Rolf Richterich, die FDP kämpft im Baselbieter Landrat alleine auf weiter Flur gegen die Spitalfusion an. In der ersten Lesung waren Sie mit dem Nichteintretensantrag deutlich unterlegen. Sie können es nicht lassen.

Rolf Richterich: In der letzten Landratssitzung wurde die Fusion von den Befürwortern als «alternativlos» bezeichnet. Dabei übersehen sie für den Fusionsentscheid kritische Faktoren: Das Kantonsspital Baselland (KSBL) gleicht derzeit einem schwer verletzten Patienten nach einem Autounfall auf der Notfallstation. Der Abfluss an Patienten ist erschreckend. Man hat zugelassen, dass der Betrieb während Jahren schlecht geredet wurde. Das Bruderholz ist personell bereits ausgeblutet. Dasselbe droht nun dem Standort Liestal, wo jüngst Stockwerke geschlossen wurden. Für mich ist klar: Das KSBL hat keinen Plan und flüchtet sich in die Fusion, in einen riesigen Moloch.

Dann ist die Spitalgruppe keine Fusion, sondern eine Übernahme durch das Universitätsspital Basel (USB).

Logisch. Der Unterschied zu einem «unfriendly Take-over» ist bloss, dass der Übernommene bereitwillig Ja dazu sagt. Die beiden Spitäler begegnen sich seit Jahren nicht mehr auf Augenhöhe, und das Ungleichgewicht nimmt weiter zu. Ich höre es bereits von den Dächern pfeifen: Dem KSBL droht 2018 ein hoher einstelliger, wenn nicht zweistelliger Millionenverlust. Es ist ein Drama.

Das heisst: Die 11,4 Millionen Franken, die Baselland einschiessen muss, um wenigstens auf ein Drittel der Substanz des neuen Spitals zu kommen, werden nicht ausreichen?

Nie und nimmer. Der Wertzerfall dauert an. Nur wird das durch die festgeschriebene Sperrminorität bei wichtigen Entscheiden der Spitalgruppe kaschiert. Wichtig ist zudem: Wir reden hier erst vom Aufbau des neuen Spitals. Eigentlich sollte der Betrieb dann Einsparpotenzial entfalten. Dabei ist doch völlig klar: Eine Fusion von KSBL und USB mündet in eine teure Strukturerhaltung auf schweizweit höchstem Niveau. Das wird unbezahlbar für die beiden Kantone.

Mit Verlaub: Eine stichhaltige Alternative haben auch Sie von der FDP nicht präsentiert.

Das stimmt nicht. Wir haben einen plausiblen Ansatz: Die Baselbieter Standorte müssen kleine Spitäler werden, die nahe am Markt operieren. Der Standort Liestal könnte sich etwa in der erweiterten Grundversorgung positionieren. Wir brauchen im Baselbiet keine hoch spezialisierte Medizin (HSM). Sehen Sie: Das Zusammenführen der drei Standorte Bruderholz, Laufen und Liestal hat in einer Katastrophe gemündet. Liestal war bis vor fünf Jahren schweizweit ein anerkanntes Musterspital. Seither ist es nur bergab gegangen.

Und wie kann das Universitätsspital Basel ohne Fusion mit dem grossen Landspital überleben?

Wir brauchen ein starkes Universitätsspital Basel. Das ist auch aus Baselbieter Perspektive unbestritten. Wir von der FDP befürworten die gemeinsame Gesundheitsversorgung von Stadt und Land. Damit können die hoch spezialisierten Fälle am USB konzentriert werden. Das Problem ist aktuell ein anderes: Das USB schielt nicht nur bei der HSM ins Baselbiet, sondern auch bei den gewöhnlichen Eingriffen. Dies, um bei sich Masse zu generieren. Letzterem müsste im Rahmen einer gemeinsamen Spitalplanung Einhalt geboten werden.