Tock-tock-tock! Der Security-Mann guckt bös. Eine Gruppe junger Männer knallt ihre Masskrüge im Takt der Musik auf die Tischplatte. Immer, wenn der Aufseher sie anschaut, wird das Geräusch leiser – sobald er jedoch seinen Blick abgewendet hat, steigt die Lautstärke wieder an. Tock-tock-tock!

Nun muss der Security trotzdem eingreifen. Es ist Freitagabend, zehn Uhr, der zweitletzte Tag des Oktoberfests im Zic Zac-Rock Garden in Allschwil. Ein Mittdreissiger hat versucht, vom Tisch auf die Bank herunter zu steigen. Ein kleiner Schritt für die Menschheit – ein zu grosser Schritt für den bedauernswerten Typen: Im Fallen riss er den Tisch mit sich, auch der kippte um.

Der Security hilft ihm wieder auf die Beine, kurze Zeit später steht er wieder auf der Sitzbank, mit einem seligen Gesichtsausdruck und einem frisch gezapften Bier in der Hand.

Drittes Bein an den Bänken

Die älteste Wiesn-Zelle in Basel und Region ist – so geloben es die Veranstalter – das Oktoberfest im Zic Zac. Vor 19 Jahren, 1996, stieg die Premiere, damals noch im August und noch im Garten. Doch da machten die Anwohner nicht mit, seither findet es drinnen statt und, wie das Original in München, zum richtigen Termin, zumindest einigermassen: von Ende September bis Anfang Oktober.

«Wir haben schon ein Oktoberfest veranstaltet», sagt Mathias Oertle, «als das noch nicht In war.» Oertle ist Verwaltungsrat der Zic-Zac-Gruppe. Er koordiniert an diesem Freitag die rund 20 Sicherheits-Angestellten, die in und um das Lokal für gesittete Zustände sorgen. Die Security-Leute haben einiges zu tun: Gegen 1000 Menschen besuchen das Fest an einem Wochenende. Die meisten stammen aus der Region, aber Elsässer, Deutsche und Engländer schunkeln mit. Zutritt ist ab 18, der Eintritt kostet 8 Franken.

Die Sitzbänke hat das Zic Zac extra verstärkt, mit einem dritten Bein in der Mitte, Marke Eigenbau. Von halb sieben bis neun Uhr gibts Buffett All you can eat, mit Speckkrautsalat, Weisswürstl, Brathendl. «Nicht wenige Gäste», sagt Oertle, «essen sich da drei Stunden durch.»

Immer mehr Frauen

Halb elf, die Stimmung in der Halle an der Baslerstrasse ist nun auf dem Höhepunkt angelangt. Die Kleider kleben an den Leibern, die Fenster sind beschlagen. Zwei Drittel der Gäste stehen auf den Sitzbänken und grölen die Lieder mit, die aus den Boxen dröhnen: «Country Roads», «I sing a Liad für Di», «Vogellisi», «Tornerò», «99 Luftballons». Von den Madlen sind mindestens zwei Drittel in ein Dirndl gepackt, von den Burschen stiefelt jeder zweite in Lederhosen und Trachtenhemd herum. Als wäre es der normalste Aufzug, den es gibt.

Das Oktoberfest hat geschafft, was dem Tamagotchi, der Wehrmacht, der MiniDisc, dem Kommunismus und (bisher) den Young Boys nicht gelungen ist: den Globus erobern. Das Fest ist das erfolgreichste bayerische Exportprodukt neben BMW, Semmelknödel und Franz Beckenbauer. Es gibt Oktoberfeste in Japan, Brasilien und den USA.

Beim Tanzen auf dem Tresen soll die Welt genesen, scheint es – und auch hierzulande ist die Oktoberfestfreude riesig: Eine Übersicht über die verschiedenen Wiesn-Imitate ist aussichtslos geworden. Sogar in Altersheimen wird mittlerweile gefeiert zu Brezn und Weissbier.

Auch im Zic Zac ist der Altersschnitt gestiegen. Zu den Anfangszeiten war das Publikum laut Mathias Oertle im Schnitt noch deutlich jünger. Die Besucher seien jedoch zusammen mit dem Anlass gealtert, heute dürfe er sogar 60-Jährige begrüssen, sagt er. Was ihn besonders freue, sei der stetig steigende Frauenanteil. Der liege nun bei über 50 Prozent, was sich positiv auf die Stimmung auswirke: «Das macht es schon friedlicher, die Männer haben etwas zum Schauen.»

Nächste Verkleidungs-Sause steht an

Es ist halb zwölf, eine Bierdusche geht über den Bänken nieder; die Reihen haben sich schon merklich gelichtet. In zwei Stunden gehen die Lichter an, spätestens um 2 Uhr muss das Lokal verlassen werden. Nach dem vergangenen Wochenende dauert es nun wieder ein Jahr bis zum nächsten Oktoberfest im Zic Zac. Doch allzu lange müssen die Gäste nicht warten, bis sie sich erneut verkleiden können. In drei Wochen steht die nächste Kostümsause an. «Freier Eintritt!», wirbt das Zic Zac schon heute auf seiner Webseite.

Ende Oktober ist Halloween.