Sabri Dogan will ein Experiment wagen. Durch Feuerwehrdienst sollen anerkannte und vorläufig aufgenommene Flüchtlinge integriert werden. «Feuerwehren mangelt es an Personal. Sie könnten doch Flüchtlinge rekrutieren, die zum Beispiel Sozialhilfebezüger sind», erklärt der 47-jährige Liestaler. Er hat 2011 den Verein Austausch in Sport und Kultur (ASK) gegründet. Der Verein bietet Kurse für Immigranten und Schweizer an und hat sich die Integration von Flüchtlingen primär in Vereinen auf die Fahne geschrieben. Dies sei ein Zusammenspiel, so Dogan. Deshalb unterstütze man auch Vereine und Gemeinden.

Gut gemeint, aber nicht realistisch

Dogan hat zu Feuerwehrleuten zwar noch keine Kontakte geknüpft. Aber er ist überzeugt: «Wenn ein Bedürfnis vorhanden ist von Flüchtlingen und Feuerwehren, dann sollte das mit unserer Unterstützung und unserem Angebot möglich sein.» Er ist sich bewusst, dass es keine einfache Sache werde. ASK würde Interesse und Motivation bei Flüchtlingen abklären, zu denen der Verein via Netzwerk und Institutionen Kontakte aufbaut. Feuerwehren müssten ihren Teil dazu beitragen. Laut Dogan müssten Führung und Mitglieder von Feuerwehren ein Bekenntnis ablegen. «Wir wollen, dass das Projekt funktioniert. Es könnte ein Modell für die Zukunft sein», meint der ASK-Präsident.

Für den Baselbieter Feuerwehrinspektor Werner Stampfli «ist das zwar gut gemeint, aber nicht realisierbar». Die Feuerwehr sei kein Verein, sondern eine öffentliche Aufgabe. Und die Sprache sei sicherheitsrelevant. «Wir können nicht während des Einsatzes integrativ wirken», meint er. Stampfli sagt aber auch, dass ein anerkannter Flüchtling Feuerwehrdienst leisten könne, wenn er wirklich sehr gut Deutsch spreche.

Auch der Präsident des Feuerwehrverbandes beider Basel, Dominik Straumann, sieht Schwierigkeiten bei der Kommunikation. «Wir haben immer wieder Ausländer, auch Deutsche, die zu uns kommen und der Mundart-Sprache nicht mächtig sind», berichtet er. Die Feuerwehr funkt in Mundart, und der Funk hat schon eine schlechtere Tonqualität. Im Einsatz und unter Belastung sei es dann schwierig, teils unmöglich. Der Feuerwehrinspektor sieht das differenzierter: Die deutsche Sprache beherrschen sei entscheidend, Mundart weniger. «Mit einer Streubreite kann ich gut leben.»

Werner Stampfli widerspricht, dass die Feuerwehren unter Personalmangel leiden. Sie hätten kein Bestandes-, sondern ein Tagverfügbarkeitsproblem. Und da wäre es dann sehr gefährlich, «wenn wir Leute mit mangelnden Deutschkenntnissen in die erste Pikettgruppe irgendeiner Feuerwehr einteilen würden». Laut dem Inspektor steht das Feuerwehrwesen auch unter finanziellem Druck. Und er fragt sich: «Wie lange hätten wir die Flüchtlinge in der Feuerwehr? Wie viel investieren wir in Kleidung und Ausbildung?»

Ein Flüchtling wäre normaler Rekrut, müsste die Gesundheitstests beim Arzt machen und die reguläre Grundausbildung absolvieren. Hier sei ebenfalls Sprachkompetenz erforderlich. «Wenn ein anerkannter Flüchtling, der schon länger hier ist, das will, kann er grundsätzlich Feuerwehrdienst leisten, auch eine Aufnahme in eine Jugendfeuerwehr ist möglich», erklärt Dominik Straumann, der nebenamtlicher Feuerwehrinstruktor ist. Sabri Dogan weiss via Medien von Beispielen in Deutschland, wo die Integration von Flüchtlingen in die Feuerwehr funktioniert hat. Sollte es hier nicht klappen, müsste das unter die Lupe genommen werden.

Integration ist nicht gratis

Dogan sieht neben der Integration einen weiteren Vorteil: Weitsichtig gedacht gewännen die Feuerwehren mehr Mitglieder, und die Gemeinden müssten weniger für die Sozialhilfe aufwenden. Dass Feuerwehrdienst von Flüchtlingen die Sozialhilfekosten der Gemeinden reduziert, daran glaubt Straumann, der auch Chef der SVP-Fraktion im Landrat ist, nicht.
Der 47-jährige Dogan ist in der Schweiz geboren, hat mehrere Ausbildungen absolviert und ist heute als Kommunikationsfachmann tätig. Für ihn ist klar, dass Integration nicht gratis ist. «Die Gemeinden können uns helfen. Mit Freiwilligenarbeit ist unsere Idee mit Flüchtlingen in Feuerwehren nicht zu bewältigen.» Am ASK-Projekt «Integration durch Partizipation in Vereinen», das dieses Jahr angestossen worden ist, sind zwar einige Gemeinden interessiert. Doch wenn es um Geld geht, schwindet die Begeisterung.