Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) sieht sich mit grossen Herausforderungen konfrontiert: Der Konkurrenzdruck unter den acht Schweizer Fachhochschulen wird immer grösser, die Studierendenzahlen hingegen werden mittelfristig stagnieren. Ähnliches gilt für die finanziellen Mittel, welche die vier Kantone der Schule bereitstellen können oder wollen. Hinzu gesellen sich inhaltliche Auseinandersetzungen – aktuell in der Pädagogischen Hochschule der FHNW um die Ausrichtung um den Praxisbezug der Lehrerausbildung.

«Kein Sparpaket aufs Auge drücken»

Im Sommer wollen die Bildungsdirektoren der vier Trägerkantone Leistungsauftrag und Globalbudget für die Jahre 2015 bis 2017 vorlegen. Wie die bz weiss, rumort es hinter den Kulissen: Bildungspolitiker beider Basel wollen das FHNW-Budget nicht einfach durchwinken. Sie fordern eine Auslegeordnung mit Entwicklungsszenarien für die 2006 gegründete Schule. «Die Geburtswehen sind überstanden, erste Gehversuche waren erfolgreich – nun ist der Zeitpunkt da, die Strategie kritisch zu durchleuchten», sagt Oskar Kämpfer, Mitglied der Interparlamentarischen Geschäftsprüfungskommission (IPK) und Baselbieter SVP-Präsident. Die IPK könne diese Szenarien nicht selber entwickeln; gefordert sei nun der Fachhochschulrat.

Hintergrund der Forderung ist die angespannte finanzielle Situation in den Trägerkantonen – vor allem in Baselland und Solothurn. «Es geht aber nicht primär darum, der FHNW ein schmerzhaftes Sparpaket aufs Auge zu drücken», stellt FDP-Landrat und IPK-Mitglied Michael Herrmann klar. Er kann sich zwar vorstellen, Kürzungen zu unterstützen – allerdings nur, sofern diese den Erfolg der Schule nicht gefährden. In einem ersten Schritt müssten nun die Grundlagen her, fordert Herrmann: «Damit wir mögliche Konsequenzen einer allfälligen Budgetkürzung beurteilen können.»

Im Baselbiet standen bereits im Herbst 2011 Sparforderungen im Raum. Allerdings wurden diese erst bei der Beratung im Parlament geäussert – zu spät, als dass man ohne Kollateralschäden ein wirkungsvolles Sparpaket hätte schnüren können. FHNW-Globalbeitrag und Leistungsauftrag wurden damals im zweiten Anlauf verabschiedet. Nun, drei Jahre später, haben die sparwilligen Baselbieter nicht nur früher reagiert, sondern auch Politiker anderer Kantone ins Boot geholt.

Die Basler Grünliberale Martina Bernasconi würde sich zwar gegen rigorose Sparmassnahmen zur Wehr setzen. «Es wäre fatal, wenn wir den Erfolg der FHNW durch Kürzungen aufs Spiel setzen würden.» Gleichwohl unterstützt sie die Forderung der Bürgerlichen nach Entwicklungsszenarien: Klare Grundlagen auf dem Tisch zu haben, sei auf jeden Fall hilfreich. Bernasconi glaubt sogar, dass damit leichtfertige oder überzogene Sparanträge im Parlament vermieden werden können.

Fragliches Streben nach Exzellenz

Ähnlich äussert sich Oswald Inglin (CVP), IPK-Mitglied und Präsident der grossrätlichen Bildungs- und Kulturkommission: «Die Parlamente sollen sehen, was es bedeutet, wenn die Kantone 20 Millionen weniger bezahlen.» Im Vergleich zu Baselland sei der Spardruck im Stadtkanton geringer. Dennoch findet es Inglin richtig, nun eine Debatte anzustossen – etwa über das Streben nach Exzellenz in einigen Forschungsschwerpunkten: «Es fragt sich schon, inwiefern die Trägerkantone diesen erbarmungslosen Wettkampf mit Geld unterstützen wollen.»

FDP-Landrat Herrmann spinnt diesen Gedanken weiter, indem er eine «Konsolidierung des FHNW-Angebots» in den Raum stellt. Eine Fachhochschule könne nicht überall top sein. «In der Schweiz mit vielen Fachhochschulen auf relativ engem Raum könnte eine Spezialisierung sinnvoll sein.» An den sechs Standorten will er hingegen nicht rütteln: Die FHNW sei nicht zuletzt regionalpolitisch sorgfältig ausbalanciert. «Welche Studiengänge wo angeboten werden – über dieses Thema sollten wir hingegen diskutieren», findet Herrmann.