Erste Passanten stürmen herbei, um den Verunglückten zu helfen. Sie spielen gut, nehmen ihren Job ernst. Sie hinken, keuchen, schreien, leiden. So vergehen die Minuten, bis die ersten Rettungskräfte eintreffen. Erst die Polizei, Minuten später die Feuerwehr. Sie wussten von der Übung, hatten den Einsatz in der Agenda notiert, doch was genau sie erwarten würde, war ihnen unbekannt. «Krass» ist denn auch der zwar knappe, aber nicht minder anerkennende Kommentar eines vorbeieilenden Retters.

Einmal im Leben

Mit der Feuerwehr kommt auch die Dunkelheit - und die lang ersehnte Rettung für die Eingeklemmten, während aus den Zuschauerreihen Bratwurstduft herüberweht. Es werden Scheinwerfer montiert, Generatoren rattern, Bahren mit Menschen beladen und weggetragen, Decken verteilt. Mittendrin wirbeln die Kameramänner und Fotografen der Presse und die Übungsleiter, die keinen Handgriff, keine Entscheidung unnotiert lassen. Und mit dem nötigen Abstand, um einen geordneten Überblick zu gewinnen, wird eine ganze Entourage um Baudirektorin Sabine Pegoraro über jeden Schritt auf dem Laufenden gehalten.

Blick zurück. Eine halbe Stunde vor Übungsbeginn: Echte Passanten bestaunen das kollabierte Tram, unterhalten sich angeregt, zücken ihre Handys und Taschenkameras, knipsen Erinnerungsfotos. Das sehe man schliesslich, ist man sich einig, vielleicht einmal im Leben. Im Hintergrund reihen sich die Figuranten auf, Unverletzte zuhauf, leicht Zerschundene daneben - und überall: gewaltige Wunden, geborstene Knochen, alles liebevoll geschminkt. Per Megafon werden sie schliesslich in die havarierten Waggons gelotst. Einer nach dem anderen. Schlange stehen, um in die Unglücksfahrzeuge zu gelangen.

Vom Gaffer bis zur Leiche

Das Szenario, das der Kantonale Krisenstab (KKS) ausgeklügelt hat, um die hiesigen Rettungsorganisationen für den Ernstfall zu rüsten, war an Imposanz kaum zu übertreffen. Das Tram der Linie 11 blockierte die Aescher Hauptstrasse seit dem Morgen, obschon die Aktion erst zum Feierabendverkehr über die Bühne ging. Rund 700 Menschen kamen an der Übung zum Einsatz, 400 davon waren Beübte aus Krisenstab, Feuerwehr, Zivilschutz, Polizei, Sanität, BLT und schliesslich sogar REGA. Der Rest waren Figuranten, die die Passagiere mimten, die Gaffer, einen fingierten Pressefotografen und die Leiche. «Montbrison» nannte sich die im Übrigen gelungene Übung, benannt nach der ersten Strassenbahn Europas, die im französischen Montbrison verkehrte.