«Diese Leute sind hier und können und sollen arbeiten», erklärt Bauer Andreas Eschbach. Er ist Betriebsleiter des Gemüsebaubetriebs Im Leimen in Füllinsdorf und bringt auf den Punkt, worum es beim Pilotprojekt «Flüchtlinge als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft» des Schweizer Bauernverbands (SBV) geht.

Dieses dreijährige Pilotprojekt wurde gestern von den Partnern SBV und Staatssekretariat für Migration (SEM) auf dem Hof von Bauer Eschbach den Medien vorgestellt und offiziell gestartet. So sollen Flüchtlinge und vorübergehend aufgenommene Personen, die in der Schweiz Schutz erhalten, die Möglichkeit bekommen, sich als normale Angestellte im Schweizer Arbeitsmarkt einzubringen und Erfahrungen zu sammeln.

Sie sollen sich integrieren und selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen können, erklärt Mario Gattiker, Staatssekretär für Migration. «Vor allem trägt das Projekt dazu bei, das inländische Potenzial an Arbeitskräften zu nutzen», sagt Gattiker. Dies sei der klare Auftrag der Schweizer Bevölkerung gewesen mit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative vom 9. Februar 2014. Um diesen Entscheid umzusetzen, benötige der Bund jedoch die Mithilfe der Wirtschaft — im aktuellen Fall der Landwirtschaft. Gattiker erklärt: «Sie benötigt jedes Jahr zwischen 25'000 und 35'000 Arbeitskräfte aus dem Ausland. Einen Teil davon könnte man aus den Flüchtlingen und vorübergehend Aufgenommenen mobilisieren.»

Noch fünf Plätze frei

Im Projekt, das gemäss Medienmitteilung vorerst «die geeigneten Rahmenbedingungen und Erfolgsfaktoren bei den Beteiligten herauszuschälen» versucht, habe man Platz für insgesamt 15 Flüchtlinge. Schweizweit seien aktuell zehn Landwirtschaftsbetriebe involviert in den Kantonen Baselland, Bern, Tessin, Thurgau, St. Gallen und dem Wallis, erklärt Projektleitern Monika Schatzmann, Leiterin bei Agrimpuls, einem Geschäftsbereich des SBV. Dies könne aber von Jahr zu Jahr ändern.

Die ersten Flüchtlinge des Pilotprojekts haben laut Schatzmann vergangene Woche ihre Arbeit aufgenommen. Einige Stellen beginnen aber erst später. «Momentan fehlen uns die Flüchtlinge», sagt die Projektleiterin. So seien im Projekt noch fünf Plätze frei. «Persönlich hat es mich schon ein wenig enttäuscht, dass die Plätze noch nicht gefüllt werden konnten.» Einen Grund für die fehlenden Flüchtlinge vermutet Schatzmann in der «relativ komplizierten» Vermittlung durch das SEM, welches die Flüchtlinge über die kantonalen Asylkoordinationsstellen rekrutiere. «Das ist halt einfach so: Wenn mehrere Behörden mitmischen, kann der Weg halt etwas länger dauern.» Suchen würde man jedoch erst seit dem April.

Für das dreijährige Projekt stehen insgesamt 400 000 Franken zur Verfügung, die je hälftig vom SBV und dem Bund getragen werden. Wie Schatzmann erklärt, erhalte jeder Betrieb für den administrativen Aufwand 200 Franken pro Monat. Dies, weil die Betriebe regelmässige Mitarbeitergespräche durchführen und für die Auswertung durch den SBV protokollieren müssen. Ist ein Flüchtling auf dem Hof untergebracht, erhält der Betrieb weitere 200 Franken pro Monat.

Am Ende des Pilotprojekts werde sich zeigen, ob die Arbeitsstellen, die heute zum Beispiel von Polen besetzt werden, auch durch Flüchtlinge abgedeckt werden können, sagt Schatzmann. Über das Beispiel des Betriebs von Andreas Eschbach ist Schatzmann hoch erfreut. Der Betrieb beschäftigt schon seit über 20 Jahren Flüchtlinge und hat laut Eschbach damit überwiegend gute Erfahrungen gemacht. Schatzmann ergänzt: «Dieser Betrieb steht ja fast ein wenig Pate für dieses Pilotprojekt. Als Beispiel im Voraus, das zeigt, dass es eine gute Sache ist.»

Beispiel aus dem Pilotprojekt des Bauernverbands: Der Somalier Abdi Fatah bei der Arbeit auf dem Hof von Gemüsebauer Andreas Eschbach in Füllinsdorf. Der Gemüsebauer aus dem Baselbiet ist einer der zehn am Projekt beteiligten Landwirte.

Kresse-Kontrolle und Salat abpacken: Der Somalier Abdi Fatah bei der Arbeit auf dem Hof von Gemüsebauer Andreas Eschbach.