Die SBB machen Druck gegen die Zerstörungswut mancher Fussballfans. Sie planen zum Beispiel, die Kosten der nach Fanreisen jeweils demolierten Züge an die Fussballvereine weiterzugeben, indem die Vereine die Züge quasi chartern müssen. Die von SBB-Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi gestern in der az vorgeschlagenen Massnahmen stossen bei den Vertretern der offiziellen Basler Fanvereine aber auf wenig Verständnis.

Ein «Schissdrägg» seien diese Vorschläge, sagt einer, der sich damit aber nicht namentlich zitieren lassen will. Die Massnahme, welche die Fans am meisten treffen würde, wäre wohl das Kombiticket Fahrt/Eintritt. Geplant ist, dass auswärtige Fans nur mit einem Kombiticket in den Gästesektor gelangen können; gleichzeitig wäre dieses nur in den Extrazügen gültig. Damit wollen die SBB erreichen, dass wenigstens der restliche Bahnverkehr nicht beeinträchtigt wird. Und dass die Züge wenn möglich ganz bleiben: «Es bekämen nur jene Fans ein Kombiticket, die sich
in der Vergangenheit nichts haben zuschulden kommen lassen», teilt SBB-Sprecher Reto Kormann mit.

Anreise nicht vorschreiben lassen

Die Tatsache, dass ihnen künftig die Anreise vorgeschrieben würde, wühlt indes viele Fans auf: «Das schränkt uns völlig ein», kritisiert André Mathys vom Oberbaselbieter Fanclub Orgesiss den Vorschlag. «Wir reisen meist individuell an.» Ins gleiche Horn bläst René Häner vom Fanclub Gilgenberg. «Für uns aus dem Schwarzbubenland ist das zu umständlich», sagt er. Ausserdem nutzen die Mitglieder des Fanclubs Gilgenberg die Auswärtsspiele jeweils auch für das Sightseeing, den Besuch einer Schaukäserei oder Ähnliches. Dies sei nur mit eigenem Bus möglich. «Wir werden darum auch in Zukunft per Bus anreisen», kündigt er an. Sowohl Mathys wie Häner stören sich daran, «dass friedliche Fans für die Gewalteskapaden einiger weniger Möchtegern-Fans büssen sollen».

Auch die Kostenüberwälzung der verwüsteten Züge auf die Vereine heissen sie nicht gut. Der FC Basel selbst will sich dazu nicht äussern. «Die ganze Liga und alle Player diskutieren schon lange intern über solche Fragen», so FCB-Mediensprecher Josef Zindel. Es diene der Sache nicht, öffentlich via Medien zu kommunizieren. Dass seit Jahren geredet wird, aber wenig passiert, erklärt er damit, dass die Materie komplex sei: «Wenn Sie mit zehn Leuten ein Haus bauen, dauert das auch seine Zeit.»

FCB: In 10 Jahren  23 Millionen investiert

Gleichzeitig wehrt sich Zindel dagegen, dass gar nichts gehe: «Allein der FCB hat in den letzten zehn Jahren 23 Millionen Franken in die Fan- und Sicherheitsarbeit investiert.» Er bedauert, dass so oft auf dem Fussball «herumgeritten» werde, dabei werde auch anderswo – zum Beispiel am Jazzfestival Montreux – geprügelt. Der Fanmarsch in Bern sei dagegen viel friedlicher gewesen.

Schlägereien gab es in der Tat keine. Aber der Marsch verlief auch nicht gerade friedlich. Laut Medienberichten haben explodierende Petarden im Hauptbahnhof viele Passanten erschreckt. Und dass einige der vorbeiziehenden Basler ungeniert an Häuser und in Gärten pinkelten, ärgerte viele Einheimische. Als Nächstes diskutieren nun die Justiz- und Polizeidirektoren an einem runden Tisch über Massnahmen.