Fasnachtssonntag in Liestal, das ist das alljährliche Gipfeltreffen der Narren. Als gäbe es kein Morgen, wurde im Stedtli trotz Hudelwetter mit viel Rambazamba gefeiert. Man hat es genossen, für einige Stunden ein Leben ohne Vorschriften, sich selber zu sein, Träume auszuleben, Ungereimtes auf dieser Welt aufmüpfig an den Pranger zu stellen und all die Nervensägen beim Namen zu nennen.

Da hatten in der Vielfalt der Sujets dank Kreativität und einigem Firlefanz auch die schrägsten Vögel ihre Bühne. Das ganze Treiben ist immer wieder ein eigentlicher Seismograf der Befindlichkeiten. Apropos Sujet: Wie ist das eigentlich mit dem diesjährigen Sujet «Heissi Marroni – Ade»? Für die aktiven Fasnächtler scheinbar nicht interessant, denn dieses Thema wurde am Umzug von keiner einzigen Gruppe ausgespielt. Für die Fasnächtler also nicht der grosse Renner, und für das Fasnachtskomitee ein etwas peinlicher Sujet-Flop.

Mit em Drämmli uf Waldeburg

Wer kennt ihn nicht, den Spruch, dass man bei diesem Wetter keinen Hund vor die Tür jagt. Für die weit über 1 000 Aktiven unter den schützenden Larven aber kein Thema. Egal, immerhin war die Stimmung heiter und sonnig. Dafür sorgten nebst den vielen Pfeifern und Tambouren die schränzenden Guggen, die akustisch alles niederwalzten. Dabei hat die 40-köpfige Chindergugge Düsefäger mit ihrem Sujet situativ unfreiwillig ins Schwarze getroffen:

Au bi Wind und Räge, tüemer Fäge.

Daneben wurden insbesondere lokale Themen witzig und heiter aufgegriffen. Etwa durch die Familiengruppe Düpflischysser, die im Zusammenschluss WB mit BLT die Fahrt nach Waldenburg vorausschauend bereits im «gääle Drämmli» antraten. Punkto Strassenverkehr liessen auch die Schlümpfli als Wikinger ihrem Ärger freien Lauf. Als Alternative schlagen sie vor:

D’Rhystrooss isch eisitig zue,
mir wiiche uf d’Ergolz us – do hei mir Rueh!

Kurz und bündig sodann die Meinung der kleinen Wagengruppe Rotznaase zu den Sparmassnahmen des Kantons:

Mit dr Gschwind chaschs nid besser, aber billiger.

«Eus darf me knuddle»

Fasnacht und Valentinstag zusammen – eine seltene Konstellation. Grund genug für die Schnud’rgoofä, als pinke Knuddel-Bäärli durch die Menge zu ziehen und nebst farbigen Rosen auch rote Plüsch-Herzchen zu verteilen. Ganz liebesbedürftig auch ihre Botschaft auf dem zur Knuddel-Laube umfunktionierten Waggiswagen:

Eus darf me knuddle wie me maag,
hütt und au nach em Valentins-Daag!

Weniger auf Schmusekurs waren die Rotstab-Chlütteri. «Mir sy Bedroh(n)t», schreiben sie auf ihrem Zeedel und sehen im Flugobjekt nicht nur Gutes:

Färngstüürt und wie ne Fahne im Wind,
dasch kei Drohne, dasch d’Moone Gschwind.


Mit dem Sujet «Hart an dr Gränze» thematisierten die Pfeifer und Tambouren der Rotstab-Clique die Flüchtlingspolitik. Sie waren als Europäer blau gekleidet und marschierten hinter einem Grenzzaun. Trotz dieser heiklen Thematik wird im Zeedel mit heiteren Seitenhieben nicht gespart. So etwa der lokale Dauerbrenner:

«Wie wärs mit emene Asylheim in dr Rothuusstrooss,
denn wär in Lieschtel ändlig öbbis los!»