Es waren abenteuerliche Darlehensverträge, die der 70-jährige Angeklagte abgeschlossen hatte: Die Rede war von einem «partiarischen Darlehen», was faktisch einer gewinnabhängigen Beteiligung entspricht, dazu werde man «keine der Borgerin bekannten Verlustrisiken ausgesetzt» – und als Zückerchen obendrauf gab es bei dem «Investitionsprogramm» noch eine «Soll-Rendite von 1000 Prozent» innert eines Jahres.

Seit Dienstag läuft im Strafgericht in Muttenz das Verfahren gegen den 70-jährigen Deutschen: Er ist überzeugt, dass er das gesamte Geld hätte zurückzahlen können, würde nicht auf diversen Websites seit Jahren vor ihm gewarnt. «Da wird Rufschädigung gegen mich betrieben», sagte er empört vor Gericht. Seinen inzwischen konkursiten Betrieb hatte er von Pratteln und Giebenach aus geführt, dort überzeugte er auch die Anleger. Zuvor hatte er von Börsengewinnen gelebt, von seinen «Algorithmen» ist er noch immer überzeugt. Er betonte aber auch, den Banken sei nicht zu trauen. «Meine Grossmutter hat ihr Geld immer in der Brottasche aufbewahrt.» Versteuert hat er in der fraglichen Zeit von 2009 bis 2014 in der Schweiz allerdings keinen einzigen Franken.

Im Juli 2016 wurde er bereits vom Amtsgericht in Offenburg wegen Betrug in acht Fällen schuldig gesprochen und zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig; der Mann betonte gestern, er habe dagegen Revision eingelegt.

Die Verfahren wurden getrennt, in Muttenz werden diese Woche drei weitere Fälle von Anlegern verhandelt, die praktisch ihr gesamtes Geld verloren haben: Ein Mann und zwei Frauen haben dem 70-Jährigen über 400 000 Franken anvertraut. Zuerst gab es noch Zinsen, doch insgesamt 393 000 Franken sind nun weg.

In der Schweiz ist der Mann allerdings nicht wegen Betrug angeklagt, weil dazu eine arglistige Vorgehensweise nachgewiesen werden müsste: Bei einem illusorischen Gewinnversprechen von 1000 Prozent ist kaum nachzuweisen, dass das Opfer übers Ohr gehauen worden ist.

Von Wikipedia abgeschrieben

Staatsanwalt Jérôme Mollat hat ihn indes wegen Veruntreuung, Misswirtschaft und Urkundenfälschung angeklagt. Er geht davon aus, dass die Aktiengesellschaft schon zu Beginn überschuldet war, die gesamten Aktiven bestanden aus einem «Aktionärsdarlehen» von über 300 000 Franken an den Angeklagten.

«Wir waren nicht überschuldet. Die Umsätze sind dann einfach zusammengefallen», sagte der Angeklagte dazu. So sei ihm wegen Fremdverschuldens eine Lagerhalle abgebrannt, und deshalb hätte auch ein geplantes grosses Handelsgeschäft mit Terrakotta-Figuren nicht funktioniert. Auch sei das Originalbuch von «Mein Kampf» in den Flammen zerstört worden. «Ich bin Pazifist, damit will ich natürlich nichts zu tun haben. Aber das sind Sammlerstücke», erklärte er vor Gericht. Stolz erzählte er weiter, derzeit arbeite er mit einem Erfinder zusammen an der Entwicklung einer autonomen Energieeinheit. Auf die Frage des Gerichts, weshalb in einem Flyer dazu seitenweise Text aus Wikipedia abgeschrieben worden sei, reagierte er verärgert und meinte, das komme alles direkt vom Erfinder.

Firma für einen Franken gekauft

«Sie haben laufende Strafverfahren und stecken wieder in einem Finanzierungsprojekt mit Geldgebern?», fragte Gerichtspräsident Andreas Schröder den Mann und seufzte. «Ich will Leute zufriedenstellen, die mir vertraut haben», betonte der 70-Jährige daraufhin. Er rechne fest damit, dass Umsätze «reinkommen».

Der Angeklagte hatte den Prattler Firmenmantel im Jahr 2009 für einen symbolischen Franken über einen dubiosen Treuhänder im Kanton Schwyz erworben. Der Treuhänder hat inzwischen eine Geldstrafe erhalten, wurde entlassen und lebt von der Sozialhilfe.

Am Dienstag hielten die Parteien ihre Plädoyers. Das Urteil fällt Ende Woche.