenden Rechtsgrundlagen in der Verordnung für die Sonderschulung geschaffen.»

Per Schuljahr 2016/17 sei das TMS als erste kantonale Sonderschule verankert worden, inklusive den Änderungen bei Personalrecht und Bildungsgesetzgebung. Trotzdem ist gemäss Juillerat «ausreichend Spielraum für eine an den Auftrag angepasste Betriebsführung» vorhanden.

Eine Kaderstelle wird nicht mehr besetzt

Fred Aschwanden, Präsident des TSM-Schulrats, sagt, man werde in diesen Tagen die Suche nach Nachfolgern für die ausscheidenden vier Geschäftsleitungsmitglieder in die Wege leiten. Die Stelle der Leiterin Administration werde jedoch nicht mehr neu besetzt, da die Bildungsdirektion diese Aufgaben übernehmen werde. Die Leitungsstellen sollten spätestens per Beginn des neuen Schuljahres im August neu besetzt werden.

Das TSM (Therapie Schulzentrum Münchenstein) wurde 1976 gegründet. Es ist auf Schulung, Betreuung und Therapie von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen spezialisiert. Im Fachzentrum an der Baslerstrasse in Münchenstein werden rund 80 Plätze angeboten. Hinzu kommen gegen 120 Schülerinnen und Schüler, die integrativ betreut werden. Sie besuchen Schulen in den Kantonen Baselland, Basel-Stadt, Aargau und Solothurn. Derzeit zählt das TSM rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter Logopäden, Sozialpädagogen, und Physiotherapeuten.