Voller Selbstbewusstsein trat Mitte Januar die versammelte Ärzteschaft aus beiden Basel vor die Medien, um ihre Unterstützung für die geplante Spitalgruppe aus Universitätsspital Basel (USB) und Kantonsspital Baselland (KSBL) kundzutun. Mittlerweile zählt das Komitee, das für ein Volks-Ja im Februar 2019 kämpft, über 100 Mitglieder. Was allerdings auffällt: Nur 9 von ihnen sind dem KSBL zugehörig. Darunter die beiden Chefärzte Beat Hintermann (Orthopädie) und Robert Rosenberg (Chirurgie) sowie der mittlerweile freigestellte Thomas Gasser (Urologie). Tatsächlich verheimlichten die Befürworter schon damals nicht, dass die Skepsis beim KSBL-Personal grösser ist als im Unispital, gaben sich aber zuversichtlich, die meisten noch zu überzeugen.

Neubau auf der grünen Wiese?

Recherchen zeigen nun aber, dass der interne Widerstand gegen die Spitalfusion am KSBL weit grösser ist als bisher angenommen. Der bz liegt ein achtseitiges Schreiben an den KSBL-Verwaltungsratspräsidenten Werner Widmer vor, unterschrieben von fast allen der 13 Chefärzte. Unter dem Titel «Konstruktive Inputs zur nachhaltigen Stabilisierung des KSBL» wird die Fusion als «zum jetzigen Zeitpunkt sehr riskant», «nicht zielführend» und «keine Patentlösung» bezeichnet.

Das Papier schliesst mit: «Auch wenn die Spitalgruppe eine innovative Vision mit vielen positiven Aspekten sein kann, dürfen wir nicht vergessen, dass wir JETZT auch die Sicherheit und die Versorgung unserer Patienten gewährleisten wollen und dass wir keine Fusion über den Zaun brechen können. Es gibt sonst sehr viele Verlierer, die wir und aus unserer Sicht überhaupt nicht leisten können, wenn wir in 10 Jahren noch ein funktionierendes Gesundheitswesen in unserem Kanton haben wollen.»

Diese Haltung scheint getrieben von der Angst der Chefärzte, dass das KSBL innerhalb des Universitätsspitals Nordwest nur noch als Zubringer für das dominante USB fungieren könnte. Sie schlagen deshalb vor, KSBL und USB vorerst als selbstständige Trägerschaften weiterzuführen, sie aber in einer gemeinsamen Holding zu vereinen. Sprich: starke Zusammenarbeit statt Fusion.

Doch das ist nicht alles: Als «Fernziel» und letztlich «einzig vernünftige Variante» fordern sie die Aufgabe der heutigen drei KSBL-Standorte in Liestal, Laufen und dem Bruderholz zugunsten eines einzigen Neubaus «auf der grünen Wiese». «Das Bauen eines neuen kantonalen Gesundheitscampus an einem für den Kanton BL zentralen und gut erreichbaren Ort wäre eine bestechende und wirklich visionäre Idee», heisst es im Brief.

Der Kanton Zug habe dies mit dem Neubau seines Kantonsspitals vorbildhaft aufgezeigt.
Das Schreiben erhielt Widmer bereits im Frühjahr, vor rund einem Monat kam es zu einer Aussprache, an der auch CEO Jürg Aebi teilnahm. Diese verlief allerdings unbefriedigend, wie mehrere Quellen der bz bestätigen. Die Chefärzte seien von Widmer mit der Begründung abgefertigt worden, dass der Fusionsprozess zu weit fortgeschritten sei, um derart Grundlegendes zu verändern. So hatten am Ende viele das Gefühl, dass sie von Verwaltungsratspräsident und CEO nicht ernst genommen werden. Pures Gift fürs Betriebsklima.

Bruderholz verlor massiv Patienten

«Die Chefetage denkt ständig nur an die Spitalgruppe und vernachlässigt dabei den Klinikalltag im KSBL», lautet eine Hauptkritik, welche die bz zu hören bekommt. Dabei zeigt der Brief eindrücklich, dass die Zustände am Kantonsspital prekär sind. Seit die Pläne der Spitalgruppe im Sommer 2015 bekannt gemacht wurden, kam es zu rund 50 Abgängen von Chefärzten und leitenden Ärzten, wie eine dem Brief beigelegte Liste aufzeigt. Selbst wenn man die natürliche Fluktuation einberechnet, wird klar: Das sind zu viele. Da jeder abtretende Kaderarzt meist auch gleich seine Stammpatienten mitnimmt, sinken die Patientenzahlen.

Im Schreiben werden mit Verweis auf das KSBL-interne Controlling die Patientenverluste zwischen 2015 und 2017 von total 11,2 Prozent erstmals auch nach Standorten aufgeschlüsselt. Während Liestal 2,9 Prozent verliert, sind es in Laufen 12,4 und am Bruderholz 21,5 Prozent. «Wir sollten erst ein gefestigter, interessanter Partner sein (...), der einen Marktwert hat», so die Schlussfolgerung im Brief.

Die KSBL-Leitung reagierte zwar gestern auf Anfrage, hielt aber schriftlich fest, dass «wir grundsätzlich ein hochvertrauliches Dokument nicht in der Öffentlichkeit diskutieren». Geschäftsleitung und Verwaltungsrat seien mit den Chefärzten im Gespräch. Man glaube nicht, dass die Veröffentlichung in deren Interesse sei. Vielmehr werde der «auf konstruktive Weise angestossene Austausch für Partikularinteressen missbraucht» und die «intensive Projektarbeit torpediert».

Schon bald zeigt sich, ob die hergestellte Transparenz die Gräben zwischen Chefetage und Ärzteschaft überbrückt oder vertieft. In einer Woche soll es zu einem nächsten Treffen kommen.