Eine davon ist Birsfelden. «Es wäre schon toll, wenn wir wie Allschwil viel Steuern von Gewerbe einnehmen würden», sagt Gemeindepräsident ad interim Claudio Botti (CVP).

Auch in Binningen spielen Gewerbesteuern keine grosse Rolle im Gemeindebudget. Wird das Stamm-Areal überbaut, bleibt der Gemeinde kein zusammenhängendes Gewerbegebiet mehr übrig. Bereits ansässige Firmen, die expandieren wollen, müssen anderswo Platz suchen.

«In grösseren Räumen denken»

Das weiss Mike Keller, Gemeindepräsident (FDP) und Präsident von KMU Binningen-Bottmingen. Er hält es aber nicht für tragisch, wenn manche Gemeinden immer mehr zu reinen Wohnorten werden, während andere das Gewerbe anziehen. Das werde sich automatisch so ergeben. «Wir kommen nicht darum herum, in grösseren Räumen zu denken», ist er überzeugt. Die Initiative zur Koordination der Gewerbeflächen müsse aber von unten kommen. «Dass eine Gemeinde mit einer anderen abmacht, ihr das Gewerbe zu überreichen, funktioniert nicht.»

Das sieht Lotti Stokar anders. Die Grüne ist Präsidentin der Gemeinde Oberwil, die zusammen mit Therwil auf der Mühlematt viel Gewerbe beherbergt. Stokar schwebt vor, dass der Kanton die Ansiedlung von Gewerbe regional koordiniert. Solange die Zonenpläne den Gemeindeversammlungen vorgelegt werden, sieht Stokar die Gemeindeautonomie nicht verletzt. «Eine Koordination ist allemal besser, als wenn jede Gemeinde das beste Stück des Gewerbekuchens zu ergattern versucht.» Das entspreche der Lösung von Aufgaben in funktionalen Räumen, wie das neulich die «Charta von Muttenz» beschlossen habe.

Finanzielle Entschädigung


Botti kann sich vorstellen, dass die Ansiedlung von Gewerbe regional geregelt wird. «Will sich ein Gewerbler bei uns ansiedeln, findet aber keinen Platz, könnte ich ihn an eine Gemeinde mit mehr Platz weiterleiten», sagt er. Eine Bedingung müsse aber erfüllt sein: Gewerbearme Gemeinden wie Birsfelden müssten finanziell entschädigt werden. «Schliesslich entgingen uns Steuereinnahmen.»

In einem Punkt sind sich Stokar, Botti und Keller einig: Ganz ohne Gewerbe darf eine Gemeinde nicht sein. «Es würde das Leben fehlen», sagt Keller. Botti weist auf die Treffpunkt-Funktion des publikumsintensiven Gewerbes hin, und Stokar meint: «Es ist sympathisch, wenn man den Schreiner im Dorf noch kennt.»