Schon einmal haben die Präsidentin und die Präsidenten der vier Solothurner Gemeinden im Lüsseltal in den Jahren 2012 und 2013 die Themen «Verwaltungsgemeinschaft Lüsseltal» oder «Gemeinde Lüsseltal» analysiert, wie Gemeindepräsident Dieter Künzli vor einer Woche anlässlich der Präsentation einer Bachelorarbeit ausführte. Man sei damals aber nicht über eine ausgewachsene Datensammlung hinausgekommen.

Zusammen mit Professor Emilio Sutter von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und Vertretern der andern drei Gemeinden freute sich der Breitenbacher «Amme» sichtlich, von den beiden FH-Absolventen deutlich mehr zu Chancen und Klippen einer Gemeindefusion zu erfahren.

Mehr Professionalität läge drin

In ihren Teilreferaten vermittelten Simon Croll und Lukas Frey zu Beginn einen Überblick über Topographie, Fläche, Besiedlungsart, Bevölkerungszahl und Steuerbelastung der vier Gemeinden, die zusammen gut 7000 Einwohner ausmachten. Eine Zahl, die ein grösseres Leistungsangebot bei gleichen Kosten ermögliche, so Croll. Den grössten Treiber für eine Fusion zu einer Gemeinde «Lüsseltal» orteten die beiden Autoren im Personalmangel vor allem im Bereich der zahlreichen Behörden und Kommissionen.

Die fusionierte Gemeinde profitiere dann vom wiederbelebten Wettbewerb um die wichtigsten Ämter in Präsidium und Gemeinderat und von gesteigerter Professionalität.

«Die Fusion ist die konsequenteste, tiefgreifendste Art der Zusammenarbeitsformen und wäre für das Lüsseltal die beste Lösung», stellten die beiden Studierenden mit Blick auf den Unterschied zwischen der revolutionären Gemeindefusion im Kanton Glarus und dem «Mittelding Verwaltungsgemeinschaft» mit einer Leitgemeinde oder dem der Bevölkerung entrückten Zweckverband fest.

Ergebnis: «Es braucht Leidensdruck»

Die Glarner Landsgemeinde hatte 2011 aus 25 Ortsgemeinden drei gemacht, später die Steuern senken und die Ämter nach wieder erstandenen Kampfwahlen mit geeigneten Personen besetzen können.

Croll und Frey verblüfften, als sie die Fusionsidee mit den Regeln der seit 900 Jahren wirtschaftlich erfolgreich operierenden Benediktiner stützten und zahlreiche positive Resultate aus deren Orden vorlegten. Ihre als Erfolgsfaktoren in Sachen Ökonomie, Kultur, gemeinsame Projektarbeit, Wir-Gefühl und vertiefte Zusammenarbeit vorgelegten Smartspider reduzierten sich in der Diskussion auf Politik, Kultur und Gesellschaft.

Einig waren sich alle mit dem für die Bachelorarbeit verantwortlichen Professor Emilio Sutter: «Es braucht Leidensdruck und viel Geduld, bis sich ein den Benediktinern ähnliches «Wir-Gefühl» entwickeln und eine allen gerecht werdende Gemeinde ‹Lüsseltal› entstehen kann.»