Pep Guardiola hat im Fussball schon einiges gesehen. Aber noch nie ein Naturereignis wie den FC Red Bull. Zwei Monate sind es her, seit die Salzburger in einem Testspiel den FC Bayern München mit 3:0 weggespielt haben. «Ich bin noch nie gegen eine Mannschaft angetreten, die mit einer solchen Intensität gespielt hat wie der FC Red Bull», hatte Guardiola hinterher gesagt.

Zumindest die erste Viertelstunde im St. Jakob-Park hat vor Wochenfrist deutlich gemacht, was Guardiola gemeint hatte. Selten ist im Heimstadion des FCB ein Gegner am Werk gewesen, der mit einer solchen Wucht nach vorne spielte. «Wir hatten zuvor viel über die Salzburger Stärken gesprochen», sagt Captain Marco Streller, «und ich muss schon sagen, ihr Pressing ist beeindruckend.»

Taktisches Highlight

Allerdings: Zu den ganz dicken Chancen sind die Bullen dabei nicht gekommen, und nach dem Startfurioso zu einer zwar starken, aber nicht aussergewöhnlichen Europa-Cup-Mannschaft mutiert. Dies hat dem Basler Trainer Murat Yakin beim Fussball-Onlineportal «spielverlagerung.de» Lob eingetragen. Dessen Autor spricht von einem taktischen Highlight als Ursache, dass die Österreicher erstmals seit Dezember 2012 in einem Pflichtspiel ohne Tor geblieben seien. Womit er wohl recht hat. Nicht aber mit der Anmerkung, Yakin habe seine Mannschaft in einem «überaus unorthodoxen System» mit einer Dreierkette spielen lassen.

So ungewöhnlich ist dieses nämlich auch wieder nicht, spielten doch schon die Young Boys unter Vladimir Petkovic in dieser Ausrichtung; seit ein paar Wochen praktizieren auch der FC Zürich und Sion das System. Und Juventus Turin macht schon seit längerer Zeit – zumindest auf nationaler Ebene – gute Erfahrungen damit.

Der FC Basel sei die erste Mannschaft überhaupt, die körperlich mit den Salzburgern habe mithalten können, schreibt «spielverlagerung.de». «Selbst wenn Bälle im Mittelfeld verloren gingen, was beim hervorragenden Pressing der Salzburger der Fall war, hatte man ausreichend Spieler hinten, welche die Mitte versperrten.» Dies, weil die Degen-Zwillinge auf den Flanken nichts anbrennen liessen und zusammen mit Arlind Ajeti, Marek Suchy und Gaston Sauro oft eine Fünferkette bildeten.

Yakin sieht es genauso und freut sich über die taktische Flexibilität, die sein Team auszeichnet. Nur drei Tage nach der Herkulesarbeit gegen die Salzburger galt es an derselben Stelle, gegen den FC Aarau in der Super League die Ansprüche des FCB und seiner Zuschauer zu erfüllen. Yakin liess sein Team im 4-4-2 von der Leine und wurde mit einem 5:0 belohnt. «Mit zwei Stürmern zu spielen, macht Spass», sagte Streller danach.

Allerdings weiss auch der Captain, dass heute wieder andere Qualitäten gefragt sind. «Die Salzburger werden noch wütender angreifen als in Basel, wo sie ja schon wie die Feuerwehr begonnen haben», vermutet Valentin Stocker. Streller mahnt indes, nun nicht mehr länger über den Gegner zu sprechen, sondern sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. «Wir haben in der Vergangenheit oft genug bewiesen, wozu wir fähig sind», sagt Streller. Was nicht als Plädoyer für einen Zweimannsturm in der Red Bull Arena zu verstehen ist, sondern als Ausdruck von Zuversicht, auch hier zumindest ein Tor zu erzielen.

Nach dem 0:0 in Basel braucht der FCB einen Sieg oder ein Unentschieden, bei dem Tore fallen. «Wir wollen weiterkommen. In den Viertelfinals warten attraktive Gegner», sagt Yakin. Heute Salzburg, dann der FCZ und im Cup-Halbfinal Luzern – es warten spannende Spiele auf den FCB.

Heute Abend werden wir Sie mit dem Liveticker auf dem Laufenden halten.