Fussball, Gewalt und Medien: ein untrennbares Triumvirat des 21. Jahrhunderts. Der Liestaler Stefan Kaiser hat sich die Entwicklung der Fangewalt im Fussball zum Thema seiner Maturarbeit gemacht. Diese hat er, dies vorweg, diesen Sommer erfolgreich abgeschlossen. Doch zur Thematik: Kaiser beschäftigt sich in seiner Arbeit nicht nur mit der Fangewalt an sich, sondern auch mit ihrer medialen Darstellung und allfälliger Veränderungen ebendieser in den vergangenen 50 Jahren. Wegen seines betriebswirtschaftlichen Interesses geht es ihm letzten Endes auch um die ökonomischen Auswirkungen auf den betroffenen Verein, in diesem Fall den FC Basel.

Kaiser selbst ist grosser FCB-Fan und als solcher regelmässig in der Muttenzer-Kurve anzutreffen. Die Fragestellung, wie sich das Gewaltphänomen im Fussball verändert hat, beschäftigte ihn also auch ausserhalb des Schulalltags.

Organisierte Kämpfe

Die Gewalt in den Fussballstadien hat sich gewandelt in den vergangenen 50 Jahren, dessen ist sich Kaiser in seiner Schlussfolgerung sicher. Neue, moderne Stadien, in denen Heim- und Gästesektoren vollständig getrennt sind, entschärften das Gewaltaufkommen innerhalb der Stadien, schreibt Kaiser. Sie hätten es aber nicht aus dem Sport verbannen können. So hätten sich einzig die Schauplätze geändert. Die Hooligans zögen sich darum vermehrt zurück und träfen sich zu «organisierten Kämpfen», von denen oft gar keine Notiz genommen würde, weil Unbeteiligte vielfach nicht zu Schaden kämen. Ausserdem bekämpften sich die rivalisierenden Fans seltener untereinander denn mit der Polizei und anderen Ordnungskräften.

«Nicht immer neutral»

Bereits in seinem Vorwort wirft Kaiser den Medien vor, zwecks hohen Auflagen und Einschaltquoten «nicht immer vollständig neutral und sachlich» zu berichten. Sein Fazit lautet schliesslich, etwas milder, dass sich der mediale Fokus in den 80er-Jahren vom reinen Spielgeschehen zunehmend auf die negativen Begleiterscheinungen gerichtet habe, namentlich in England. Noch differenzierter sieht es der Autor hinsichtlich der Schweiz, wo er einen klaren Grund für «die einseitige Darstellung von Fangewalt» erkennt. Während die Polizei nämlich informiere, bleibe es um die Gegenseite still. Ausserdem unterscheidet Kaiser nun klar zwischen Boulevard- und Tagespresse. Als positiv wertet er letztlich auch den Umstand, dass dank der Medien überhaupt eine Sicherheitsdebatte rund um Fussballfans existiert.

Gewalt bedroht Existenz

Allein zwischen 2004 und 2009 haben sich die Sicherheitskosten pro Zuschauer für den FC Basel praktisch verdoppelt. Bernhard Heusler, Vizepräsident des FCB, erhebt die Fanpolitik darum zur Chefsache und sagt im Interview mit Kaiser: «Indem die Kosten, vor allem im Sicherheitsbereich, seit 2002 deutlich gestiegen sind, bricht uns das letztendlich den Nettoerlös pro Zuschauer weg.» Der Autor schliesst daraus, dass der FCB künftig vor grossen Problemen stehe, stiegen die Sicherheitskosten in diesem Masse weiter. Weniger auf Rosen gebettete Vereine wie der FC St. Gallen oder die Grasshoppers Zürich seien bereits heute in ihrer Existenz bedroht, schliesst er.