Ob Körperkult oder Gesundheitsvorsorge: Die Fitness-Branche boomt und kann ein stetiges Wachstum verzeichnen. Besonders grosse Ketten wie Migros Fitness verfügen mit 62 von landesweit 920 Clubs über grosse Anteile im Schweizer Fitness-Markt.

Auch im Kanton Baselland schiessen die Fitnessstudios wie Pilze aus dem Boden und buhlen mit der Konkurrenz um die begrenzte Anzahl Kunden. Ein Beispiel ist der Baselbieter Hauptort: Im März hat mit «Savo.ch» bereits das fünfte Fitnesscenter in Liestal seine Tore geöffnet. Doch wie differenzieren sich die einzelnen Trainingszentren voneinander und wie überleben sie diesem Konkurrenzkampf?

Wellnessbereiche, Physiotherapie

Heute bieten viele Fitness-Studios zusätzlich noch einen Wellness-Bereich, Physiotherapie, Ernährungsberatung und Gruppenkurse an, um den nötigen Umsatz zu generieren und sich von der Konkurrenz zu abzuheben. «Wir benötigen zusätzliche Angebote wie Physiotherapie oder Gruppenkurse, um ökonomisch auf beiden Beinen zu stehen», meint Andreas Graf vom Gesundheitszentrum MEM, das in einem denkmalgeschützten Gebäude der alten Stadtmauer von Liestal liegt und ein aussergewöhnliches Ambiente bietet.

Durch die Zusatzangebote kann man Kunden aus anderen Segmenten gewinnen, die keine Lust haben, stundenlang Gewichte zu stemmen oder auf dem Laufband zu rennen, sondern auf eine andere Art ihre Gesundheit fördern wollen. So lassen sich weitere Zielgruppen erschliessen, welche die Zusatzangebote nutzen, den Umsatz steigern und vielleicht zukünftige Abo-Inhaber werden. Im Fall vom MEM entspricht der Umsatzanteil der Abonnements rund einem Drittel.

Die Swiss Martial Arts Academy am Liestaler Bahnhofsplatz generiere ihren Jahresumsatz gar zu 85 Prozent aus den Abonnements in den Bereichen Fitness und Gruppenkurse, wie der Mitgründer und Inhaber Michael Lifart sagt. Das noch junge Fitnessunternehmen unterscheidet sich mit zusätzlichen Angeboten wie Kampfsport, Tanz und einem Wellnessbereich, wodurch auch eine eher jüngere Zielgruppe angesprochen wird. Lifart fügt hinzu, dass die jüngeren Mitglieder, sprich die 18- bis 25-Jährigen, bis zu 70 Prozent der Kundschaft ausmachen.

Jedoch ist Fitness keineswegs eine Sportart für Jugendliche, sondern ein Volkssport. Beim Migros Fitnesspark an der Basler Heuwaage beträgt das durchschnittliche Alter knapp 40 Jahre. Eine Fitness-Instruktorin vom Zunzger Studio Time Out berichtet, dass das älteste Mitglied 90 Jahre alt werde. Laut der nationalen Studie «Sport Schweiz 2014» vom Bundesamt für Sport ist der durchschnittliche Fitnesssportler 40,7 Jahre alt.

Trotz wachsender Konkurrenz spüren die ortsansässigen Fitnesscenter keinen ökonomischen Druck. Die Mitgliederzahlen steigen oder stagnieren auf einem hohen Niveau, und durch zusätzliche Angebote können sie weiter Kunden generieren. Viele Fitnessstudios bieten auch Nahrungsergänzungsmittel an, um ihr Angebot zu komplettieren.

Zwar sind die typischen Muckibuden aus Schwarzeneggers Zeiten passé, dennoch finden sich in Fitnesszentren noch viele Jugendliche und Erwachsene, die ihre Körper trainieren wollen, um ihr ästhetisches Ideal zu erreichen. Damit dieses Ziel mutmasslich schneller erreicht werden kann, greifen die Ungeduldigen vielmals zu Nahrungsergänzungsmitteln wie Proteinpulver.

Um dieser Nachfrage ein greifbar nahes Angebot gegenüberzustellen, verkauft ein grosser Teil der regionalen Fitnessstudios solche Supplemente, um dem Kunden zu dienen und die Umsätze zu steigern. Jedoch ist die Wirkung der Pulver, Tabletten und Riegel weltweit umstritten. Dennoch werden sie verkauft und konsumiert wie nie zuvor. Die interviewten Verantwortlichen der regionalen Fitnesszentren sagen alle, dass der normale Breitensportler keine Supplemente benötigt, wenn er sich ausgewogen ernährt.