Die Gegner eines Schwingfests in Aesch zeigen derzeit alle birsabwärts: in Richtung St. Jakob-Park. Dort solle 2022 der Schwingerkönig gekrönt werden. Im grössten Stadion der Schweiz – und nicht auf dem wertvollen Kulturland zwischen Aesch und Reinach. Ob der St. Jakob-Park und sein Vorland, die Brüglinger Ebene, das Fest überhaupt aufnehmen könnten, ist jedoch gar nicht gesagt. Denn die Infrastruktur würde eine riesige Fläche beanspruchen. Es ist die Rede von gegen 100 Fussballfeldern.

Zwar wird die Brüglinger Ebene bereits heute sportlich genutzt: Das Sportamt Basel-Stadt unterhält 15 Fussballplätze, auf dem Nachwuchs-Campus des FCB hat es nochmals deren fünf. Für ein Schwingfest wären theoretisch ebenso nutzbar: die St. Jakobshalle samt Nebengebäuden, die St. Jakob-Arena, das Gartenbad St. Jakob und das gleichnamige Leichtathletik-Stadion sowie das Gelände der heutigen Pferderennbahn Schänzli. Dies ergibt eine Fläche von total knapp 50 Fussballfeldern.

Teilweise Gewässerschutz-Zone

Doch bereits im hinteren Teil der Brüglinger Ebene wären die Schwingfest-Besucher wohl weniger erwünscht. Dort liegt der «Park im Grünen» samt den beiden grösseren Gewässern. Am nordwestlichen Rand schliessen die Merian Gärten an. In diesen werden unter anderem seltene Kräuter angepflanzt.

Grösste Landeigentümerin im Südteil ist die Christoph Merian-Stiftung (CMS). Sie zeigt sich skeptisch. «Wir würden eine Anfrage grundsätzlich prüfen», sagt Mediensprecher Toni Schürmann. «Aber gerade bei den Merian Gärten ist kaum denkbar, das Land etwa für mobile Bauten oder Parkplätze zu nutzen.» Die Merian Gärten und der Park im Grünen bildeten die «Grün 80». Der Park im Grünen gehört im Baurecht der gleichnamigen Stiftung. Deren Sprecher Dieter Wullschleger sagt, man sehe es gleich wie die Bodeneigentümerin, die CMS: «Eine andere als die heutige Nutzung als Naherholungszone kann ohne Schäden nicht realisiert werden.» Hinzu kommt: Der Park im Grünen ist in diverse Schutzzonen eingeteilt.

Was vonseiten der Gegner der Variante St. Jakob weiter zu hören ist: Das Stadion sei zu klein. Es fasse maximal «nur» rund 38 000 Zuschauer. Die Arenen bei den jüngsten beiden Eidgenössischen Schwingfesten jedoch hätten wesentlich mehr Menschen Platz geboten. Im August in Estavayer-le-Lac und 2013 in Burgdorf fassten die temporär errichteten Stadien jeweils rund 52 000 Zuschauer. Vom Eidgenössischen Schwingerverband heisst es, es gebe für die Stadiongrösse keine Mindestvorgaben. «Die Zahl von 52 000 Zuschauern hat sich schon ein wenig eingebürgert in den letzten Jahren», sagt Mediensprecher Christian Ruefer, «doch sie ist nicht in Stein gemeisselt – jeder Standort ist anders.»

Der Eidgenössische Verband steht dem Wachstum, den der Anlass in den vergangenen zwei Jahrzehnten erfahren hat, kritisch gegenüber. Im Rahmen einer Studie wurden Festbesucher befragt, diese äusserten sich mehrheitlich negativ über die Dimensionen. Die Quintessenz der 2014 präsentierten Studie: Kein weiteres Wachstum, sonst geht der Charme verloren. Somit könnte der St. Jakob-Park zumindest vonseiten Verband als Schwingarena dienen, wie es bereits der Vorgängerbau tat. Das Eidgenössische des Jahres 1977 fand im St. Jakob-Stadion statt.

Zu den beiden Varianten Aesch und St. Jakob will Christian Ruefer vom nationalen Verband keine Stellung beziehen: «Wir kommentieren die Bewerbungen nicht, solange der Such- und Meinungsbildungsprozess noch läuft.» Der FC Basel als Vermarkter des St. Jakob-Parks sagt, es habe erst lose Gespräche in der Angelegenheit Schwingfest 2022 gegeben. Grundsätzlich stehe der Club einem «Eidgenössischen» weiterhin positiv gegenüber.

Fazit: Die Chancen einer Bewerbung St. Jakob/Brüglinger Ebene wären intakt, auch wenn das Schwingfest wohl stark abspecken müsste. Dass der Anlass auch in der jüngeren Vergangenheit in kleinerem Rahmen stattfand, zeigt das Beispiel Nyon 2001: Damals fasste die Arena 27 000 Zuschauer – das Joggeli würde somit nicht für einen Zuschauer-Minusrekord sorgen.