«Das Schwein. Sympathisch schlau und lecker» heisst die Sonderausstellung des Kantonsmuseums, die den beiden Mastschweinen Nummer 628 und 634 im Baselbiet zum Prominentenstatus verholfen hat. Die bz-Leserinnen und -Leser erinnern sich: Statt des üblichen blutigen Endes nach sechs Monaten im Schlachthaus wurden die beiden Schweine-Brüder dazu auserkoren, ihre natürliche Lebensdauer auszukosten.

Das Museum.BL in Liestal, welches das Experiment initiiert hat und seither begleitet, versprach sich davon neue Erkenntnisse zur Lebensweise von Mastschweinen. Die bz-Leserschaft trug ihren Teil bei, indem sie im Rahmen einer Mitmachaktion dem Schweine-Duo zu den Rufnamen Farni und Burgi verhalf.

Dressiert von der Tochter

Farni und Burgi sind mittlerweile über zwei Jahre alt, ein sonst unerreichbares Greisenalter für herkömmliche Mastschweine. Sie führen ihr Schweineleben auf einer Weide mit Suhle und Obstbäumen auf dem Hofgut Farnsburg ob Ormalingen.

Von Anfang an betreut und dressiert wurden sie von Nayla Dettwiler, der Tochter von Farnsburg-Landwirt Markus Dettwiler.

Am Dienstagabend nun berichteten Vater und Tochter an der «Museumsbar», der Feierabend-Veranstaltungsreihe des Museums, aus dem Alltag ihrer Schützlinge. Das Wichtigste vorweg: Farni und Burgi geht es saugut. Das ist alles andere als selbstverständlich. Auf den maximalen Fleischertrag getrimmt, wären die beiden Zuchttiere eigentlich viel zu schwer für ihren Bewegungsapparat.

Spätestens jetzt müssten Arthrose und Gelenkschmerzen die Folgen der ständigen Überbelastung sein, wenn sie nach Belieben fressen dürften. Doch dank einer strengen Diät halten Farni und Burgi ihr Traumgewicht von 350 Kilo, weswegen sie laut Markus Dettwiler ihre ausgedehnten Spaziergänge in Topform und schmerzlos bewältigen.

Therapie für gestresste Stadtmenschen

Zum Bewegungsprogramm gehört auch, dass sie sich auf ihrer Heimwiese das Fressen grösstenteils selbst zusammensuchen müssen. Von den Dettwilers erhalten sie bloss ein Grundration, die unter anderem Mineralstoffe enthält. Die Liestaler Gymnasisastin Nayla, ebenso erfahren in der Pferdedressur, schwärmte an der «Museumsbar» in den höchsten Tönen von den Schweine-Brüdern. Beide seien sehr gescheit und sozial, den Umgang mit ihnen erlebt sie als äusserst bereichernd: «Am liebsten würde ich mit ihnen zusammen eine Therapie für gestresste Stadtmenschen anbieten. Immer, wenn man mit ihnen zusammen ist, geben sie einem ein gutes Selbstwertgefühl.»

Zu den Kunststücken, die Nayla Dettwiler Farni und Burgi beigebracht hat, gehören das Rückwärtslaufen und Abliegen auf Kommando. «Ich kenne kein anderes Tier, das so humane Züge trägt, wie das Schwein.» Markus Dettwiler schätzt, dass beide noch mindestens vier glückliche Lebensjahre vor sich haben.

Ist es für die Dettwilers nach diesen Erfahrungen nicht umso schlimmer, wenn sie die weniger glücklichen Artgenossen von Farni und Burgi zur Schlachtbank führen? Auch dazu äusserte sich der Landwirt und Züchter: «Solange die Schweine leben, lassen wir ihnen auf unserem Hofgut die bestmögliche Betreuung zukommen. Wenn man wenigstens die Aufzucht der Tiere mit Respekt betreibt, dann kann man auch die Fleischproduktion besser verantworten.»