In Europa galt die Pferde-Seuche Rotz als ausgestorben. Auch in der Schweiz ist der letzte Fall Jahrzehnte her. In der 20 Jahre zurückreichenden Datenbank ist kein einziger Fall aufgeführt, wie Regula Kennel vom Bundesveterinäramt auf Anfrage sagt.

Nun ist die Seuche, die für Mensch und Tier tödlich enden kann, in die Region zurückgekehrt. Vor ein paar Tagen wurde im Reitsportzentrum Bättwil ein Pferd positiv getestet (die bz berichtete). Seither steht das Zentrum unter Quarantäne. «Jetzt wird getestet, ob die anderen Pferde auch infiziert sind», erklärt Kennel. Die Ergebnisse sollen bis morgen oder übermorgen vorliegen. So wie es aussieht, sind keine Menschen angesteckt worden. «Mit den getroffenen Massnahmen auf dem Betrieb besteht keine Gefahr für Pferde und Menschen in der näheren und weiteren Umgebung», teilt die Solothurner Kantonstierärztin Doris Bürgi Tschan mit.

Auch dem Tier selbst gehe es eigentlich gut, betont sie. «Die Krankheit ist nicht ausgebrochen.» Festgestellt hat man die Infektion nur, weil das Pferd gezielt auf Rotz hin untersucht worden ist und man dabei Antikörper im Blut festgestellt hat.

Detektivspiel

Dem vorausgegangen war ein regelrechtes Detektivspiel. Angefangen hat das Ganze vor einem halben Jahr, als vermutlich zwecks Blutauffrischung ein paar Pferde aus dem Libanon, der bis dahin als seuchenfrei galt, in die EU importiert wurden. Kurz darauf kam es im Libanon zu einem Rotz-Ausbruch. Als die Behörden merkten, dass zu jener Zeit möglicherweise infizierte Tiere importiert wurden, ging die Suche nach ihnen los. Das Pferd in Bättwil kam über mehrere Stationen via EU in die Schweiz.

Weil das Tier nicht krank ist, sondern erst Träger des Bakteriums, besteht Hoffnung, dass keine weiteren Pferde angesteckt wurden. Sollten die weiteren Tests indes positiv ausfallen, werde sich das Geschehen über die Kantonsgrenzen ausdehnen. In diesem Fall würde das Bundesamt für Veterinärwesen die Koordination der weiteren Massnahmen übernehmen, so Bürgi. Gelte die Schweiz nicht mehr als «rotzfrei», kann dies starke Auswirkungen haben. Im schlimmsten Fall könnten der Handel mit Pferden verboten werden oder Importverbote von Pferden aus der Schweiz erlassen werden. Auch der Turniersport könnte betroffen sein. «Von daher hoffen wir nun alle das Beste», sagt Bürgi.

Pferd muss wohl eingeschläfert werden

Das betroffene Pferd wird ein weiteres Mal getestet. Bestätigt sich der Verdacht, muss es laut Kennel vom Bundesveterinäramt wohl eingeschläfert werden. Ziel sei, dass sich der Erreger keinesfalls ausbreite. Sowohl symptomlose wie auch sichtbar erkrankte Tiere können nicht geheilt werden. Der Besitzer erhält gemäss Tierseuchenverordnung eine Entschädigung.

Rotz ist eine der ältesten bekannten Pferde-Seuchen. Sie äussert sich durch Knoten auf den Schleimhäuten, den Atemwegen, der Haut sowie in den inneren Organen. Auch Menschen und andere Säugetiere können sich infizieren. Die Übertragung erfolgt durch direkten oder indirekten Kontakt mit infektiösen Körperausscheidungen. Der Erreger wurde als eine der ersten biologischen Waffen im 20. Jahrhundert eingesetzt.