Frau Martinez, wie vielen Leuten begegnen Sie, die sagen: «Was? Im Baselbiet gibt es Fledermäuse?»

Céline Martinez: Das passiert nur sehr selten. Aber es gibt noch sehr viele Menschen mit Vorurteilen gegenüber Fledermäusen. Dabei spielt der Aberglaube eine wesentliche Rolle.

Tatsächlich? Was glauben denn die Menschen?

Hartnäckig hält sich der Glaube, dass Fledermäuse bevorzugt Frauen ins Haar flögen. Dem Aberglauben zufolge bleiben die Frauen dann ewig ledig. Manche Leute fragen auch nach, wie es mit Vampirismus aussieht. Aber ich kann ihnen versichern, dass es in unseren Breitengraden keine blutsaugenden Fledermäuse gibt. Hier ernähren sie sich nur von Insekten (lacht).

Welche Fledermäuse gibt es in der Nordwestschweiz?

Es gibt in unserer Region 20 verschiedene Fledermausarten. Am häufigsten ist die Zwergfledermaus. Wir unterscheiden zwischen Höhlenbewohnern, die in Dachböden oder Kirchentürmen leben und meist stark bedroht sind, und Spaltbewohnern, die in Zwischendächern oder Rollädenkasten hausen. Schaden richten sie dort keinen an: Sie bringen kein Nistmaterial wie Vögel und nagen auch nichts an. Was stören kann, ist der Kot zum Beispiel auf dem Fenstersims; aber dem kann man einfach mit einem Kotbrettchen oder einem Blumenkasten entgegen wirken. Fledermauskot ist ein sehr guter Dünger.

Wie oft passiert es, dass Leute die Fledermäuse aus ihrem Haus gewaltsam entfernen?

Selten, aber immer wieder. Wir müssen dann möglichst schnell reagieren, denn alle Fledermausarten sind bundesrechtlich geschützt. Es geht uns nicht darum, stur die Anliegen der Fledermäuse durchzusetzen. Wir müssen Sympathien für die Tiere wecken. Oft wissen die Leute auch nicht, dass es sich um Fledermäuse handelt, wenn sie Störenfriede im Haus ausmachen.

Sie müssen Sympathien für die Fledermäuse wecken, haben Sie gesagt. Wie funktioniert das denn?

(Lacht) Sie müssen doch einfach eine Fledermaus von nahem anschauen, die Knopfäuglein und das weiche Fell, wie herzig sie sind. Ich finde, die Tiere werben am besten für sich selbst. In unserer Pflegestation haben wir immer wieder verletzte Tiere, die wir aufpäppeln. Solche Tiere sind oft an Veranstaltungen wie jetzt am Wochenende dabei.

Was kann jeder selbst tun, um Fledermäusen zu helfen?

Durch die fortschreitende Gebäudeisolierung verlieren die Fledermäuse ihre Spalten und Hohlräume zum Leben. Deshalb gibt es Spaltkästen zum Aufhängen. Es braucht aber sehr viel Geduld, bis die ersten Bewohner kommen, da Fledermäuse sehr standorttreu sind und ohne Not nicht umziehen wollen. Kurzfristig kann aber jeder auf einen giftfreien Garten achten, damit es genug Insekten als Nahrung für die Fledermäuse gibt. Auch ein Gartenteich hilft dabei.

Wo kann ich eher Fledermäuse beobachten, in Wenslingen oder im Kleinbasel?

Fledermäuse findet man an beiden Orten. In der Stadt leben weniger Arten; in Wenslingen gibt es zum Beispiel neben den Dachstockbewohnern auch Arten, die im Wald daheim sind. Unterwegs sind sie ab der Dämmerung, zum Beispiel an stehenden oder langsam fliessenden Gewässern. Ich gehe in Basel ans Rheinufer oder an die Birs, wo sie nicht zu schnell fliesst. Am Waldrand ist es am besten, in der Nähe einer Strassenlaterne zu warten.

Die Fledermäuse sind offenbar ziemliche Zivilisationstiere. Dann profitieren sie vom Menschen?

Sie haben profitiert. Heute werden sie aber vom Menschen auch gefährdet: Pestizide in der Landwirtschaft und der Verlust von Heckenlandschaften schränken ihren Lebensraum ein. Ausserdem sind Windkraft, Lichtverschmutzung, und wie erwähnt, die zunehmende Isolierung von Gebäuden schädlich für sie.

Stichwort Windkraft: Als Laie steht man nur hilflos zwischen den absoluten Meinungen von Befürworten und Gegnern. Sind Windkraftbefürworter wirklich «Fledermausmörder», wie einige Kritiker sagen?

Ich sehe das differenziert und bin kein prinzipieller Windkraftgegner. In gewissen Lebensräumen von gefährdeten Arten stellen Windkraftanlagen aber tatsächlich ein Problem dar. Fledermäuse können nicht nur wortwörtlich von den Rotorblättern erschlagen werden; durch den Unterdruck können auch ihre Lungenbläschen zerreissen.

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