«Wir haben 16 UMA, die bei zwölf Pflegefamilien leben» sagt Monique Juillerat. Sie ist Kommunikationsleiterin des Vereins Familea und meint mit UMA unbegleitete minderjährige Asylsuchende. Die UMA sind zwischen 11 und 18 Jahre alt. Eine Pflegefamilie wohnt in der Stadt, die anderen leben im Baselbiet. Juillerat: «Wir suchen immer neue Pflegefamilien – auch solche, die UMA aufnehmen können.»

Baselbieter Pflegefamilien müssen Flüchtlingskinder mittlerweile nicht mehr am Bahnhof Liestal abholen. Bisher wusste die Familie über den künftigen Gast höchstens Alter und Herkunftsland. Seit Februar werden dem Kanton Baselland vom Bund zugewiesene UMA im Erstaufnahmezentrum in Arlesheim betreut. Nun haben UMA und die Pflegefamilien mehr Zeit, sich im Vorfeld kennenzulernen. Im Erstaufnahmezentrum wird abgeklärt und geplant, für welche der jungen Flüchtlinge eine Unterbringung in einer Pflegefamilie das Richtige ist. Franziska Gengenbach, Co-Leiterin des kantonalen Amts für Kind, Jugend und Behindertenangebote: «Aktuell kann der Bedarf auf etwa zehn Jugendliche beziffert werden.» Momentan kämen wenige UMA in den Kanton Baselland, da es auch weniger Asylgesuche gäbe. «Der Bedarf kann rasch stark ansteigen, wenn die Anzahl Asylgesuche in der Schweiz wieder zunimmt.»

Familiäre Regeln verlernt

Ob eine Unterbringung eines Jugendlichen in einer Pflegefamilie erfolgreich sei, hänge einerseits von der Person des Jugendlichen und seinem «Rucksack» ab. Andererseits von den Möglichkeiten der Pflegefamilie sowie der Passung der beiden. «Pflegefamilien, die UMA aufnehmen, müssen einen Weg finden, mit Jugendlichen umzugehen, welche oft über längere Zeit keine familiären Regeln erlebt haben.»

Besonders für jüngere UMA hat eine Pflegefamilie Priorität. «Es gibt aber auch Jugendliche, für welche aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten oder psychischen Problemen ein Heim die bessere Lösung ist», sagt Gengenbach. Irmgard Haage, Leiterin des Familea Pflegefamiliendiensts hat positive Erfahrungen gemacht: «Es gibt inzwischen ausschliesslich positive Rückmeldungen von den zwölf Pflegeeltern. Die UMA sind wissbegierig.» Eine Pflegemutter habe berichtet, dass ihre beiden inzwischen so gut Deutsch sprächen, dass sie in der Lage seien, von ihren Erfahrungen während der Flucht zu berichten.

UMA und Pflegefamilien werden regelmässig betreut. Etwa einmal im Monat werden sie vom Familea-Pflegefamiliendienst besucht. Auch der Kanton führt Qualitätskontrollen durch: «Jede Pflegefamilie benötigt eine Pflegeplatzbewilligung für den aufzunehmenden Jugendlichen durch die zuständige Kindesschutzbehörde (KESB) und untersteht deren Aufsicht», erläutert Gengenbach. Die für die Aufsicht zuständige Person besuche die Pflegefamilie so oft als nötig, jedoch jährlich wenigstens einmal.

Mehr Infos. Email: pflegefamiliendienst@ familea.ch,
061 461 89 55