Gemeinsam mit ihrer Mutter betreut Sigrid Gerster in Laufen eine junge Eritreerin und deren zwei Kinder. Die 23-Jährige hat sich bereit erklärt, die ausländische Familie in ihrem Alltag in der Schweiz zu unterstützen. Im Rahmen des Projektes «Grüezi, Welcome» möchte sie zur Integration von Flüchtlingen in die hiesige Gesellschaft beitragen. Als wir mit ihr sprechen, liegt das erste Treffen mit den Menschen aus Nordostafrika nur wenige Stunden zurück.

Frau Gerster, Sie haben sich gerade zum ersten Mal mit den Flüchtlingen getroffen. Welches sind Ihre Eindrücke?

Sigrid Gerster: Heute ging es vor allem darum, sich ein wenig kennen zu lernen. Ich hoffe, dass in der nächsten Zeit ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis entsteht. Wir möchten uns einmal wöchentlich treffen – abwechselnd bei uns und bei ihnen zu Hause.

Worum soll es bei diesen Treffen gehen?

Diese Menschen sind noch nicht lange in unserem Land und kennen viele der Gepflogenheiten nicht. Was für uns selbstverständlich ist, ist ihnen neu und unbekannt. Wir möchten bei alltäglichen Schwierigkeiten helfen und ihnen das Leben in der Schweiz näherbringen. Meine Mutter und ich wollen zu Ansprechpersonen werden, die es ihnen erleichtern, hier Fuss zu fassen.

Wie stellen Sie sich die Unterstützung konkret vor?

Es geht um Grundlegendes. Das beginnt bei der oft mühsamen Kommunikation mit Behörden. Auch wenn die Frau bereits gut Deutsch spricht, kann sie längst nicht alles verstehen. Ihre beiden Kinder besuchen den Kindergarten und die Primarschule. Da kommen immer wieder Elternbriefe mit schwierigen Wörtern drin. Ihnen bei administrativen Angelegenheiten zu helfen, ist eine wichtige Aufgabe.

Haben Sie auch vor, Ausflüge mit ihnen zu unternehmen?

Ja, wir möchten ihnen zeigen, was man im Raum Basel alles unternehmen kann. Familien, die nicht viel Geld haben, müssen wissen, wo sie verbilligte Produkte erhalten. Vielleicht können wir ihnen auch da behilflich sein. Die langfristigen Ziele sind, dass die Familie Kontakte mit anderen Schweizern knüpfen kann und die Frau dereinst eine Arbeitsstelle findet.

Wo sehen Sie in Laufen – einmal abgesehen vom Projekt – überall Möglichkeiten zur Integration von Flüchtlingen?

Ein wichtiger Türöffner können Vereine sein, von denen es in Laufen viele gibt. Aber auch die Kirchgemeinden, die den Anstoss zum Projekt gaben, haben eine grosse Bedeutung. Nicht zu vergessen Schulfeste und Veranstaltungen für Kinder. Eigentlich besteht überall, wo es Gemeinschaften gibt, die Möglichkeit zur Integration.

Wieso haben Sie sich entschlossen, eine Flüchtlingsfamilie zu betreuen?

Wenn es in meiner Gemeinde schon so ein Projekt gibt, möchte ich helfen. Die Flüchtlinge sind hier und wir leben zusammen. Wenn ich fremd in einem neuen Land wäre, wünschte ich mir auch, dass sich die Einheimischen mit mir abgeben. Schweizer sind in dieser Beziehung sehr zurückhaltend.

Was möchten Sie Ihrerseits von den Flüchtlingen lernen?

Es ist spannend, durch den Kontakt mit der eritreischen Familie eine neue Kultur kennen zu lernen. Ich hoffe, dass sie uns Bräuche aus ihrer Heimat zeigt. Vielleicht lernen wir sogar, wieder mehr zu schätzen, wie gut es uns hier geht, wenn die Flüchtlinge über ihr beschwerliches Leben sprechen.

Sie sind noch relativ jung. Was sagen Ihre Altersgenossen zu Ihrem Engagement?

Bisher waren sie interessiert und neugierig. Negative Reaktionen habe ich keine erhalten. Sie finden es gut, dass ich mich engagiere. Wenn mich der eine oder die andere zum Vorbild nimmt und selber zum Götti oder zur Gotte wird, wäre das wunderbar.